Landwirt und Naturschützer sorgen sich nach blutiger Ernte um Überlebende

Drama um Wiesenweihen: Zwei der fünf Küken tot

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Das Bild oben links zeigt eines der geretteten Küken. Die Wiesenweihe ist in der Ostaltmark noch eher selten, europaweit gesunden die Bestände.

Orpensdorf. „So etwas lässt einen natürlich nicht kalt. “ Auf einem Gerstenfeld nahe Orpensdorf haben Erntearbeiten eine Greifvogelfamilie regelrecht auseinandergerissen.

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Eine junge Wiesenweihe kam direkt unter die Räder, einer anderen wurde der Flügel abgetrennt, die Rettungsversuche im Tiergarten Stendal blieben letztendlich ohne Erfolg. Gerd Flechner: „Drei weitere Jungtiere hüpften aufgeregt auf dem Acker umher. Sie können ja noch nicht fliegen. “ Der Mitarbeiter des Kreisumweltamtes handelte umgehend, baute ein Schutzgitter gegen Fuchs und andere Räuber und setzte den überlebenden Nachwuchs hinein. Die vor Angst geflüchteten Altvögel sind inzwischen zurückgekehrt – und füttern. Flechner atmet auf und glaubt, dass die geretteten Jungtiere, vielleicht fünf Wochen alt, eine Chance haben und leben bleiben. Die Wiesenweihe kom- me in der Region recht selten vor. Auch wenn es einige Kilometer weiter bei Ballerstedt in diesem Jahr sogar mindestens fünf Brutpaare geben soll. Hobby-Ornithologe Uwe Bach habe ein wachsames Auge auf alle.

Das Schutzgitter steht.

Von dem Nest bei Orpensdorf wusste offenbar niemand. „Die Landwirte haben richtig gehandelt, sie haben sich gekümmert und gesorgt. Selbstverständlich ist das nicht“, lobt der staatliche Naturschützer. Familie Salomon habe die Vogelschutzwarte in Niedersachsen angerufen, die Mitarbeiter dort informierten ihre Kollegen in Sachsen-Anhalt und die dann schließlich Flechner. „Ein direkter Anruf bei mir wäre auch möglich gewesen. Doch woher soll man das auch alles wissen? Wir haben gemeinsam Schlimmeres verhindern können, das zählt.“ Fürs Kreisumweltamt war es 2015 der erste Hilfseinsatz bei Greifvögeln.

Zunächst war von verletzten Korn- oder Rohrweihen die Rede. Das wäre naheliegender gewesen. Doch auch die Wiesenweihe brüte gar nicht so selten auf Feldern, und pfeife somit auf ihren Namen. „Wobei selbst Wiesen keine Sicherheit bedeuten, auch Grünland wird von der Landwirtschaft stark genutzt. So ist das nun einmal.“ Die Metallkonstruktion für die Orpensdorfer Küken hatte Flechner noch auf Lager. Vor einiger Zeit gab es ein Schutzprogramm für die Wiesenweihe. Dank der Restzäune hat Flechner überhaupt auch erst so schnell handeln können.

Von Marco Hertzfeld

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