777 Jahre Gladigau: Ausstellung soll Menschen aus gesamter Region anlocken

Ein Dorf im Wandel der Zeit: Preisträger im Rampenlicht

+
Wimpel, Fotos, Dokumente: Norbert Lazay (r.), Herbert Kühne und Brunhild Wegner suchen nach weiteren Ausstellungsstücken. Das Jubiläum in Gladigau wird vom 5. bis 7. Juni gefeiert.

Gladigau. „Die Auswahl ist riesig, und das bei einem so kleinen Ort mit gut 200 Einwohnern“, sagt Norbert Lazay, lächelt und zieht die Augenbrauen hoch. Der Pfarrer hat einen Stapel Fotos vor sich liegen. Herbert Kühne beugt sich über Plakate und historische Karten.

Und Brunhild Wegner schiebt die anderen Dokumente erst einmal beiseite. Die drei scheinbar Nimmermüden gehören zu einer der sieben Arbeitsgruppen für die 777-Jahr-Feierlichkeiten des Dorfes und bereiten eine Ausstellung im Kirchsaal vor. Der Titel: „Gladigau in Wort, Ton und Bild. “ Die Zeit drängt, schließlich soll die Präsentation zum Jubiläum schon ab 6. Juni nicht zuletzt Besucher aus der Region und darüber hinaus begeistern.

Zu sehen sein wird auch ein schon fast legendäres Plakat, das vor 27 Jahren für die 750-Jahr-Feier warb. „Plakate zu DDR-Zeiten in Privatinitiative drucken zu lassen, war ja nun wirklich nicht üblich und so wirklich erlaubt auch nicht“, meint Lazay, der Vorsitzende des Altmärkischen Heimatbundes, im Gespräch mit der AZ. Zudem seien die 250 Exemplare 1988 dank „bestimmter Verbindungen“ ausgerechnet in Westberlin hergestellt worden. Dies sei nicht unbemerkt geblieben. „Einen entsprechenden Eintrag habe ich später in meiner Stasi-Akte gefunden.“

Gladigau sei auch so kein unbeschriebenes Blatt, als der Ort 1988 sich und seine 750-jährige Geschichte feierte, gab es bereits eine große Ausstellung. „Die Entwicklung, das bäuerliche Leben und alles drum herum, wurde damals ziemlich gut und umfassend beschrieben. Vom Dreschflegel bis zur Egge ist vieles gezeigt worden. Wir wollen diese Schau deshalb nicht kopieren, sondern allenfalls daran anknüpfen“, erläutert Lazay der AZ bei einem Treffen der Arbeitsgruppen. Wer die neu konzipierte Ausstellung besucht, soll erkennen können, wie sich Gladigau in den 27 Jahren weiterentwickelt habe.

Das Dorf ist 1238 erstmals urkundlich erwähnt worden. Natürlich dürfe bei aller Konzentration auf die Nachwendezeit eine Kopie dieses historisch wichtigen Belegs nicht fehlen. Zudem soll eine Landkarte aus dem Jahre 1843 einer aktuellen Übersicht zum Vergleich gegenüberliegen. „So kann jeder sehen, wo sich Gladigau wie verändert hat.“ Hinzu kommen Zeitungsartikel, Postkarten, Ölbilder, Aquarelle und anderes mehr. Lazay denkt auch an die Ballade von der Burg zu Gladigau, einem historischen Gemäuer, das es zumindest in Resten noch bis 1832 gegeben haben soll.

Großes Gewicht habe auch die Abteilung „Ton“. Mario Bannehr, ein weiteres Mitglied der Arbeitsgruppe, habe die Federführung, wenn es um die Zusammenstellung von Musikkassetten und anderen Tonträgern geht. In einem Fernseher sollen in einer Endlosschleife Filme über Gladigau laufen. „Der Posaunenchor, der Kirchenchor, die Vereine – Gladgau ist reich an kulturellem Leben. Einiges davon ist auf Kassette gebannt“, weiß Lazay.

Jüngste Werke zeugen von einem Ort, der 2014 Kreissieger im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ geworden ist und sich dieses Jahr um die Landeskrone bewirbt. Der Pfarrer stolz: „Wer sich also informieren möchte, wie so etwas gelingen kann, sollte nach Gladigau kommen und die Ausstellung besuchen.“ Die Schau wird am Sonnabend, 6. Juni, um 11.30 Uhr eröffnet und wahrscheinlich mindestens eine Woche zugänglich sein.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare