Mathias Fritze favorisiert Ausbau der B 189 – und stellt sich damit gegen die eigene Partei

„Die Zahl der Zweifler wächst“

Gegner des Autobahnbaus protestierten am Rande des symbolischen ersten Spatenstichs der A-14-Nordverlängerung im November 2011 bei Colbitz. Das Großprojekt ist bislang nicht entscheidend vorangekommen. Momentan herrscht sogar ein Baustopp.

Osterburg. Mathias Fritze verlässt gern einmal die Spur. Nicht erst, seitdem die Richter des Bundesverwaltungsgerichtes den Bau der A 14 gestoppt haben und Nachbesserungen in der Planung fordern.

Der Liberale favorisiert den Ausbau der bestehenden Bundesstraße 189 – und stellt sich damit gegen seine eigene Partei. Kreisvorsitzender und Landes-Vize Marcus Faber hat immer wieder betont, wie wichtig die Altmark-Autobahn für die Region sei. Sein Parteifreund Fritze hat sich erst vor wenigen Wochen im Osterburger Stadtrat wieder gegen die A-14-Nordverlängerung ausgesprochen – als Einziger. Die AZ hat den Freien Demokraten befragt.

Interview

Wie bewerten Sie das aktuelle Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur A-14-Nordverlängerung?

Das Urteil zeigt, dass die Planung der Teilstrecke gegen bestehendes Recht verstößt. Jetzt muss nachgebessert werden. Insofern ein Dankeschön an den BUND, der das für eine solche Klage nötige Expertenwissen überhaupt zur Verfügung hat. Statt den BUND für die Bauverzögerungen verantwortlich zu machen, würde ich mir von Beginn an gesetzeskonforme und gerichtsfeste Planungen wünschen.

Sie erkennen Alternativen zur Altmark-Autobahn. Wie sehen die aus?

Keine Frage – die Altmark braucht eine erheblich bessere Verkehrsanbindung. Ich persönlich – und da weiche ich vom Standpunkt der FDP erklärtermaßen ab – favorisiere einen verkehrsgerechten Ausbau der bestehenden Bundesstraße. In Bezug auf Fahrtzeiten steht diese Alternative einer Autobahn kaum nach, sie wäre aber bedeutend preiswerter, umweltverträglicher und schneller zu realisieren. Ich halte es für einen großen Fehler der Politik, diese Variante nie ernsthaft geprüft zu haben. Wäre diese Option von Anfang an mit Nachdruck verfolgt worden, würden wir heute schon eine leistungsfähige Anbindung haben – statt einer Hoffnung darauf in vielleicht zehn Jahren.

Die Mehrheit der Menschen in der Altmark will den Bau der Autobahn. Das meinen zumindest die organisierten Befürworter des Mega-Projektes und führen Umfragen ins Feld. Sie sind da offenbar anderer Meinung und bezweifeln sogar, dass es diese Umfragen überhaupt gibt. Warum eigentlich?

Meines Wissens – und in dieser Hinsicht lasse ich mich gern belehren – gibt es eine einzige Umfrage, auf die sich die Autobahnbefürworter stets berufen. Diese wurde von der INFO GmbH Berlin 2011 im Auftrag des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr durchgeführt. Diese Studie hat meines Erachtens einige Schwächen, keinesfalls kann man der Studie entnehmen, dass die Bewohner der Altmark sich mehrheitlich für die A 14 ausgesprochen haben. Hier wurden die Antworten der Altmärker unter anderem mit denen der Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Börde, Salzlandkreis und der Stadt Dessau zusammengemischt. Diese Studie lieferte aus 1060 Befragungen, was der Auftraggeber hören wollte. Unterschlagen wurden zum Beispiel bisher zwei, nicht repräsentative, Onlineumfragen des MDR. Im Dezember 2011 stimmten rund 63 Prozent gegen die Autobahn, bei rund 11 000 abgegebenen Stimmen. Im Zuge der MDR-Livediskussion zur A 14 im November dieses Jahres waren es 60 Prozent bei etwa 9000 Stimmen. Aber im Grunde bezweifele ich nicht, dass es eine Mehrheit im Land für den Bau gibt. Wobei, wie wir alle wissen, Mehrheitsentscheidungen nicht immer richtig sein müssen. Mir scheint nur, den Wenigsten sind die erheblichen negativen Konsequenzen dieses Bauwerks bewusst. Immer, wenn es um planerische Details geht, sehe ich betroffen dreinblickende Gesichter, und die Zahl der Zweifler wächst, je konkreter die Planungen werden.

Sie sind Mitglied der FDP. Wären Sie nicht doch besser bei den Bündnisgrünen aufgehoben? Schließlich gehören Marcus Faber aus Stendal und weitere führende Liberale auf Kreis- und Landesebene zu den größten Befürwortern der A-14-Nordverlängerung.

Auf keinen Fall. Ich bin überzeugter Liberaler, auch weil es problemlos möglich ist, in der FDP einer anderen Meinung zu sein.

Was meinen Sie, führt im Jahre 2020 eine Autobahn durch den Landkreis Stendal?

Ich habe große Zweifel, zumindest was die durchgehende Verbindung bis Wittenberge angeht.

Von Marco Hertzfeld

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