Gegner des Vorhabens sammeln 373 Unterschriften 

Deutliche Mehrheit für Wohngebiet

Der Widerstand gegen das geplante neue Wohngebiet ist weiterhin groß in der Bevölkerung
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Lars Henning übergab am Dienstagabend eine Liste mit 373 Unterschriften von Kritikern der Pläne.
  • Tobias Henke
    VonTobias Henke
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Mit zwölf Ja-Stimmen, fünfmal nein und drei Enthaltungen hat der Osterburger Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstagabend einem geänderten Aufstellungsbeschluss für das geplante Wohngebiet an den Werderwiesen zugestimmt. Damit kann die Detailplanung beginnen, ein vorhabenbezogener Bebauungsplan steht allerdings noch aus. Der zweite Beschluss war notwendig geworden, da die Zuwegung nicht wie ursprünglich geplant über die Bismarker Straße, sondern über den Schwarzen Weg erfolgen soll (die AZ berichtete).

Dass die Pläne bei vielen Bürgern umstritten sind und teilweise auf deutliche Ablehnung stoßen, wurde bereits in der Einwohnerfragestunde deutlich, als Lars Henning Bürgermeister Nico Schulz (FW) eine Liste mit 337 Unterschriften von Bürgern übergeben hat, die sich alle gegen die Errichtung des geplanten Wohngebietes aussprechen. „Das sind alles Bürger, die in der Einheitsgemeinde wohnen“, sagte Henning gegenüber der AZ

Jürgen Emanuel (Die Linke) äußerte noch einmal seine grundsätzlichen Bedenken gegen das Wohngebiet. Auch war es ihm ein Bedürfnis, sein eigenes Abstimmungsverhalten zu erläutern. „Ich habe zunächst zugestimmt, aber da sollte die Zuwegung noch über die Bismarker Straße erfolgen und nicht über den Schwarzen Weg.“ Dass aus seiner Sicht über die Meinungen der Bürger hinweggegangen werde, die das Wohngebiet nicht haben wollen, nannte der Kommunalpolitiker „undemokratisch“.

Auch stellte er infrage, ob das Gebiet als Wohngebiet überhaupt geeignet sei, schließlich sei er früher gerne auf der im Winter zugefrorenen Werderwiese Schlittschuh gelaufen. Dieser Aussage widersprach der beauftragte Planer des Wohnprojektes deutlich: „Das Wohngebiet, was wir bauen wollen, liegt in keinem Schutz- oder Hochwassergebiet“, so seine Aussage.

Matthias Fritze (Fraktion Grüne/FDP) forderte von Bürgern und Planern, aufeinander zuzugehen. „Eine Kompromissbereitschaft beider Seiten vermisse ich völlig.“ Auch hier gab es Widerspruch von Planer Guido Cierpinski. „Das Wohngebiet wird grüner als wir es ursprünglich geplant haben. Wir sind kompromissbereit.“

Bürgermeister Nico Schulz unterstrich erneut seinen Standpunkt, dass das geplante Wohngebiet wichtig für die Stadtentwicklung sei. „Man kann niemanden dazu zwingen, im Plattenbau zu wohnen“, meinte Schulz mit Blick auf den vorhandenen Leerstand in etlichen großen Wohnhäusern der Stadt. Es dürfe sich eine Entwicklung wie direkt nach der politischen Wende nicht wiederholen, als die Einwohnerzahl in der Kernstadt Osterburg von 10 000 auf etwa 6000 gesunken sei. Inzwischen habe man ein negatives Wanderungssaldo weitgehend gestoppt, auch weil vermehrt Menschen aus den Städten auf das Land ziehen würden. „Dafür brauchen wir attraktiven Wohnraum, sonst geht diese Entwicklung an Osterburg vorbei.“

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