Portal des jüdischen Friedhofs beschädigt / Polizei fragt nach Zusammenhängen

Den Davidstern attackiert: Hakenkreuz am Metallzaun

Das metallene Tor zum jüdischen Friedhof an der Fabrikstraße in Osterburg ist offenkundig hart getroffen worden und hat mindestens seit dem Wochenende halb offen dagestanden. Irgendwer muss die beiden Türen notdürftig miteinander verbunden haben.

Osterburg. Das Tor zum jüdischen Friedhof in Osterburg ist demoliert. Die Scharniere sind verbogen, sodass sich die Metalltüren samt Davidschild darauf nur mit einigem Aufwand schließen lassen. Es gibt einen deutlichen Riss an der Grundmauer.

An einem Pfeiler sind Reifenabdrücke zu erkennen. Und: In das Metall wurde ein Hakenkreuz geritzt, ungefähr drei mal drei Zentimeter groß. Ob es zwischen beiden Taten einen Zusammenhang gibt, ist noch unklar. Die Polizei hat zwei Verfahren eingeleitet, das eine ob eines möglichen Unfalls mit Fahrerflucht, ein anderes wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Ob die Reifenspuren auf den Verursacher hindeuten, auch das sollen die Ermittlungen ergeben. Einen politischen oder gar antisemitischen Hintergrund kann Marco Neiß nicht ganz ausschließen. Es gebe aber auch andere Erklärungsmöglichkeiten, beide Sachverhalte könnten zudem nichts miteinander zu tun haben. Der Polizeisprecher auf Anfrage der AZ: „In der Umgebung finden derzeit Bauarbeiten statt. Ob sie in Zusammenhang mit den Beschädigungen stehen, wird sich zeigen.“ Einem Spaziergänger waren die Schäden am Wochenende aufgefallen.

Igor Pissetski erfährt am Telefon in Magdeburg von den Schäden in Osterburg. Der aus Lettland stammende Mitarbeiter des Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt ist für mehr als 60 Friedhöfe zwischen Salzwedel und Weißenfels zuständig. „Ich werde mir das ganz genau anschauen“, kündigt Pissetski im Gespräch mit der AZ einen Besuch in der Biesestadt an. Zaun und Tor seien Mitte der 1990er-Jahre hergerichtet worden und ansonsten noch in einem ganz guten Zustand.

Der jüdische Friedhof ist 1811 angelegt worden. Mindestens 36 Menschen sind dort begraben worden. Die letzte Beisetzung soll 1914 stattgefunden haben. Bis 1960 standen noch einige Grabsteine. Pissetski: „Jüdische Friedhöfe sind in Erwartung des Messias für die Ewigkeit angelegt und sind sozusagen unantastbar. Gräber dürfen nicht einfach aufgehoben und neu belegt werden. Die Totenruhe ist heilig.“

Die Blessuren am Portal und das Hakenkreuz könnten auch älteren Datums sein. Während der kalten Jahreszeit von November bis April muss die Anlage an der Fabrikstraße nicht sonderlich gepflegt werden, und niemand hat stets und ständig ein besonders wachsames Auge auf den Bereich. „Die Kollegen sind dem Hinweis gefolgt, waren vor Ort und haben die Schäden aufgenommen. Nun müssen wir abwarten, was die Ermittlungen ergeben werden. Wir hoffen auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung“, so der Polizeisprecher weiter. Wer in den vergangenen Wochen und Monaten in dieser Sache etwas beobachtet oder auch so Informationen hat, die der Polizei weiterhelfen, erreicht die Ordnungshüter unter Tel. (03937) 4970.

Von Marco Hertzfeld

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