Boden sackt einfach ab

Dieses so scheinbar kleine Loch an der Eisenbahnbrücke geht laut Gutachten bis zweieinhalb Meter in die Tiefe.

Arneburg - Von Berit Boetzer. Pfusch beim U-Bahn-Bau in Köln – so die Vorwürfe gegen den Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger. Seit gut einem Jahr steht das Unternehmen deshalb immer mal wieder negativ im Rampenlicht und das ließ auch Kay Lindemann, Betriebsleiter des Infrastrukturbetriebes der Stadt Arneburg, aufhorchen.

Der Konzern Bilfinger Berger ist in Arneburg kein Unbekannter. Für knapp 50 Millionen Euro wurde die Infrastruktur im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) flott gemacht und an zehn Prozent dieser Summe war Bilfinger Berger beteiligt. Betriebsleiter Kay Lindemann hat die Unterlagen, in denen er in den vergangenen Woche oft blätterte, schnell zur Hand und kann die entsprechenden Projekte aufzählen: 4,6 Millionen Euro für den Bau der Eisenbahnbrücke sowie Erweiterung von zwei Gleisen und 770 000 Euro für die Ertüchtigung der drei Bahnübergänge (Arneburg, Sanne, Richtung Groß Ellingen).

Kurz vor Weihnachten 2004 war die Eisenbahnbrücke über der Kreisstraße zum IGPA fertig. Ende 2009 lief die fünfjährige Gewährleistung ab. Vor Ablauf der Frist wurde das Bauwerk nach Mängeln untersucht. Nach den Pfusch-Vorwürfen gegen Bilfinger Berger, „vielleicht sogar etwas intensiver“, gab Lindemann zu. Ein Brückenprüfer war im Oktober vor Ort und der angestellte Eisenbahnbetriebsleiter nahm die Gleise in Augenschein. Das Fazit vorneweg: Im Verhältnis zur Bausumme gab es relativ wenig Mängel. Allerdings sei laut Lindemann ein Problem doch recht ungewöhnlich. Teilbereiche des Bodens am Brückenbauwerk sind nicht mehr da. Boden sacke ab und keiner wisse warum, unterstrich der Betriebsleiter. Ein Gutachten über den Baugrund folgte und dabei stellte sich heraus, dass ein so scheinbar kleines Loch bis gut zweieinhalb Meter in den Tiefe gehen kann. Lindemann gab aber gleich Entwarnung: Es besteht keine akute Gefahr. Zumal abgesackter Boden schon einmal zu beobachten war und kurzerhand mit Sand aufgefüllt wurde.

Eine endgültige Abnahme nach der Gewährleistungsfrist ist bisher nicht verfolgt, erst muss der Schaden behoben werden. Vertreter von Bilfinger Berger kennen die Problematik. Lindemann könnte sich als einfache Lösung vorstellen, die betroffenen Bereiche mit Beton aufzufüllen. Grob geschätzter Aufwand: um die 10 000 Euro. Der Konzern steht nun in der Pflicht. Doch Betriebsleiter Lindemann ist optimistisch, dass „alles zeitnah gelöst“ werde.

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