Naturfreunde helfen Kröten über die Schnellstraße und ärgern sich über abgefackeltes Teichufer

Biotop trägt Brandwunden davon

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Ganz schön mutig dieses Spinnentier. Die Kröte wartet im Eimer auf ihren Transport zum Teich und hat das Frühstück auf der Nase.

Erxleben. „Die Zahl der Tiere schwankt, doch die Tendenz ist eindeutig: Es werden immer weniger“, meint Lehrer Peter Neumann. Seit mehr als zwei Jahrzehnten tragen Schüler bei Erxleben im Frühjahr Amphibien sicher über die Straße.

Anfangs waren es noch mindestens 300 Kröten und Frösche. „So viele hatten wir schon lange nicht mehr, oft sind es um die 40, vergangenes Jahr waren es immerhin 120. Ich vermute, dass nicht zuletzt Umweltgifte am Abwärtstrend schuld sind. “ Der gut 50 Meter lange Zaun steht seit dieser Woche. „Wir mussten handeln, der Wärmeeinbruch war da, die Amphibien wandern zu ihrem Laichgewässer. “ 35 Tiere, vornehmlich Erdkröten, sind bislang aufgenommen und hinter der Straße am „Flachspuhl“ ausgesetzt worden. „Viel mehr werden es wohl auch nicht.“

Ein Teil des verbrannten Ufers auf einer Seite des Teiches.

Dass auf der anderen Seite des Teiches Uferteile verrußt sind, ist Neumann beim Setzen des Zaunes gleich aufgefallen, auch wenn es bis dahin 50 Meter und mehr sind. „Ob da einfach und unverschuldet nur ein Brand ausgebrochen ist oder die Fläche bewusst mit Feuer gerodet wurde, weiß ich nicht. Schade scheint es allemal, zumal in dem Bereich erst vor einiger Zeit Sträucher und Bäume neu angepflanzt wurden.“ Womöglich gibt es für das Brandfeld am Erxlebener „Flachspuhl“ auch eine ganz einfache Erklärung. Hans-Jürgen Ahrend, der Bürgermeister der Osterburger Ortschaft, versucht, Licht ins Dunkel zu bringen: „Es sollen angeblich irgendwelche Jugendliche mit einem Auto gekommen sein und dort gekokelt haben.“ Mehr wisse er aber auch nicht.

Der „Flachspuhl“ liegt direkt hinter der Straße.

Der Teich liegt nicht sonderlich idyllisch direkt an der B 189. „Bei dem abgebrannten Stück handelt es sich mit circa 20 Quadratmetern um eine relativ kleine Fläche“, findet Kreissprecher Edgar Kraul. Und dennoch: „Das Kleingewässer, einschließlich der Ufer und der dazugehörenden uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation, gilt als gesetzlich geschütztes Biotop.“ Niemand dürfe zündeln, zerstörerische Handlungen seien verboten, Strafe drohe. „Dem Osterburger Ordnungsamt als zuständige Gefahrenabwehrbehörde liegen keine Informationen über dieses Feuer vor. Die örtliche Feuerwehr ist nicht zum Löschen gerufen oder anderweitig aktiv geworden. Bisher konnte nicht ermittelt werden, ob die Bodendecke absichtlich in Brand gesetzt wurde oder ob das Feuer ungewollt ausgebrochen ist.“

Der Krötenzaun an der viel befahrenen B 189 misst gut 50 Meter.

Inwieweit Tiere durch das Feuer umgekommen sind, vermag Neumann nicht zu sagen. Der Vorfall zeige doch aber, wie wichtig Aufklärung in der Bevölkerung sei. Das Projekt der Erxlebener Förderschule bewahre Amphibien davor, überfahren zu werden, diene dem Naturschutz und habe eine zusätzliche pädagogische Note. „Unsere Schützlinge lernen, Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen sich kümmern, die Tiere aus den Eimern holen und ans Gewässer tragen, auch wenn es mal regnet.“ Darüber hinaus verbinde ein solches Projekt, schaffe Gemeinschaft. Tatkräftige Unterstützung bei ihrer alljährlichen Aktion erhält die Schule durch Michael Lemke, einen Naturfreund aus dem Ort.

Von Marco Hertzfeld

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