Bauaufsicht gibt Investor nach Zwangsstopp vor zwei Jahren noch Chance

Biogas im Sperrriegel: „Anlage abtragen lassen“

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Die halb fertige Anlage am Rand des Storchendorfes ist schon von Weitem zu sehen.

Wahrenberg. An Wahrenbergs Rand steht eine halb fertige Biogasanlage und wird nicht besser. Einwohner wundern sich. Und auch das Bauordnungsamt will nun endlich Antworten. „Wir werden den Vorgang noch einmal aufgreifen und den Investor anschreiben.

Rein theoretisch könnten wir die Anlage auch irgendwann abtragen lassen. Allerdings müsste das noch einmal ganz genau geprüft werden“, gibt sich Dirk Michaelis vorsichtig. Ein Werbener Unternehmer hatte vor etwa zwei Jahren einfach ohne Erlaubnis losgelegt. Die Behörde verhängte einen Baustopp. „Seitdem ruht still der See“, bringt es der Amtsleiter gegenüber der AZ für sich auf den Punkt.

Zu den genauen Hintergründen kann und will sich Michaelis öffentlich nicht äußern. Nur so viel: Die Anlage sollte unabhängig von einem landwirtschaftlichen Betrieb laufen. Der Gesetzgeber habe bei einer Vorrichtung in dieser Lage aber andere Vorstellungen und wolle, dass ein Landwirt bei einem branchenfremden Investor dennoch zumindest das Sagen habe. „Ändern sich die Verhältnisse, soll die Biogasanlage im Rahmen eines landwirtschaftlichen Betriebes laufen, kann es dort weitergehen. Ändern sie sich nicht, ist eine Genehmigung weiterhin mehr als fraglich.“ Zumal sich mittlerweile auch die Gemeinde gegen das Projekt gestellt habe.

„Überhaupt ist es um das Biogas ruhiger geworden.“ Aktuell seien im Landkreis Stendal um die 60 Anlagen in Betrieb. Die Zahl der Bauanträge habe nachgelassen. Das hänge sicherlich vor allem mit dem veränderten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zusammen. Auch gebe es noch juristische Fragen, Unklarheiten, wer in welchem Maße mitmischen dürfe. Der Behördenchef: „Eigentlich sollten derartige Anlagen ein zweites Standbein für Landwirte sein. Doch diese Maxime wird oft unterlaufen.“

Die Meinungen über die Anlage in Wahrenberg selbst gingen vor zwei Jahren auseinander. Neben Gegner hat es auch zahlreiche Befürworter gegeben. Der Werbener Investor ist bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen.

Von Marco Hertzfeld

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