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Begegnungsstätte: Osterburgs Senioren geben Jüngeren Platz ab

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Von: Marco Hertzfeld

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Aileen Hilbring öffnet die Tür der Begegnungsstätte in Osterburg.
Noch überwiegen die Angebote für die ältere Generation. Aileen Hilbring möchte die Tür der Gartenstraße 32 für Alt und Jung geöffnet sehen. Das kleine Schild rechts bleibe. Der Begriff Begegnungsstätte sei allgemein und passend. © Marco Hertzfeld

Die Begegnungsstätte an der Gartenstraße soll nicht mehr allein den Senioren gehören. Osterburgs Quartiersmanagerin Hilbring betont den Ansatz der Mehrgenerationen.

Osterburg – „Meine Damen, Sie wisse ja, wo es langgeht“, begrüßt Aileen Hilbring Mitglieder der Sitztanzgruppe. Wenig später notiert sie allgemeine Fragen zur Reinigung des Objektes. „Ich muss sowieso noch mit der Stadt telefonieren.“ Seit Juli haben die Pfeifferschen Stiftungen, und damit die Quartiersmanagerin, in der Gartenstraße 32 den Hut auf, es geht um die Koordinierung. „Es war die richtige Entscheidung, die Begegnungsstätte wäre sonst geschlossen worden“, bekräftigt die Mittdreißigerin. Dass am Haus noch Schilder vom Vorgänger Volkssolidarität künden, soll bitte nicht großartig stören. „Es gibt Wichtigeres“, meint sie im AZ-Gespräch und lächelt milde.

Volkssolidarität noch sichtbar

Die Begegnungsstätte soll nicht mehr allein Senioren offenstehen. Hilbring betont immer wieder den generationsübergreifenden Ansatz, Alt und Jung sollen in Räumen und Außenanlage gleichermaßen willkommen sein. Allzu sehr kann und will sich die junge Frau noch nicht in die Karten schauen lassen. Eine Idee: Sekundarschüler und Senioren gestalten den Garten nach eigenen Vorstellungen. Zudem könnten verschiedene Beratungsangebote der Stadt zu Soziales und Wirtschaft in den Büros unterkommen. Der Komplex war und ist kommunales Eigentum. Letztendlich handelt es sich um eine Erweiterung des Quartiersmanagements (die AZ berichtete) um einen zweiten Standort.

Eine Generation soll nicht mehr reichen

Das Quartiersbüro an der Melkerstraße, das nicht zuletzt das Alt-Neubaugebiet im Blick haben soll, bleibt der wichtige Anlaufpunkt, dort finden regelmäßige Veranstaltungen statt. Die Gartenstraße 32 nutzen vor allem jene Gruppen, die schon früher dort zu Hause waren. Nur, dass die Angebote nicht mehr allein auf Mitglieder der Volkssolidarität begrenzt sein sollen. „Wir haben zwei Sitztanzgruppen, eine Malgruppe, den Chor, eine Handwerksgruppe“, zählt Hilbring auf. Zum Angebot gehört nun unter anderem auch Yoga, eine Gruppe ist für Senioren da, eine für Fortgeschrittene. Die junge Quartiersmanagerin erkennt auch darin einen mehrgenerativen Ansatz.

Gartenprojekt eine neue Idee

Der offizielle Startschuss für eine Begegnungsstätte unter neuer Ägide sei ob der Urlaubszeit und allerlei Vorbereitungen erst vor wenigen Tagen gefallen. Gut 60 Menschen kamen demnach zur Eröffnungsfeier, es hätten noch mehr sein können, doch die Kapazität war an dem Tag begrenzt. „Es belegt doch, wie bedeutsam die Gartenstraße 32 den Osterburgern ist.“ Dass sich Politik und Verwaltung im Schulterschluss mit den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg für den Erhalt des Anlaufpunktes ausgesprochen hätten, werde sich auszahlen. Davon zeigt sich Hilbring überzeugt. „Es wäre auch schon allein schade um dieses Objekt gewesen“, findet sie. Mitglieder der Volkssolidarität nutzen die städtischen Räume kostenfrei. Inwieweit sich daran zukünftig etwas ändern soll, wird sich zeigen.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Treffpunkt im Umbruch/ Chance und Gefahr zugleich
Die Gartenstraße 32 hat bei Senioren einen guten Ruf. Jahrelang machte die Volkssolidarität älteren Bürgern Angebote. Zuletzt blieben immer mehr Plätze frei, gerade bei größeren Feierlichkeiten. Der Umbruch ist da und dürfte sich fortsetzen, gerade die Stadt will es genau so und nicht anders. Dass seit diesem Sommer Verantwortliche deutlich stärker den generationsübergreifenden Ansatz verfolgen, kann eine Chance sein, birgt aber auch eine Gefahr. Ältere Herrschaften, die über lange Zeit ihrer Begegnungsstätte in Osterburg die Treue gehalten haben, könnten fremdeln und sich nicht mehr im Konzept wiederfinden. Die Quartiersmanagerin hat offensichtlich Schwung und Elan und Ideen sowieso. Bei der Umsetzung sollte sie nicht allein gelassen werden. Ein Objekt, das Generationen aufnehmen soll, muss auf einem breiten Fundament stehen.

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