Umbau ins Stocken geraten / Architekt: Klötzerin schafft Praxen und Wohnungen bis Jahresende

Der Bahnhof wartet auf Anschluss

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Es hatte so hoffnungsvoll begonnen: Im Juli 2013 ist im alten Bahnhof groß aufgeräumt worden (Bild unten r.) Ziegelreste zeugen aktuell davon, dass auch am Dach einiges passiert ist. Doch noch gibt es jede Menge zu tun. Der neue Zieltermin: Ende 2014.

Osterburg. Die Bauarbeiten am früheren Bahnhof der Biesestadt sind ins Stocken geraten. Eigentlich sollte das gut 110 Jahre alte Gebäude längst das Abstellgleis verlassen haben und nicht zuletzt Arztpraxen, Wohnungen und einen Schnell-imbiss beherbergen.

„So ein altehrwürdiges Haus lässt sich nun einmal nicht in ein paar Wochen und in derselben Zeit sanieren, wie man ein modernes kleines Eigenheim hochziehen kann“, meint Peter Zimmermann, der zuständige Architekt. Eine Wittenberger Immobilienfirma hatte das Objekt Ende 2012 von der Deutschen Bahn gekauft und im Juli vergangenen Jahres ein erstes großes Aufräumen veranlasst. Inzwischen gehöre der Backsteinbau einer Klötzerin, die das Projekt möglichst bis Ende 2014 abschließen wolle. „Leicht wird aber auch das nicht. Wir sind jedenfalls am Ball und wissen, dass sich die Osterburger eine vernünftige Zukunft für ihren ehemaligen Bahnhof wünschen“, unterstreicht Zimmermann im Gespräch mit der AZ.

Das kulturhistorisch wertvolle Haus ist 1901/02 errichtet worden. Schon allein die Planung für Sanierung und Umbau sei enorm aufwendig. „Es sieht aus wie ein Schloss, nur der Zierrat ist weggelassen worden. Derart anspruchsvoll wird so etwas heute nicht mehr gebaut. Das alte Bahnhofsgebäude ist eine echte Herausforderung “, meint Zimmermann. Noch sei das Genehmigungsverfahren nicht ganz abgeschlossen und die Finanzierung gänzlich in trockenen Tüchern. Der Denkmalschutz habe nun einmal ein gewichtiges Wort mitzureden. „Bislang ist mit Teilgenehmigungen gearbeitet worden.“ Handwerker haben zum Beispiel das stark gefährdete Dach repariert. „Diese Arbeiten mussten einfach kurz entschlossen erledigt werden.“ Schon bald sollen weitere Fenster und Türen erneuert werden. Wie viel Geld die Eigentümerin in das Osterburger Gewerbe- und Wohnobjekt investieren will, verrät Zimmermann nicht.

Hinter dem Backsteinbau liegen die modernen Bahnsteige für Zugpassagiere. Und keinen Steinwurf weiter befindet sich der Busbahnhof. Der gesamte Bereich am Rande der Biesestadt soll neu belebt werden. Pendler und andere Reisende mögen in Zukunft gastronomisch wieder besser versorgt werden. Bis vor ungefähr zehn Jahren konnten Zugreisende noch an einem Schalter ihre Fahrkarten kaufen, danach gab es dort immerhin noch einen Automaten. Doch auch damit war bald Schluss. Das Haus stand einige Jahre leer. Pläne, aus dem Komplex ein Verkehrsmuseum zu machen, scheiterten am fehlenden Geld. Der Bahnhofsvorplatz war umfangreich saniert worden, das einstige Bahnhofsgebäude hat zusehends an Glanz verloren.

Seit etlichen Jahren heißt es: Ein ausrangierter Bahnhof wartet auf Anschluss. Sogar über einen Abriss war zwischenzeitlich einmal diskutiert worden. Mit dem Verkauf an einen privaten Investor keimten bei vielen Osterburgern gewisse Hoffnungen. „Es wird dort weiter vorangehen“, beteuert der biesestädtische Architekt Zimmermann. Der Backsteinbau sei ein überaus interessantes Objekt habe nun aber einmal seine Eigenheiten. Übrigens: Der Osterburger und der Seehäuser Bahnhof sind fast baugleich, lediglich der Grundriss ist gespiegelt. Auch in der Wischestadt stehen die Signale auf Veränderung. Eine Gruppe engagierter Leute will das Bahnhofsgebäude, das von der Deutschen Bahn ebenfalls längst ausrangiert ist, umgestalten und einer neuen Nutzung zukommen lassen. Noch so eine Herkulesaufgabe, bei der Zimmermann helfen will.

Von Marco Hertzfeld

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