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Einkaufsmeile in Osterburg soll grün aufbrechen

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Von: Marco Hertzfeld

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Osterburgs Einkaufsmeile am Boden besteht vor allem aus Steinpflaster und Betonplatten.
Osterburgs Einkaufsmeile am Boden besteht vor allem aus Steinpflaster und Betonplatten. Mitunter helfen Kübelpflanzen gegen das graue Einerlei. Geschäftsleute und Anwohner machen es sich von ihrem Empfinden her schön. © Marco Hertzfeld

Osterburgs Einkaufsmeile, die Breite Straße, soll grüner werden. Das Rathaus will das aber nicht allein entscheiden. Diskussionen um jeden Baum sind programmiert.

Osterburg – Die Breite Straße, die Einkaufsmeile in Osterburg, soll grüner werden. „Ich höre seit Längerem immer wieder einmal von Bürgern, dass der Bereich dort etwas grüner sein könnte“, sagt Nico Schulz, der Bürgermeister der Einheitsgemeinde. Die Strecke sei aber nun einmal vor 20, 25 Jahren bewusst so gebaut worden. Insbesondere Bäume sucht man entlang der Einbahnstraße vergebens. Das soll sich ändern. Ihm sei eines dabei aber wichtig: Neben dem Bauausschuss soll sich zunächst vor allem der Ortschaftsrat mit dem Thema befassen. „Es handelt sich hier nicht um einen Plan der Stadtverwaltung, es ist eine Möglichkeit. Gerade der Ortschaftsrat sollte das Ganze schon mittragen wollen.“

Breite Straße grau und steinig geplant

Wer Sträucher und Bäume mag, dem kann die südliche Breite Straße in Osterburg momentan als Betonwüste erscheinen. Pflaster und Platten beherrschen alles, Fahrbahn und Gehweg auf beiden Seiten dürften regelrecht versiegelt sein. Da und dort sind bis in den Herbst hinein Pflanzen in größeren Behältern auf dem Boden zu sehen. Die Sommer in jüngerer Vergangenheit waren oftmals heiß und regenarm. Mehr Grün wäre für viele Menschen ein Wohlfühlfaktor und sicherlich könne es das Stadtklima verbessern helfen. „Es gibt ja objektiv immer mehr Hitzewellen, darauf sollte reagiert werden“, meint Schulz (Freie Wähler). Natürlich müssten aber auch Pflege und Wässerung dementsprechend sein.

Pkw-Stellflächen fielen damit weg

Er habe das Bauamt schon einmal prüfen lassen, was in etwa möglich wäre und was nicht. „Kleine Bäume in Containern aufzustellen, das bewirkt wahrscheinlich nicht viel. Für eine Verbesserung des Stadtklimas dort müssten richtige Bäume ins Erdreich gesetzt werden.“ Drei oder vier oder fünf Bäume könnten auf der Strecke schon Luftfeuchtigkeit und Temperatur beeinflussen. Die Schattenspender brauchen selbstverständlich einiges an Platz. Pro Baum fiele wohl ein Pkw-Stellplatz weg. „Das ließe sich sicherlich verkraften“, glaubt der Rathauschef im AZ-Gespräch. Die Parkflächen befinden sich auf der Fahrbahn rechts. Inwieweit tatsächlich Halteraum verloren ginge, müsste sich zeigen.

Ortschaftsrat kann Idee vorantreiben

Schulz möchte gern die Bürger einbeziehen und hofft auf Reaktionen. Eines dürfte sicher sein, stehen könnten die Bäume nur auf der rechten Seite. Links liegen diverse Versorgungsleitungen im Boden. „Zudem muss der Erdaushub groß sein.“ Selbst der tiefere Boden dort bestehe aktuell wohl eher aus steinigem Material, ja Geröll. Ein gesunder Baum benötige nun einmal einiges an Mutterboden. Was die gesamte Aktion die Stadt kosten würde, darüber zerbricht sich der Bürgermeister noch nicht großartig den Kopf. „Das ist alles Zukunftsmusik.“ Dazu zähle auch die Frage, welche Arten zur Auswahl stehen. „Dafür haben wir unsere Stadtgärtner und deren Wissen.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Klima-Idee reift / Straße verkauft sich so frischer
Bäume spenden Sauerstoff und Schatten, natürlich. Bäume bieten Vögeln und anderen Tieren Platz, richtig. Bäume sind schön anzuschauen, auch das stimmt. Und doch dürfte die Initiative in Osterburg alles andere als ein Selbstläufer sein. Gerade junge Bäume müssen regelmäßig gewässert und gepflegt werden, das kostet Geld und Zeit. Mit den Jahren fällt auch immer mehr Laub an, es fegt sich nicht von allein zusammen. Und ja, die Stadthunde werden genau dort ihr Bein heben, so ist das nun einmal. All das und mehr dürften Skeptiker jetzt ins Feld führen. Der Klimawandel weltweit macht für sie einen Bogen um die Biesestadt. Stein neben Stein, so möge es bleiben. Soll die Einkaufsmeile tatsächlich grüner werden, bedarf es Engelszungen und konstanten Rückenwinds.

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