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Altmarkpirat Dannenberg will den Bundestag entern

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Informatikstudent Malte Dannenberg sendet seit Anfang des Jahres in der Funktion des Altmarkvorsitzenden „piratige Grüße“ über das Internet. Er will die politische Welt verändern. © Privat

Altmark. Die Piratenpartei sieht sich auch in der Altmark im Aufwind. Ihr Vorsitzender Malte Dannenberg will sogar für den Bundestag kandidieren. Der Schwiesauer studiert momentan Informatik in Magdeburg. Die AZ hat den 21-jährigen Westaltmärker im Vorfeld des Landesparteitags befragt.

AZ: Ihr Landesvorsitzender Henning Lübbers hat von einer wachsenden Mitgliederzahl in Sachsen-Anhalt gesprochen. Wie sieht es im Regionalverband Altmark aus und wie verteilen sich die Mitglieder auf die beiden Landkreise? Dannenberg: In unserem Verband haben wir ebenfalls eine steigende Zahl an Mitgliedsanträgen und somit auch Mitgliedern feststellen können, dies begann kurz nach der Wahl im Saarland. Momentan haben wir mindestens 40 Mitglieder. Die Mehrheit unserer Mitglieder ist noch im Kreis Stendal wohnhaft, aber aus dem Altmarkkreis Salzwedel kommen ebenfalls vermehrt Mitgliedsanträge, sodass sich die Kreise in der Mitgliederstärke vermutlich annähern. Ich persönlich rechne stark mit einer weiteren Zunahme der Mitglieder, in der Altmark, im Land Sachsen-Anhalt sowie bundesweit. Dieses Jahr sind schließlich noch zwei weitere Landtagswahlen, bei denen wir in die Parlamente einziehen könnten. Weiterhin sind unsere Umfragewerte für die Bundestagswahl 2013, laut Forsa, auf einem Rekordhoch. Das motiviert Interessenten natürlich, sich noch stärker in der Piratenpartei engagieren zu wollen.

Der politischen Konkurrenz sind die Piraten schon ein wenig unheimlich. Worin besteht das Erfolgsrezept ihrer Partei? Ein Freund sagte mir: „Selbst wenn ihr mal keinen kompletten Durchblick habt, seid ihr wenigstens so ehrlich und sagt das auch, nicht so wie die anderen Politiker, die versuchen, sich aus der Ahnungslosigkeit herauszuwinden. Ihr seid die Ehrlichen, das gefällt mir, ihr steht für eine zeitgemäße Form der Politik und Demokratie.“ Im Grunde kann ich dem nur zustimmen. Wir sind ehrlich bei allem. Wir zeigen den Bürgern, wie Entscheidungen zustande kommen. Und wir wollen, dass der Bürger bei den Entscheidungen mehr Mitspracherecht hat, als nur alle paar Jahre sein Kreuzchen zu machen oder schwere Hürden für Volksentscheide zu überwinden.

Wo sehen Sie im Landkreis Stendal Handlungsfelder, was wollen Sie unbedingt ändern? Wir sind derzeit dabei, Themen für die gesamte Altmark, also speziell für unsere beiden Kreise, zu er- und bearbeiten. Ein Punkt, den wir aus unserem Grundsatzprogramm für die Altmark übernehmen und anpassen werden, ist unter anderem der Bereich Bildung. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass Schüler der Kursstufe, die ihr Abitur machen wollen, und damit für ihre Zukunft arbeiten, die kompletten Buskosten für die Anfahrt zur Schule zahlen müssen. Engagement darf nicht mit Kosten belohnt werden, sondern den Schülern und ihren Familien muss entgegengekommen werden. Weiterhin kann es auch nicht sein, dass Schüler viele Kilometer bis zu ihrer Schule zurücklegen müssen, sodass sie allein für den Schulweg am Tag etliche Stunden unterwegs sind.

Wird es einen Kandidaten Ihrer Partei für die Landratswahl im November geben? Wie sieht es mit einem Bewerber für die Bundestagswahl aus? Mit einem Kandidaten für die Landratswahl haben wir uns noch nicht auseinander gesetzt, ob wir einen Kandidaten stellen wollen und wer das sein soll. Wir haben jedoch vor, dieses Thema zusammen mit den Mitgliedern in naher Zukunft zu klären. Für die Bundestagswahl 2013 wollen wir für die Altmark einen Direktkandidaten aufstellen. Wer das letztendlich sein wird, entscheidet unsere Mitgliederversammlung. Ich selbst habe vor, mich aufstellen zu lassen, ob das dann auch eintreten wird, zeigt sich dann spätestens Ende dieses Jahres.

Am Wochenende findet der Landesparteitag in Magdeburg statt. Welche Rolle spielen dort die Altmärker und was ist von diesem Treffen zu erwarten? Eine gesonderte Rolle spielt kein einziger Verband, alle haben das gleiche Stimmrecht auf den Versammlungen, ob nun aus der Altmark, aus Halle oder aus dem kürzlich gegründeten Verband Anhalt-Salzland. Was auf diesem Landesparteitag intern entscheidend für uns und andere Untergliederungen in Sachsen-Anhalt sein wird, ist der Umlageschlüssel der Parteienfinanzierung, für den wir mindestens eine 50:50-Verteilung wollen, sodass Untergliederungen mindestens die Hälfte dieser Mittel erhalten. Dann kann auch unser Verband unabhängiger von übergeordneten Gliederungen vor Ort besser für die Bürger arbeiten. Denn bürgernahe Politik macht man nun einmal vor Ort, und das ist es, worauf es bei uns ankommt. Aber es geht uns nicht nur um interne und organisatorische Dinge. Da wir ein Verband auf dem Lande sind, erhoffen wir uns, am kommenden Sonntag auf dem Parteitag in Magdeburg speziell einen Programmpunkt gegen den Landärztemangel in das Landesprogramm unserer Partei aufnehmen zu können.

Wie stehen die Altmarkpiraten zu frauen- und ausländerfeindlichen Aussagen, die es von einigen Ihrer Mitglieder gegeben haben soll? Die Bundesjugend der Piratenpartei hat solche Aussagen kritisiert und eine Diskussion ausgelöst. Rassistische, faschistische, sexistische oder sonstige menschenverachtende Weltanschauungen und Äußerungen haben wie in der Bundespartei auch im Regionalverband Altmark der Piraten nichts zu suchen. Wir positionieren uns klar gegen solche Weltanschauungen und Äußerungen. Leider schleichen sich in jeder Partei schwarze Schafe ein, die so etwas von sich geben. Man kann nicht kontrollieren, was Personen sagen oder denken. Uns ist in unserem Verband Altmark derzeit kein Mitglied bekannt, das die von Ihnen genannte Gesinnung vertreten würde.

Das Interview führte Marco Hertzfeld

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