„Es ist eine Schande“

Aufarbeitung gefordert: Anwohner der August-Bebel-Straße sauer wegen gefällter Bäume 

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Klaus-Peter Piehl, BUND-Kreisvorsitzende Susanne Bohlander, Gerhard Beninde und weitere Anwohner der August-Bebel-Straße zeigten sich enttäuscht und wütend darüber, dass am Dienstag drei alte Linden gefällt wurden.

Osterburg. Anfang der Woche wurden in der August-Bebel-Straße drei alte Linden gefällt. Diese Maßnahme empörte etliche Anwohner. Sie wandten sich an die Kreisgruppe Stendal des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Vorsitzende Susanne Bohlander lud die Verantwortlichen der Stadt für heute zu einem Ortstermin ein. Neben Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose (CDU) kamen Stadtgärtner Ulf Garlipp, Siegfried Bartels vom Bauamt und auch Stadtrat Jürgen Emanuel (Die Linke) zu der Versammlung. Es besteht auch nach der Zusammenkunft Uneinigkeit darüber, ob die Bäume gefällt werden durften.

Die Anwohner der August-Bebel-Straße befürchten, dass die drei Bäume im Vordergrund auch gefällt werden.

„Es ist eine Schande, was hier passiert ist“, meinte Anwohner Gerhard Beninde. „Hier wurde Tabula rasa gemacht“, pflichtete ihm Klaus-Peter Piehl bei. Beide Anwohner meldeten sich bei der Versammlung mehrfach zu Wort und drückten ihre Empörung aus. Eine der konkreten Fragen war, ob es eine Genehmigung durch das Bauamt gab, um die Bäume fällen zu dürfen. Siegfried Bartels vom Bauamt der Hansestadt Osterburg zitierte aus einem Dokument, nach dem die Genehmigung im November erteilt worden ist. Stadtgärtner Ulf Garlipp erläuterte, dass die Bäume krank gewesen seien und das deshalb nichts dagegen gesprochen habe sie zu fällen, auch weil die Befürchtung bestanden habe, die Linden könnten umfallen. Die anwesenden Bürger wollten dem Experten aber keinen Glauben schenken und machten ihrem Unmut Luft.

Überrascht zeigten sich sowohl Garlipp als auch Bartels, als BUND-Kreisvorsitzende Bohlander aus der Baumschutzsatzung der Stadt Osterburg zitierte, wonach das Holz gefällter Bäume zehn Tage lang aufbewahrt werden müsse um überprüfen zu können, ob die Bäume auch wirklich krank waren. „Dieser Passus fand bis jetzt keine Anwendung“, so der Stadtgärtner. Er wolle sich die entsprechende Stelle noch einmal genau durchlesen.

Das fragliche Grundstück in der August-Bebel-Straße war jahrzehntelang eine städtische Grünanlage, bevor es bebaut wurde. Besonders erzürnt war Anwohner Beninde darüber, dass die Grundstückseigentümer beim Kauf verpflichtet wurden, die Bäume im Sommer täglich mit 100 Litern Wasser zu gießen. „Das ist nicht passiert.“ Auch Bauamtsmitarbeiter Bartels bestätigte, dass es diese Vorgabe gegeben habe. Auf Nachfrage stellte sich jedoch heraus, dass weder das Bauamt noch der Stadtgärtner die Kapazitäten gehabt hätten, um auch nur stichprobenartig zu überprüfen, ob dies auch tatsächlich geschehen ist.

Laut Bohlander legt die städtische Baumschutzsatzung fest, dass Bäume, derartig groß wie die drei Linden, nur dann gefällt werden dürfen, wenn eine Gefahr für Menschen oder ihr Eigentum besteht. Unzufrieden mit den Abläufen zeigte sich Stadtrat Emanuel: „Das muss alles genau aufgearbeitet werden. Ich werde hierzu einen Antrag im Rat stellen, damit dies auch geschieht.“

Klaus-Peter Piehl und die anderen Anwohner haben Sorge, dass drei weitere Bäume auf dem Grundstück in Kürze gefällt werden könnten.

Von Tobias Henke

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