Erstes „Romanik Matinee“ im Kavaliershaus Krumke zum Thema „Zahl, Glaube und Architektur“

Die Altmark: Hochburg der Romanik

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Das Westportal der Kirche St. Petri in Seehausen. Hellmut Müller, früherer Gladigauer Gemeindepfarrer, würdigte es als „das prächtigste romanische Portal der ganzen alten Mark Brandenburg“.

Krumke. Seit 25 Jahren gibt es in Sachsen Anhalt die „Straße der Romanik“. Annegret Spillner nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, viermal zu einer „Romanik Matinee“ ins Kavaliershaus Krumke einzuladen.

Als Referent für die vier „Begegnungen mit der romanischen Kirchenarchitektur“ konnte die Kavaliershaus-Gastgeberin mit dem Seehäuser Hans-Peter Bodenstein einen ausgewiesenen Experten gewinnen. Vor vier Jahren wurde seine „Untersuchung, Bewahrung und Vermittlung der Romanik in der Altmark“ mit dem Romanikpreis 2013 in Gold des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt gewürdigt.

Hans-Peter Bodenstein führt durch die „Romanik Matinee“-Veranstaltungen in Krumke. Vor vier Jahren erhielt er den Romanikpreis 2013 in Gold des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt.

Die erste „Romanik Matinee“ am Samstag hatte Hans-Peter Bodenstein unter das Thema „Zahl, Glaube, Architektur – Anordnung nach Symbolzahlen; Arkaden, Portale, Apsiden, Friese“ gestellt. Zunächst wies der Referent aber auf ein zweites Jubiläum hin, das insbesondere für den nördlichen Teil unseres Bundeslandes von Bedeutung sei. So gibt es hier nämlich seit 15 Jahren die „Nebenstraßen der Romanik in der Altmark und im Elbe-Havel-Winkel“. Einstiger Ideengeber war Dr. Hellmut Müller. Bereits Mitte der 1990er Jahre habe der 2004 verstorbene frühere Gladigauer Pfarrer „bei aller Freude über ein gelungenes Tourismusprojekt“ auf ein „Missverhältnis“ hingewiesen: „Die Straße der Romanik präsentiert 88 romanische Bauwerke ... Allein in der Altmark und im Elbe-Havel-Winkel stehen mindestens 230 romanische Kirchen.“ Dazu beklagte Müller, dass mit dem Kloster Arendsee „leider nur ein einziges unter den vielen Baudenkmälern jener Zeit im Kreise Osterburg berücksichtigt wurde“. Hellmut Müller habe darauf hingewiesen, dass sich die „romanische Architektur nicht nur in Burgen, Kathedralen und Stiftskirchen manifestiere, sondern auch in den ländlichen Sakralbauten“. So sei „die altmärkische Dorfkirche ein eigenständiges Kunstwerk von hohem Rang“, zitierte Hans-Peter Bodenstein.

Damit war der Seehäuser mitten im Thema – bei den Besonderheiten der damaligen Baukunst, die aber nicht anhand überlieferter Baupläne nachvollzogen werden können. Bodenstein: „Im 13. Jahrhundert gab es keine Entwurfszeichnungen oder Baupläne. Das Projekt war allein im Kopf von Werksmeister und Architectus (heutiger Polier).“ Dennoch finden sich in den Bauwerken erstaunliche Parallelen und Regelmäßigkeiten. Gut ein Viertel der 230 romanischen Dorfkirchen in der Altmark und im Elbe-Havel-Winkel seien beispielsweise „Saalkirchen des vollständigen Typs“ – 83 Prozent aus Feldsteinen erbaut, 64 Prozent mit Westturm und 41 Prozent mit Apsis.

Erstaunlich sei die auffallende Wiederkehr von mathematischer Architektur und christlicher Symbolik an allen Kirchen – die Sieben als „heilige Zahl schlechthin“, die Acht als erste Kubikzahl (Tag der Auferstehung, Symbol unter anderem für neuen, glücklichen Anfang) und die Sechs für große Vollkommenheit (1+2+3 = 1x2x3). Detaillierte Informationen zu den Nebenstraßen der Romanik und ihren Bauwerken finden Interessierte unter www.ndrom.de.

Die weiteren drei „Romanik Matinee“-Vorträge im Kavaliershaus gibt es am 17. Februar (Musik und Architektur – Entwürfe nach der Tetraktys; Flächen- und Raumproportionen); 24. März (Fibonacci mit Folgen – Harmonische Form und Ewigkeit; Biografie, Fibonacci-Quotienten, Riss-, Gewölbe- und Portalproportionen); 21. April (Besondere Sonnenaufgänge – Orientierung der Kirchenachse(n); Geistlicher Ritus). Beginn ist jeweils 10 Uhr. Die Teilnahme kostet pro Person 15 Euro (Mittagssnack 12 Euro). Anmeldungen sind unter Telefon 03937/2239405, per E-Mail (post@kavaliershauskrumke.de) sowie hier möglich.

Im Anschluss an die Vorträge ist jeweils eine Vor-Ort-Besichtigung geplant, die am Samstag eigentlich zum Westportal der Seehäuser Kirche St. Petri führen sollte. Weil der Zugang aber fraglich war, entschloss sich Hans-Peter Bodenstein kurzfristig zur Absage dieses Programmpunktes.

Von Frank Schumann

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