Denkmal bereitet Stadt zunehmend Sorgen / Neuer Eigentümer gefragt

Alt-Tankstelle in Osterburg verliert das Ansehen

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Die Tankstelle aus den 1930er-Jahren zieht die Blicke auf sich, ob das einem nun gefällt oder nicht. Seit einigen Jahren wachsen Sträucher und sogar kleine Bäume auf dem Dach. Ein Aushängeschild dürfte anders aussehen.

Osterburg – Sie versprüht jede Menge morbiden Charme. Wer die historische Tankstelle in Osterburg vorher noch nie gesehen hat, könnte fasziniert und abgestoßen zugleich sein.

Für eine Stadt, die in naher Zukunft touristisch stärker punkten möchte, dürfte das Objekt zunehmend ein Problem werden.

Von einem Schandfleck spricht Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) nicht. Um den heißen Brei redet er aber auch nicht herum: „Baulich gesehen, schätze ich die Substanz als eher bedenklich ein. “ Von außen betrachtet, mache das Gebäude einen immer mehr zerstörten Eindruck. Und im Boden könnten durch den jahrelangen Tankstellenbetrieb durchaus noch Altlasten vorhanden sein, mutmaßt Schulz.

Der Kommune scheinen die Hände gebunden. Das Objekt aus den 1930er-Jahren befindet sich im Privatbesitz. „Es wird auch nicht angestrebt, dieses zu erwerben“, stellt das Stadtoberhaupt gleich klar. Wobei hier eines noch wichtig ist: Die alte Tankstelle hat seit einiger Zeit einen anderen Besitzer, wie die AZ erfahren hat.

Ein Blick ins Innere des Objektes. Aufgeräumt sieht anders aus. Es haben sich Schutt und Abfall angesammelt.

Was das bedeuten kann, muss sich zeigen. In einer Liste des Landkreises steht die einstige Zapfstelle unter Kulturdenkmal / Baudenkmal. Einfach so verschwinden und abgerissen werden kann es nicht, wenn das denn überhaupt jemand wollte. Schulz schätzt den Sanierungsaufwand als hoch ein. „Weil ich vermute, dass das Dach, welches letztlich die Tankstelle in ihrer Optik ja ausmacht, wahrscheinlich schon größere Schäden aufweisen wird.“ Abdichtungen könnten fehlen oder beschädigt sein.

Wo sich die Stendaler Straße zur Düsedauer Straße und Stendaler Chaussee gabelt, steht die Tankstelle aus der Vorkriegszeit. Eine exponierte Stelle, ein Stück weit wie gemacht für besondere Projekte. Ein Aushängeschild an den viel befahrenen Straßen sieht allerdings anders aus. Die AZ erreichen immer wieder einmal Anfragen, das Thema bewegt seit Jahren, ja Jahrzehnten, auch wenn sich so mancher Bürger mittlerweile an den Anblick gewöhnt haben dürfte. Großartige Einflussmöglichkeiten sieht man im Rathaus offenbar nach wie vor nicht. Der Bürgermeister der Einheitsgemeinde bringt seine Einschätzung auf den Punkt: „Letztlich kann nur ein Schadensgutachten Klarheit bringen.“

Ideen, was aus dem markanten Objekt einmal werden könnte, gab es einige. Von einem Café war beispielsweise die Rede. Gäste sollten nicht nur auf Stühlen unten Platz nehmen können, sondern sogar oben auf dem Dach. Das Ensemble ließe sich zudem möglichst originalgetreu gestalten, für Technikfreunde sicherlich interessant. Pläne für einen Gemüseladen, ob nun vage oder nicht, hat es auch gegeben. Seit etlichen Jahren steht auf der Fläche mitunter die Holzbude eines Spargelhändlers. Viel mehr scheint nicht passiert.

Ob Café, Gemüsegeschäft, Dönerladen oder ganz etwas anderes, eines scheint für die Zukunft zumindest einigermaßen ausgeschlossen: Dass dort irgendwann wieder Kraftstoff für Fahrzeuge fließt. Wobei das Objekt eine durchaus wechselhafte Geschichte hinter sich hat. Bis in die 1970er-Jahre hinein Tankstelle, hatten dort danach nicht zuletzt Rinderbesamer ihre Büros. Sie versorgten die Zuchtbetriebe in Osterburg und Umgebung von dort aus mit ausgewähltem Erbgut. Verblasste oder abblätternde Buchstaben an Dach und Wand zeugen noch von dieser Vergangenheit. Inwieweit die „Tanke“ eine Zukunft hat und das Stadtbild bereichern kann und soll und es eine zündende Idee gibt, muss sich zeigen.

VON MARCO HERTZFELD  

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