Kreis-Veterinär sieht in Wasmerslage einen Vorzeigebetrieb / Bündnisgrüne hat da so ihre Zweifel

Alles tipptopp oder ein Sauladen?

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Straathof will seine Schweinemastanlage in Wasmerslage ausbauen und den Tierbestand verdreifachen. Ob der Unternehmer dafür jemals grünes Licht bekommt, bleibt abzuwarten. Die Lokalpolitiker haben sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen.

Wasmerslage. Die Aufsichtsbehörde des Landkreises Stendal geht anders als die Kollegen im Jerichower Land nicht gegen den niederländischen Schweinezüchter Adrianus Straathof vor.

Im Gegenteil: Der Standort Wasmerslage bei Osterburg sei ein „regelrechter Vorzeigebetrieb“, lässt Dr. Thoralf Schaffer, Leiter des zuständigen Veterinäramtes in Stendal, über die Pressestelle des Landratsamtes mitteilen. „Das mag ungewöhnlich klingen, doch dort ist alles tipptopp. Die Anlage wird regelmäßig kontrolliert. Bislang hat es keine Beanstandungen oder gar Verstöße gegen die sogenannte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gegeben. “.

Chef-Veterinär Dr. Schaffer und Mitarbeiter kennen die Meldungen, nach denen Straathof, einer der größten Schweinezüchter Deutschlands, Tieren Schmerzen, Leid und Schäden zugefügt haben soll. Die Anlage in Wasmerslage, des Schweinezüchters einzige im Landkreis, habe eine Vorgeschichte. Zu DDR-Zeiten wurden dort Kühe gehalten, später Puten. „Noch einmal: Wir sehen für Wasmerslage keinen Handlungsbedarf. Der junge Herr Straathof, der dort das Sagen hat, hat nichts zu verbergen“, heißt es aus der Aufsichtsbehörde weiter. Ist also tatsächlich alles tipptopp bei Familie Straathof?

„Ich wäre froh, wenn Adrianus Straathof verschwände“, macht Enrico Günther, Bürgermeister der Ortschaft Königsmark, zu der Wasmerslage gehört, keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen „die Person Straathof“. Immer wieder sorge der Niederländer für negative Schlagzeilen. „Es ist das ganze Auftreten. Straathof macht, was er will, und kommt mit vielen Dingen durch, die sich andere erst gar nicht erlauben würden.“ Mit dem Standort Wasmerslage, wie dieser heute aussieht, könnten viele Bürger und irgendwie auch er noch leben. Einer geplanten Erweiterung haben Lokalpolitiker aber bereits vor einiger Zeit eine ganz klare Absage erteilt. „Dann würde doch nur noch mehr Gülle ausgebracht, und das Verkehrsaufkommen würde steigen.“

Für eine Bürgerinitiative, wie es diese gegen andere Straathof-Betriebe gebe, habe es in Wasmerslage bislang nicht gereicht. „Es herrscht bei uns in der Bevölkerung eine gewisse Grundakzeptanz nach dem Motto: Es hat dort schon immer Tierhaltung gegeben, warum also nicht auch weiterhin.“ Und wenn die Tage der Mastanlage tatsächlich irgendwann gezählt sein sollten, was würde dann aus den Ställen werden? „Sie stünden wahrscheinlich leer und die Gemeinde hätte ein Problem mehr.“

Für Dorothea Frederking wäre dies vermutlich das kleinere Übel. Das Landtagsmitglied fährt weiterhin schwere Geschütze gegen Straathof auf und pocht auf das Tierhaltungsverbot des Landkreises Jerichower Land, das bundesweit gelte. „Ich kenne die Bedingungen in Wasmerslage nicht. Doch: Nach allem, was ich aus seinen Anlagen in Sachsen-Anhalt weiß, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass dort alles in Ordnung ist. Die Behörden müssen überall noch viel stärker hinschauen“, fordert die Bündnisgrüne im Gespräch mit der AZ. „Die Menschen haben es satt und wollen kein Fleisch von gequälten Tieren auf ihrem Teller haben.“

Was das Tierhaltungsverbot für Wasmerslage bedeutet, wird momentan im Landesverwaltungsamt in Halle geprüft. Unabhängig davon läuft das Genehmigungsverfahren für den geplanten Ausbau weiter. Straathof will die Anlage von derzeit 5168 Mastschwein-, 816 Sauen- und 4480 Ferkelplätzen auf insgesamt mehr als 29 000 Tierplätze erweitern. Allerdings fehlen der Behörde noch eine Reihe von Unterlagen. Zudem spielen auch naturschutzrechtliche Fragen eine Rolle. Und die Einheitsgemeinde Osterburg hat sich gegen den Ausbau ausgesprochen. Denise Vopel, Sprecherin des Amtes: „Es stehen also noch große Fragezeichen im Raum.“

Von Marco Hertzfeld

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