Osterburger Brand von 1761 im Mittelpunkt der Kirchen- und Museumsnacht

Abends zu Fuß durch die Altstadt

Frank Hoche führte die Besucher durch die Altstadt an den geschichtlich nachgewiesenen Entstehungsort des Brandes. Fotos (4): Schmarsow

Osterburg. Der 250-jährigen Wiederkehr des großen Osterburger Stadtbrandes, bei dem am 18. September 1761 durch fahrlässige Brandstiftung – so würde man heute die Brandursache bezeichnen – zwei Drittel der Gebäude der Stadt vernichtet wurden, war die diesjährige Kirchen- und Museumsnacht gewidmet.

Es war eine gemeinsame Veranstaltung der evangelischen Kirchengemeinde, des Kreismuseums, der Interessengemeinschaft Heimatfreunde der Hansestadt und der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr. Ins rechte fantastische Licht setzte der Ballerstädter Künstler Matthias Faul das Rathaus und das Innere der St. -Nicolaikirche.

Der Osterburger Stadtschreiber in Gestalt von Jan Kleemeier trug dem sehr zahlreich erschienenen und vom IG-Vorsitzenden Erhard Schmitz begrüßten Publikum die Geschichte von der Entstehung des Brandes und die daraus entstandene Sage vom Bierbrauer Rogge vor. Der hätte zur Belebung seines Geschäfts einen Hexenmeister aus Stendal kommen lassen, der die Fässer unter allerlei merkwürdigen Sprüchen ausgeschwefelt hatte und den Brand verursacht haben soll. Das geschah dort, wo heute das Eckhaus Breite Straße/Kirchstraße steht, wie Museumsleiter Frank Hoche beim Rundgang berichtete. Zwei Giebelhäuser in der Breiten Straße hätten den Brand überstanden.

Der materielle Wert des Schadens habe 140 000 Taler betragen, vom menschlichen Leid in der wirtschaftlich schweren Zeit, wo man die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges noch längst nicht überwunden hatte, ganz zu schweigen. Friedrich der Große soll für die Osterburger aus seiner Privatschatulle 40 000 Taler gezahlt haben. Mit dem Wiederaufbau habe sich Osterburg durch eine neue Struktur völlig verändert. Hoche wies auf die Brandspuren am Kirchturm hin und führte die Besucher durch das Museum. Die Feuerwehr demonstrierte am durch die Lichtschau „Das Rathaus in Flammen“ simulierten Brand des Gebäudes die Brandbekämpfung von der Löscheimerkette durch die Osterburger Jugendfeuerwehr, über die Handdruckspritze, bedient von der Alters- und Ehrenabteilung der Rossauer Wehr, bis zur modernen Einsatz- und Löschtechnik der Hansestädter. Eine Führung durch das Gotteshaus mit der Besichtigung der sanierungsbedürftigen wertvollen Buchholzorgel schloss sich an. Später zeigte Faul in der Kirche eine bemerkenswerte Lichtschau, die das Kirchenschiff in völlig neuem Licht erblicken ließ, etwa als überdimensionales räumliches Schachbrett oder als Eingang in einen großen Wald. Mit einer Andacht wurde die Brandnacht beendet. Die gastronomische Versorgung hatte das „Ratskeller“-Team übernommen.

Von Frank Schmarsow

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