Zwei verschiedene Gemüter

Eindrucksvoll demonstriert Tierpfleger Thomas Paasch, wie groß, kräftig und mächtig Bären sind. Die temperamentvolle Bärendame Tapsi will nach dem Stock greifen und richtet sich auf.

Klötze - Von Peter Lieske. Ein lautes Gebrumme ist mitunter auf dem Sportplatz an der Zinnberghalle in Klötze zu hören.

Bis dorthin sind manchmal die Laute der beiden Braunbären aus dem Tierpark Arche Noah zu hören. Wie in jeder Familie gibt es auch bei den beiden Kraft strotzenden Tieren ein wenig Zoff. Insbesondere die temperamentvolle Dame zettelt so manchen Streit an, während der alte Herr lieber in Ruhe gelassen werden will.

Bummi heißt das Urgestein des Tierparks. Seit etwa 25 Jahren ist er dort zu Hause. Damals wurde der heute 27-Jährige aus Feine Sache in die Purnitzstadt geholt. Unmittelbar am Fuße des Klötzer Forstes fand der ruhige Bärenvertreter ein schattiges Plätzchen unter dem Laubdach der Bäume.

Wesentlich jünger ist Tapsi. Mit 14 Jahren ist die Bärendame aber schon ein alter Hase, denn sie ist in der Arche Noah geboren worden. Bummi ist ihr Vater. Ein Zuwachs in der Familie ist nicht mehr möglich. Dafür wurde gesorgt.

Voller Respekt betrachtet Tierpfleger Thomas Paasch die beiden Braunbären. Auch wenn den Bären nachgesagt wird, ihnen könne der Gemütszustand nicht angesehen werden, so hat der 33-jährige Tierpfleger doch andere Erfahrungen gemacht. Ob das Ohrenwackeln oder Mimik und Gestik – Er merkt sofort, wenn Tapsi nicht gut drauf ist. Auf ihren Gemütszustand verlässt sich Thomas Paasch aber nicht. Im Gegenteil: Mit gehörigem Respekt kümmert er sich um Meister Petz im Doppelpack. Jeder der drei Käfige ist doppelt gesichert und nur durch eine Art Schleuse zu erreichen. Täglich wird in zwei der Käfige der Beton abgespritzt. Regelmäßig wird das Wasser gewechselt, in dem die beiden Bären baden können. Das Säubern erfolgt in der Mittagszeit, dann sind beide mit dem Fressen beschäftigt. Zum täglichen Menü gehört eine Schubkarre voll mit Gras, das auf dem Tierparkgelände gemäht wird, aber auch Obst und Gemüse sowie Brot und Brötchen. Einmal in der Woche gibt es Rindfleisch. Schließlich sind Bären Allesfresser, betont der Tierpfleger.

Als besondere Leckerei bestreicht er Baumstämme im großen betonfreien Käfig mit Marmelade oder Honig. Für ein kleines Schmankerl sollen die Bären ruhig etwas tun. Was die Beiden nicht wissen können, die Besucher aber wissen müssen: Das Füttern der Bären ist verboten. Dieses Verbot wurde im Interesse der Tiere ausgesprochen, denn nur der Tierpfleger weiß, welche ausgewogene Mahlzeit die Bären brauchen. Schließlich sollen sie noch lange gesund und munter bleiben. Dafür sorgt auch der Tierarzt, der regelmäßig vorbeischaut, um die Bären unter anderem einer Wurmkur zu unterziehen.

Bummi macht sich allerdings nur wenig Stress. Er liebt die Ruhe. Er ist etwa zehn Zentimeter größer und mit 350 Kilogramm etwa 50 Kilogramm schwerer als Tapsi. Während der Alte träge in einer Ecke liegt, wuselt Tapsi umher. Sie klettert gerne, ist agil und sie meckert schon mal heftig, wenn ihr etwas nicht passt. Der Tierpfleger vergleicht das Temperament mit der von Katzen. Auch unter diesen gibt es ruhige Vertreter wie auch bewegungsfreudige. So ähnlich müsse sich der Besucher die Charaktere der beiden vorstellen.

Die Bären verlieren im Frühjahr ihr Winterfell. Beim Säubern der Käfige kam auch in den vergangenen Wochen eine Menge Bärenwolle zusammen. Im November wird es wieder ruhiger um die beiden, vor allem Bummi lässt sich dann kaum noch blicken. Je kälter es wird, umso weniger bewegt er sich. Bei der Winterruhe frisst Meister Petz ohnehin wenig. Ob diese Ruhe oder die in der wärmenden Sonne, um die Schnelligkeit, die Bären an den Tag legen können, weiß Thomas Paasch. Aber insbesondere auch um deren unwahrscheinliche Kräfte. „Das muss sich der Tierpfleger jeden Tag vor Augen halten und Abstand wahren“, sagte Bauamtsleiter Dieter Neuschulz. Und so nimmt sich der Tierpfleger jeden Tag der Herausforderung Braunbär an.

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