Unterhaltungsverband Untere Ohre hat 2013 insgesamt 82 Biberdämme und -burgen entfernt

Zwangsräumung per E-Mail

+
Schuld war der Biber: Nachdem Meister Bockert den Mittelgraben mit einem Damm aufgestaut hatte, standen eine Wiese und ein Keller unter Wasser. Die Naturparkverwaltung gab kurzfristig per E-Mail die Genehmigung zum Entfernen des Damms.

Buchhorst. Hochwasser auf einer Wiese zwischen Buchhorst und dem Mittellandkanal. Der Himmel spiegelt sich in den großflächigen Blänken zwischen Grasbüscheln. Nebenan lief in einem Wohnhaus der Keller randvoll.

Schuld ist nicht die Naturparkverwaltung, die noch in diesem Winter im Norddrömling zwischen Buchhorst und Röwitz den Wasserstand um 20 Zentimeter anheben will (im Rätzlinger Drömling wurden die Wehre schon angehoben). „Da ist ein Biberrevier im Mittelgraben. Der baut regelmäßig Dämme“, weiß der Leiter der Naturparkverwaltung Fred Braumann.

Meister Bockert – so nennt der Volksmund den Biber – ist streng geschützt. Das gilt auch für die Burgen und Dämme, mit denen er das Wasser aufstaut, um schwimmen zu können. Trotzdem hat der zuständige Wasserunterhaltungsverband Untere Ohre das Abflusshindernis bereits abgetragen. Der Wasserstand sinkt. Möglich macht das eine Genehmigung, die die Naturparkverwaltung kurzfristig am Donnerstag ausstellte.

Meister Bockert fühlt sich pudelwohl in dem Niedermoorgebiet. 68 Paare wurden gezählt. Für den Unterhaltungsverband, der für Landeigentümer und Land gut 1800 Kilometer Gewässer unterhält, ist sein Tatendrang dagegen ein Riesen-Problem. „Wir hatten 2013 Gesamtkosten von 85 257 Euro“, rechnet Geschäftsführer Hagen Müller vor. Nur für die landeseigenen Gewässer wie den Mittelgraben zahlt das Land. Auf 56 870 Euro, umgerechnet 97 Cent Biberkosten pro Hektar, bleibt der Verband sitzen. „Die müssen die Beitragszahler entrichten“, gibt Müller zu bedenken. 1350 Einsatzstunden im Jahr sind das für die Mitarbeiter des Betriebshofs in Oebisfelde.

Trotzdem klappt das Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Gewässerunterhaltung problemlos. Die unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Salzwedel und Börde haben eine zweijährige Ausnahmegenehmigung zum Entfernen der Biberdämme erteilt. Die Naturparkverwaltung gibt jeweils kurzfristig nach Überprüfung vor Ort per E-Mail die Zustimmung.

Im vergangenen Jahr wurden auf diese Weise 82 Biberdämme oder -burgen entfernt, neun weitere wurden mit einem Rohr dräniert, so dass das Wasser trotzdem abfließt. Das funktioniert allerdings nur in kleinen Gräben. In zehn Fällen durften die Biberbauten bleiben. „Das geht danach, ob die Wohnburg mit Jungen belegt ist. Und der Wasserstand darf nicht so tief fallen, dass der Eingang freiliegt und Räuber eindringen können“, erklärt Naturpark-Leiter Braumann. Meister Bockert bringt in der Regel aber nur alle zwei Jahre Nachwuchs zur Welt.

Nicht überall hält er die Wasserbauer mit seinen Bauwerken in Atem. Dämme werden nur errichtet, wenn der Wasserstand dem Biber nicht zum Schwimmen ausreicht.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare