Vierbeiner sehen Isegrim täuschend ähnlich / Rassen immer beliebter

Wolfshunde sorgen auch in der Region für Unruhe

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In Vorhop, einem Ortsteil der Stadt Wittingen, wurde vor wenigen Tagen dieser freilaufende Saarlooswolfhund von einer Gifhornerin fotografiert. Der Vergleich mit einem echten Wolf (kleines Foto) zeigt: Die gewollte Ähnlichkeit ist groß.

Klötze. Ein Wolf spaziert durch ein Dorf oder eine Innenstadt – solche Beobachtungen wurden in der jüngeren Vergangenheit in Deutschland immer wieder gemacht.

Erst in der zurückliegenden Woche konnte ein Pizzabote so einen Fall mit der Handykamera inmitten von Walsrode festhalten. Experten gehen davon aus: Das Foto ist echt.

Doch nicht immer ist die Aufregung um derartige Bilder auch berechtigt. Denn viel zu oft handelt es sich bei den abgelichteten Tieren um gar keine Wölfe, weiß Antje Weber, Wildbiologin aus Jeggau und Mitarbeiterin des Wolfskompetenzzentrums in Iden (WZI). So geschehen vor wenigen Tagen in Vorhop, einem Ortsteil der Stadt Wittingen. Eine Gifhornerin hatte dort am hellichten Tag einen vermeintlichen Wolf in der Nähe der Bushaltestelle fotografiert. Unabhängig voneinander gaben der Wolfsexperte der Landesjägerschaft sowie das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz Entwarnung: Es handelte sich um einen sogenannten Wolfshund, einer Haushunderasse mit eingekreuzten Wolfsgenen.

„Diese Hunde erleben derzeit einen wahren Boom in Deutschland“, bedauert die Wildbiologin. Und das nicht nur, weil die Modehunde – zu den bekanntesten Rassen gehören der Saarlooswolfhund und der Tschechoslowakischer Wolfhund (siehe unten) – für Laien nur schwer von echten Wölfen zu unterscheiden sind. „Es sind keine Hunde wie jede anderen – in ihnen stecken rund 30 Prozent Wolf, weshalb sie nicht leicht zu halten sind“, warnt die Jeggauerin.

Zuletzt sorgten mehrere frei umherlaufende Tschechoslowakische Wolfhunde im Harz für jede Menge Wirbel und eine Häufung von angeblichen Wolfssichtungen. Da in dem Mittelgebirge im vergangenen Jahr auch der echte Isegrim sicher nachgewiesen werden konnte, besteht die Gefahr der Vermischung von Hunden und Wölfen. Die daraus entstehenden Hybriden gelten als gefährlich und stellen für den Erhalt der Art Wolf eine Gefahr dar. In Thüringen läuft derzeit eine hitzige Debatte darüber, wie mit sechs Wolfs-Hybriden auf dem Truppenübungsplatz in Ohrdruf verfahren werden sollte.

Auch in der Altmark, so weiß Antje Weber, steigt die Anzahl der gehaltenen Wolfshunde, die zumindest von Experten auf halbwegs scharfen Fotos und in natura relativ leicht von Wölfen unterschieden werden können. „Es sind die Proportion von Kopf und Ohren, das Verhalten, die Schwanzhaltung“, zählt die Wildbiologin nur einige Merkmale auf.

Von Matthias Mittank

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Auf einen Blick

Saarlooswolfhund: 

Die Hunderasse wurde von Leendert Saarloos (1884-1969) gezüchtet. Der Niederländer fand moderne Hunde zu stark degeneriert und beabsichtigte, in die Rasse des Deutschen Schäferhunds die natürlichen Eigenschaften zurückzuzüchten, um einen besseren Gebrauchshund zu erhalten. Dazu kreuzte er einen Wolf in die Rasse ein. Diese Kombination erwies sich aber bei vielen Abkömmlingen als störend für den Diensteinsatz. So taten sich diese Hunde schwer mit der Bindung an den Menschen, sie waren scheu, schreckhaft und nicht leicht abzurichten. 

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Tschechoslowakischer Wolfhund: 

Die Hunderasse hat ihren Ursprung in Kreuzungsversuchen von Deutschen Schäferhunden mit Karpatenwölfen, die 1955 in Einrichtungen des Grenzschutzes der Tschechoslowakei begannen. Die Diensthunde sollten den Gegebenheiten in der Tschechoslowakei – den Höhenlagen der Grenzgebiete mit viel Schnee und großer Kälte – besser angepasst werden. Die Rasse zeichnet sich durch Ausdauer, Orientierungssinn und eine bemerkenswerte Fährtensicherheit aus. Die Hunde haben zudem ein gesundes Misstrauen und eine gewisse Reserviertheit allem Neuen und Unbekannten gegenüber.

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