„Wir wollen das nicht haben“

Johann Koelmann brachte mit seinem Schlusswort die Einwohner in Rage.

Kunrau - Von Monika Schmidt. Bürgermeister Matthias Mann, der die Informationsveranstaltung der Schweinemastbetreiber moderierte, hatte sich gerade für die sachlich geführte Diskussion bedankt, als es am Ende eines langen Abends am Dienstag doch noch zu einer kleinen Aufruhr kam.

Denn Johann Koelmann wollte es sich nicht nehmen lassen, ein Schlusswort zu sprechen. Und das brachte die Zuhörer gewaltig auf die Palme: „Wir hatten nicht erwartet, sie reformieren zu können“, sagte der Landwirt aus Bad Bentheim. Denn die Positionen der Kunrauer und der Betreiber lagen auch nach dem Abend weit auseinander. „Aber wenn die Anlage erst mal steht, werden wir sehen, wie viele Leute sagen, dass es ein Versehen war, dass wir so dagegen waren“, sagte der Senior der Betreibergesellschaft – die letzten Worte gingen allerdings im Unmut der Anwesenden fast unter. „Das ist doch wohl die Höhe“, empörten sich die Kunrauer. Sie waren wiederum zahlreich erschienen, um an der Informationsveranstaltung der Betreiber aus Bad Bentheim teilzunehmen. Und es waren nicht nur Einwohner aus Kunrau da, sondern auch aus den Nachbarorten Jahrstedt, Altferchau und Neuferchau.

Die Investoren hatten eine geballte Ladung Informationen für die Zuhörer vorbereitet. So stellte Lambert Hurink, der Hauptgeschäftsführer des Emsländischen Landvolkes die Grafschaft Bad Bentheim und ihre landwirtschaftliche Ausrichtung vor. Anschließend erläuterten Vertreter der Landgesellschaft, wie das Genehmigungsverfahren abläuft und wie der Stand ist. Zum Schluss informiert Dr. Wolf-Michael Feldbach über das von ihm erstelle Immissionsschutzgutachten. Fazit aller Vorträge: Nach derzeitigem Stand scheint vom gesetzlichen Standpunkt her nichts gegen die Genehmigung zu sprechen. So weist das Lärmschutzgutachten keine zusätzliche Belastung für die Orte aus und auch die geprüften Ammoniak- und Feinstaubbelastungen liegen unterhalb der erlaubten Höchstgrenzen.

Einig waren sich die Investoren und die Einwohner zumindest darüber, dass diese Informationen viel früher hätten erfolgen sollen. Während Johann Koelmann erinnerte, dass der Gemeinderat eine Einladung nach Bad Bentheim, um sich die Betriebe der Investoren anzusehen, abgelehnt hatte, verwies Ortsbürgermeister Uwe Bock darauf, dass der Gemeinderat schon im Vorfeld sein Nein zum Bau einer Schweinemastanlage bekundet hatte. Das zählt im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nicht, wie Michael Dodt verdeutlichte. Er ist bei der Landgesellschaft für das Verfahren zuständig. Landesentwicklungsplan und Flächennutzungsplan der ehemaligen Gemeinde Kunrau weisen die Fläche für landwirtschaftliche Nutzung aus. Es gebe keine Konfliktpunkte mit benachbarten Nutzungen. Nach objektiven Gesichtspunkten des Baugesetzbuches muss das Einvernehmen der Gemeinde erteilt werden: Das ist durch die Stadt Klötze bereits erfolgt.

Die Kunrauer sind weiterhin gegen den Bau: Die Anlage ist ziemlich nah am Schwimmbad. Der Immekather Weg ist für Verkehrsbelastung nicht ausgelegt. Für die Grundstücke erfolgt eine Wertminderung. Die Gülle belastet den Boden – das waren die bekannten Argumente der Gegner.

Ein neues Argument, das vor allem Alexandra Kupietz, bei der Landgesellschaft zuständig für die Umweltverträglichkeitsprüfung aufhorchen ließ, brachte Wolfgang Sender ins Spiel. Als Vertreter der Naturparkverwaltung informierte er die Anwesenden zunächst, dass seine Behörde die Unterlagen als Träger öffentlicher Belange geprüft hatte und feststellen musste, dass das Ausbringen der Gülle auf Ackerflächen im Drömling gemäß Gülleverordnung einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft entspricht. Dagegen könne die Naturparkverwaltung keine Einwände erheben. Abgelehnt wurde von ihr die Wasserentnahme auf Naturparkflächen. „Aber es gibt ein Wiesenweihen-Brutpaar am Standort“, erklärte Wolfgang Sender. Eine entsprechende Studie des Umweltamtes des Altmarkkreises liege erst seit kurzem vor. Ob der Schutz dieser Tiere genügend berücksichtigt sei, müsse unbedingt geprüft werden, bevor die abschließende Stellungnahme zur Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht werde, forderte Wolfgang Sender.

Neu an diesem Abend war die Tatsache, dass seit Dienstag die Investoren die erforderlichen 700 Hektar Gülleausbringungsfläche nachweisen können. Auf Aufforderung durch die Anwesenden erklärte Tilmann Schwartzkopff, dass es sich um seine Fläche in Kunrau, Flächen des elterlichen Betriebs in Büstedt sowie um Flächen in Ristedt und Tangeln handele. Die Investoren hatten sich bei einer Antwort auf diese Frage bedeckt gehalten: „Die Gülleflächen werden im weiteren Verfahren dargelegt“, antwortete Lambert Hurink auf eine Anfrage von Horst Lorenz. „Die Berechungen überzeugen mich nicht“, hatte der Kunrauer Zweifel an der Darstellung geäußert. Das zentrale Problem seien die Ausbringungsflächen für die Gülle. Horst Lorenz verwies auf die Anlage in Köckte: „Was die Gülle in Köckte angerichtet hat, erleben wir heute noch.“

Dr. Fritz Schmidt vom Landwirtschaftsamt betonte, dass seine Behörde das Ausbringen der Gülle ausdrücklich begrüße: „Dann brauchen die Betriebe in der Region nicht extra teuren Dünger kaufen, das stabilisiert ihre wirtschaftliche Situation.“ Tilmann Schwartzkopff informierte, dass er seit zehn Jahren ausschließlich Puten- und Hühnermist als Dünger auf seinen Feldern ausbringe. „Es hat sich in den zehn Jahren keiner beschwert, deshalb bin ich davon ausgegangen, dass Gülle auch kein Problem ist“, sagte er und erntete Unverständnis der Einwohner dafür.

Näher kamen sich die Investorengruppe und die Einwohner während der Diskussion nicht: „Leute, glaubt endlich: Wir wollen das hier nicht haben“, rief Gustav Müller unter Applaus der Einwohner aus. Und er kündigte an, dass die Kunrauer mit Unterstützung ihrer Nachbarn weiterhin alles Erdenkliche tun werden, um den Bau der Anlage zu verhindern. „Die Zahlen von Stuttgart 21 werden wir wohl nicht erreichen, aber 1000 Leute bekommen wir zum Demonstrieren auch zusammen“, war sich der Kunrauer sicher. Das unterstützte Gudrun Lenz: „Ich werde alles machen, was in meiner Macht steht, um das zu verhindern“, kündigte sie an. Da das Genehmigungsverfahren schon sehr weit gediehen ist, ist fraglich, ob sich die Investorengruppe aus dem Emsland davon abschrecken lässt, wenn der Gesetzgeber die Genehmigung zum Bau erteilt.

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