„Wir wollen keine Bäume“

Die Anlieger der Friedensstraße wurden am Donnerstagabend im Altmarksaal über das Bauvorhaben informiert. Bauamtsleiter Dieter Neuschulz erläuterte den Bauablauf.

Klötze - Von Peter Lieske. Der geplante Ausbau der Friedensstraße in Klötze beginnt bereits in diesem Jahr. Der Fördermittelbescheid ist da. Knapp eine Million Euro sind für die Baumaßnahme veranschlagt. Wie teuer das Vorhaben tatsächlich wird, ergibt die Ausschreibung, die am Donnerstag herausging, wie Bürgermeister Matthias Mann am Abend im Altmarksaal bei der Anliegerversammlung informierte.

Da die genauen Kosten noch nicht bekannt sind, konnten diese nur grob geschätzt werden. So könne damit gerechnet werden, dass für ein 500 Quadratmeter großes Grundstück etwa 2 600 Euro gezahlt werden müssen, wurde den Anliegern vorgerechnet. Einige Anlieger wirkten überrascht von der Höhe der Summe.

Wenn sie schon so viel bezahlen müssen, dann hätten sie auch ein Mitspracherecht, meinten mehrere Anlieger. Der Bürgermeister machte daraufhin deutlich, dass die Entscheidung über den Ausbau im Stadtrat gefallen ist und es sich an diesem Abend um eine reine Informationsveranstaltung handelt. Er verwies auf die demokratischen Spielregeln, wonach dem Stadtrat die Entscheidung zusteht. Dieser betrachte solche Maßnahmen „mit gewisser Neutralität“, warb auch Ortsbürgermeister Klaus Ewertowski um Verständnis. Wenn die Bürger alle Entscheidungen fällen würden, dann „bräuchten wir keinen Stadtrat“.

Dennoch blieb der Unmut bei den Anliegern. „Ich verstehe Demokratie so, dass wir vorher gefragt werden“, sagte eine Anliegern und listete sogleich auf: „Wir wollen keine Bäume, keinen Rasen und keine schmale Straße.“ Grün gebe es im Bereich der Friedensstraße bereits genug, meinte sie.

An die Folgekosten wurde erinnert. So müsse der Rasen gemäht und die Bäume müssten gepflegt werden. Ein Anlieger begrüßte hingegen das Pflanzen von Bäumen.

Matthias Mann war die Debatte nicht neu. Den einen freuten Bäume, die Sauerstoff produzieren, Schall schlucken und Schatten spenden. Andere wiederum wollten nicht das Laub harken. Unmissverständlich machte er den Anliegern deutlich: „Es geht nicht um ob oder wie, sondern um die Beteiligung der Anwohner.“ Als Bürgermeister wolle er den Beschluss des Stadtrates umsetzen. „Es gehört dazu, wenn eine Straße versiegelt wird, dass auch etwas zum Atmen gepflanzt wird, und nicht nur Nadelholz“.

Die Gemüter erhitzten sich nicht nur an den Kosten und den Bäumen, sondern auch an der Breite. 5,50 Meter sei zu schmal. Beim Schnee im vergangenen Winter seien die Fahrzeuge schon bei der heutigen Breite von sechs Metern nicht mehr durchgekommen. Der halbe Meter, den die Straße schmaler wird, ändere an der Situation kaum etwas, erwiderte Bauamtsleiter Dieter Neuschulz. Dass die Straße mangelhaft geschoben wurde, habe vor allem an den abgestellten Fahrzeugen gelegen, um die der Winterdienst nicht herumkam. Leider seien die Fahrzeuge nicht für eine bestimmte Zeit weggefahren worden, damit der Schnee ordnungsgemäß geschoben werden konnte.

Zudem müsse befürchtet werden, dass Autos auf einer Schwarzdecke schneller fahren als auf dem Pflaster, sagte Dieter Neuschulz weiter. Je schmaler die Straße wird, um so langsamer werde gefahren. Inseln zur Verkehrsberuhigung wurden vom Land abgelehnt, da es sich um eine überörtliche Straße handelt, die auch im Falle einer Umleitung größeren Verkehr aufnehmen müsse. Aus diesem Grund, so machten die Verantwortlichen deutlich, habe es für diese Straße die nicht unerheblichen Fördermittel gegeben. Immerhin beträgt der Förderanteil eine Summe von etwa 600 000 Euro. Grob geschätzt zahle die Stadt 200 000 Euro. Die restlichen geschätzten 170 000 Euro müssten die Anlieger tragen.

Dass das Kupfer-Schlacke-Pflaster nicht wieder verwendet wird, habe zwei Gründe, erfuhren die Anlieger: Das Verlegen der Steine werde viel zu teuer. Dadurch würden auch die Anliegerbeiträge steigen. Zudem dürfe Kupfer-Schlacke aus Umweltschutzgründen nicht mehr verwendet werden.

Schließlich entbrannte noch eine Debatte über das Neuverlegen von Versorgungsleitungen. So nutzt der Wasserverband Klötze den Straßenbau, um seine Leitungen gegebenenfalls zu erneuern. Vor allem Hausanschlussschächte müssten erneuert werden. Zudem hatten Grundstücke an der Friedensstraße bislang noch keinen Hausübergabeschacht. „Dafür werden Kosten fällig“, sagte Geschäftsführerin Birgit Tüngler. Auch sie bekam dafür den Unmut einiger Anwohner zu spüren.

Dass im Zuge von Straßenbauarbeiten die Versorgungsleitungen gegebenenfalls erneuert werden, sei „vernünftig“, machte der Bürgermeister deutlich, dass es durch die Arbeit „Hand in Hand am Ende kostengünstiger wird“.

Nach fast zweistündiger Diskussion bedankte sich der Bürgermeister für die offenen Worte der Anlieger und stellte fest: „Alles, was heute kontrovers diskutiert wurde, ist übermorgen normal.“

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