Klötzer Stadtrat sieht keine Notwendigkeit

Schulzusammenlegung: „Wir sollten die Finger davon lassen“

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Dass die Stadt auf keinen Fall ohne Notwendigkeit den Schulstandort aufgeben sollte, betonte die Mehrheit der Stadtratsmitglieder am Mittwoch in ihren Redebeiträgen.

Klötze. Eigentlich sollte es im Klötzer Stadtrat um den Standort für den Kindergartenneubau in Kusey gehen. Doch das Thema geriet in den Hintergrund.

Zunächst sollte die Frage nach der ins Spiel gebrachten Zusammenlegung der beiden Grundschulen von Kusey und Kunrau am Standort Kunrau besprochen werden. Den Auftakt machte in der Einwohnerfragestunde Eberhard Boxhammer. „Ist es so, dass ein Grundschulstandort auf der Strecke bleibt?“, wollte er von den Stadträten wissen.

Eberhard Boxhammer warnte vor „horrendem Irrsinn“.

Er könne nicht glauben, dass die Idee ist, eine der beiden Schulen zu opfern, wunderte sich Boxhammer, der selbst als Schulleiter die Schließung der Kuseyer Sekundarschule erleben musste. „Es wäre ein horrender Irrsinn, die Kinder mit dem Bus durch die Gegend zu schicken“, teilte er auch der Variante, ein Schulgebäude als Schule und das andere als Hort zu nehmen eine klare Absage. Dass in Kusey der Hort nicht auf dem Schulgelände ist, sei damals bei der Eröffnung sogar vom Kultusminister sehr gelobt worden, erinnerte Eberhard Boxhammer.

Bürgermeister Uwe Bartels betonte, dass es eine politische Entscheidung sei, ob die Grundschulen zusammengelegt werden. Die Entscheidung werde vom Stadtrat bei der Abwägung der Varianten getroffen. Seine persönliche Meinung gehe dahin, beide Grundschulstandorte zu erhalten. „Ich habe mich dagegen ausgesprochen, Schulen nach dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit zu betrachten“, betonte Uwe Bartels. Schulen seien nie wirtschaftlich. „Bildung kostet Geld. Und es ist auch gut, dass die Öffentlichkeit erfährt, dass uns die Bildung etwas wert ist“, sagte der Klötzer Bürgermeister. Er hoffe allerdings, dass durch die angeheizte öffentliche Diskussion keine Verunsicherung bei den Kindern und Eltern geschaffen werde. „Auf kommunaler Ebene werden wir keine Schließung vorantreiben, weil es viele Geburten in der Einheitsgemeinde gibt“, stellte Uwe Bartels klar.

Kuseys Ortsbürgermeister Klaus Vohs (UWG) verwies auf den Haushalt, in dem steht, dass alle drei Grundschulstandorte in der Einheitsgemeinde gesichert sind. An Henry Hartmann gerichtet, der die Zusammenlegung als Option zur Prüfung vorgeschlagen hatte, sagte Klaus Vohs: „Über solch eine Variante überhaupt öffentlich nachzudenken, war sehr unbedacht. Wie der Fuchs im Hühnerstall, das war völlig unnötig.“

Stefan Thodte sprach für die Fraktion der Linken. Er selbst hatte sich die Situation vor Ort in Kusey bereits angesehen und kam zu dem Schluss: „Kita und Schule kommen sich an einem Standort in die Quere.“ Der im Hauptausschuss benannte Vergleich mit Jübar, wo sich Kita und Grundschule ebenfalls ein Gelände teilen, greife nicht, da dort die Grundstücksverhältnisse anders sind. Probleme sah er bei der Zufahrt und während der Bauphase, die den Unterricht störe. Der Vorstoß von Henry Hartmann habe ihn auch überrascht, betonte Stefan Thodte, der selbst Lehrer ist. „Wir waren uns alle einig, alle Schulstandorte zu erhalten“, stellte der Klötzer klar.

Thomas Mann (CDU) erklärte ebenfalls, dass der Schulstandort nicht infrage gestellt werden sollte. Das dreistöckige Gebäude in Kusey lasse sich ohnehin nicht als Kita nutzen, vermutete er. „Schließlich wollen wir uns räumlich verbessern.“ Auch im Entwicklungskonzept der Stadt, so erinnerte Thomas Mann, soll stehen, dass die vorhandenen Schulstandorte erhalten und ausgebaut werden sollen.

Henry Hartmann hatte die Idee zur Sprache gebracht.

Henry Hartmann (CDU) entgegnete, dass es doch erlaubt sein müsse, „diese Frage zu stellen“. Schließlich mache sich die Stadt Gedanken, wie sie alle Erzieher- und Lehrerstellen besetzen soll. 

Jörg Kägebein: „Lehrerversorgung ist Sache des Landesschulamtes.“

Dem widersprach Jörg Kägebein (SPD): „Für die Lehrerversorgung sind nicht wir, sondern das Landesschulamt zuständig.“ Er konnte aus seiner Erfahrung als Leiter der Klötzer Sekundarschule mitteilen, wie schwierig es im Alltag war, die Sekundarschüler aus Kunrau aufzunehmen. Es habe viele Reibungspunkte gegeben. „Bei einer Zusammenlegung vergeben wir uns Chancen, die gar nicht nötig sind“, vermutete Kägebein. Weiteres Schulsterben dürfe nicht zugelassen werden. Es wäre eine „Ohrfeige für den Ort Kusey mit seinem Gewerbe und seinen Arbeitsplätzen, wenn es dort keine Grundschule mehr gibt“, appellierte Kägebein. „Wir sollten die Finger davon lassen. Wir haben keinen Auftrag von oben, eine Schule aufzulösen oder zu fusionieren“, stellte Kägebein klar.

Von Monika Schmidt

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