„Wir brauchen diese Anlage nicht“

Gustav Müller verwies auf die Nähe der Gülle-Ausbringungsflächen zur Jeetze.

Kunrau - Von Monika Schmidt. „Ich bin meine Worte losgeworden.“ Gustav Müller war gestern Morgen sichtlich erleichtert. Welche Sorgen er beim geplanten Bau der Schweinemastanlage im Dreieck zwischen Kunrau, Neuferchau und Rappin hat, diktierte er MDR-Radioredakteurin Susann Meier ins Mikrofon.

Sie kam gar nicht dazu, Fragen zu stellen, so schnell wollte der Kunrauer seine Worte loswerden. Getroffen hatte sich die BUND-Ortsgruppe auf dem Parkplatz vor Rappin. „Das hier sollen alles Ausbringungsflächen für die Gülle werden“, erklärte Gustav Müller mit Blick auf die umliegenden Felder. Er verwies auf die unmittelbare Nähe zur Jeetzequelle. „Da sollten sich die Salzwedeler mal überlegen, wie sich das ständige Ausbringen der Gülle in Nähe der Quelle auswirkt“, warnte der Kunrauer. Denn schließlich fließt das Wasser der Jeetze bis nach Salzwedel. Und schon bei der Schweineanlage in Steimke habe sich gezeigt, welche Auswirkungen die Gülle auf den Boden und das Grundwasser haben kann. „Ich bin entsetzt, dass die Naturparkverwaltung sagt, das stört uns nicht“, erklärte der Ehrenvorsitzende des Fremdenverkehrsvereins. „Wir haben schon genügend Viecher in Kunrau“, schätzte er ein. Neben der Gülle ist der zu erwartende Anstieg des Lkw-Verkehrs eine weitere Sorge der Betroffenen. So ist die Immekather Straße in Kunrau gepflastert und nicht für starken Lkw-Verkehr ausgelegt. „Das ist eine unermessliche Belastung für unsere kommunalen Straßen“, rechnete er vor, wie viele Lkw durch die Viehtransporte, das Futter und das Gülleabfahren durch Kunrau fahren werden. „Wir brauchen diese Anlage nicht“, so das Fazit von Gustav Müller.

Für den Tourismus setzte sich auch Brigitte Jürges ein. So seien die Felder nahe Rappin ein anerkannter Kranichrastplatz, auch Kiebitze landen dort oft. Und eine seltene Amselart ist nahe der vorgesehenen Baufläche beim Brüten beobachtet worden. „Das wollen wir uns nicht zerstören lassen“, sprach sie sich für den Erhalt der Natur aus.

Einschnitte in der Lebensqualität befürchtet Friedhelm Licht aus Schwarzendamm. Er wohnt bald ebenfalls in unmittelbarer Nähe der geplanten Schweinemastanlage. „Unsere Politiker sind aufgefordert, die Interessen der Bürger wahrzunehmen“, forderte er.

Auf die chemische Zusammensetzung der Gülle machte Günter Zogbaum aufmerksam. „Gülle ist ein gewaltiger Chemiecocktail.“ Jeder Chef eines Chemieunternehmens käme ins Gefängnis, wenn er eine derartige Zusammensetzung im Erdreich versickern ließe, vermutete der Experte. „Die Stoffe in der Gülle sind in hohem Maße schädlich“, erklärte Günter Zogbaum.

Seit sich die BUND-Ortsgruppe in Kunrau gegründet habe, erfahre sie regen Zuspruch, bedankte sich Angela Franke aus Rappin für die große Unterstützung von allen Seiten. „Uns wird viel Mut gemacht“, freute sie sich. Viele Leute können es nicht fassen, „dass die Natur hier so verschandelt wird“.

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