Walbecker Schule als mögliche Unterkunft für Asylbewerber im Gespräch

Emotionale Debatte

+
Spartanisch, aber zweckmäßig: In einigen Räumen der Gardelegener Kreisverwaltung wurden Zimmer für Asylbewerber eingerichtet. Der Bördekreis ist ebenfalls auf der Suche nach zusätzlichen Räumlichkeiten in kreiseigenen Immobilien und besichtigte die Walbecker Sekundarschule. Foto: Archiv/sts

Oebisfelde / Walbeck. 109 000 Anträge auf Asyl wurden in Deutschland 2013 gestellt. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren. Die meisten Anträge kamen aus Tschetschenien, die zweitmeisten von Menschen aus Syrien.

Weil immer mehr Asylbewerber gerade aus dem Bürgerkriegsland nach Deutschland kommen, steigt die Anzahl der Menschen, die in den Landkreisen untergebracht werden müssen. Im Altmarkkreis Salzwedel werden deshalb gerade weitere Unterkünfte geschaffen, in der ehemaligen Kreisverwaltung in Gardelegen und in kreiseigenen Gebäuden in Salzwedel. Einige Familien sind auch in freie Wohnungen in Kalbe eingezogen. In Gardelegen setzten Politiker und Bürger zudem ein deutliches Zeichen gegen rechte Anfeindungen, demonstrierten mit vielen Teilnehmern gegen eine via Facebook initiierte bundesweite Kampagne „Nein zum Heim“.

Auch der Bördekreis muss mehr Asylanten als in den Vorjahren unterbringen. Deshalb gab es kürzlich eine Kreisbereisung, bei der sich die Vertreter kreiseigene Immobilien ansahen. Eine Station dabei war die ehemalige Sekundarschule in Walbeck. Als einziges Gebäude in der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen steht sie beim Kreis als Unterkunft für Asylbewerber zur Debatte. Dass nur die Bürgermeisterin, nicht aber der Ortsbürgermeister Martin Herrmann und die Mitglieder des Ortschaftsrates im Vorfeld über den Besichtungstermin informiert waren, sorgte am Mittwoch zum Auftakt der Stadtratssitzung in Weferlingen für eine sehr emotional geführte Debatte. Die Wal-becker äußerten ihren Unmut über das Vorhaben. Silke Wolf räumt im AZ-Gespräch ein, dass sie kurzzeitig sprachlos war, um die richtigen Worte ringen musste. Letztendlich habe sie versucht, den Stadtrat für das Thema zu sensibilisieren. „Es war schon der emotionalste Teil der Sitzung“, räumt sie am Tag danach ein. Mit etwas Abstand hätte sie vielleicht etwas anders reagiert. „Ich war von den getroffenen Aussagen überrascht und war sprachlos“, erinnert sich Silke Wolf an den Abend. „Ich habe mich dafür ausgesprochen, die Asylbewerber aufzunehmen“, betont sie. Und das Schweigen der Stadträte nach dem emotionalen Ausbruch wertete sie ebenfalls als – schweigende – Zustimmung.

Die kreiseigene ehemalige Sekundarschule in Walbeck steht seit 2009 zum Verkauf, 19 000 Euro sollen dafür gezahlt werden. Dafür müsste der neue Besitzer massiv investieren. Da der Bördekreis keinen Käufer gefunden hat, steht die Immobilie als eine mögliche Unterkunftsmöglichkeit für Asylanten zur Verfügung. Ob allerdings überhaupt jemals Asylbewerber in die alte Sekundarschule in Walbeck einziehen werden, steht in den Sternen. Denn der Kreis müsste massiv investieren, um die Räume als Unterkünfte herzurichten.

Von Monika Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.