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Jahrstedter denken an später

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Von: Monika Schmidt

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Planer Stephan Heun stellte im Jahrstedter Ortschaftsrat das Projekt für eine Freiflächen-PV-Anlage in Böckwitz vor.
Planer Stephan Heun stellte im Jahrstedter Ortschaftsrat das Projekt für eine Freiflächen-PV-Anlage in Böckwitz vor. Sie soll an der Landesstraße hinter dem Jahrstedter Sportplatz entstehen. © Schmidt, Monika

Jahrstedt / Böckwitz – In der Halblichtung auf der rechten Seite der Landesstraße zwischen Jahrstedt und Böckwitz, hinter dem Jahrstedter Sportplatz, soll eine Freiflächen-Photovoltaikanlage entstehen. Das Projekt wurde im Ortschaftsrat vorgestellt und auch im städtischen Hauptausschuss schon besprochen. Antragsteller ist die Trianel Energieprojekte GmbH, ein Zusammenschluss von rund 60 Stadtwerken. Planer Stephan Heun stellte das Vorhaben im Jahrstedter Ortschaftsrat vor.

Eine Fläche von 24 Hektar soll mit einer PV-Anlage belegt werden. Bei der Fläche handelt es sich um ein landwirtschaftlich benachteiligtes Gebiet, so dass eine Förderung nach dem EEG möglich ist. Bedeutet: Für die Kommune gibt es einen Gewinn, denn je erzeugter Kilowattstunde Strom fließen 0,2 Cent in den Haushalt. Eine Einnahme von 60 000 Euro pro Jahr sei ab dem ersten Tag der Inbetriebnahmen möglich, erklärte der Planer. Das Geld fließe für die Förderdauer von 20 Jahren plus das Jahr der Inbetriebnahme. Den finanziellen Gewinn für die Stadt stellte er seinen Ausführungen gleich voran.

Die ausgewählte Fläche ist bereits von drei Seiten von Bäumen umgeben, so dass nur entlang der Straße ein Sichtschutz gepflanzt werden müsse. In der Mitte bleibt ein Teil frei, da sich die Betreiber dieses Flurstück nicht sichern konnten. Dass die Freiflächen-PV-Anlage nicht zu sehen ist und das Ortsbild nicht stört, waren für die Jahrstedter Ortschaftsräte ganz wichtige Bedingungen. „Mit dem Sichtschutz haben wir dann auch gleich die Ausgleichspflanzungen erledigt“, erläuterte Stephan Heun. Er ging von einer Betriebszeit von 20 bis 30 Jahren aus. „Wenn der Strom nicht mehr gebraucht wird, wird die Anlage zurückgebaut“, teilte er den Ortschaftsräten mit.

„Was passiert, wenn die Firma in der Zeit insolvent ist?“, wollte Jens Feniuk wissen. Dafür gebe es eine Rückfallbürgschaft, die auf einem speziellen Konto gebunkert wird. „Ohne eine solche Bürgschaft gibt es eh keine Baugenehmigung“, wusste der Planer. Bestenfalls könne für die Pflege der Wiese, auf der die PV-Anlagen stehen, ein örtlicher Schäfer gewonnen werden. In der Regel übernehmen das aber Firmen, die zweimal im Jahr mit Technik mähen und mulchen. Dass die Anlage niemanden blendet, dafür werde ein Blendschutzgutachten im Rahmen des Planverfahrens erstellt. „Die Module sind höchstens drei Meter hoch, wenn eine fünf Meter hohe Hecke drumrum steht, ist das kein Problem“, informierte Stephan Heun.

Der stellvertretende Ortsbürgermeister André Homeyer informierte, dass die Anlage in den vom Stadtrat aufgestellten Leitfaden für Freiflächen-PV-Anlagen passt. Die Bodenpunkte liegen unter 30, die Anlage ist nicht zu groß und fünf Prozent der Gemarkung von Böckwitz werden nicht überschritten. 31,6 Hektar könnten nach diesem Ansatz in Böckwitz mit PV-Anlagen bebaut werden. Auch der Mindestabstand zur Wohnbebauung von 200 Metern wird eingehalten.

Eine Sorge der Jahrstedter war, ob die Fläche später wieder landwirtschaftlich genutzt werden könne. Dazu müsse dann noch einmal der Flächennutzungsplan geändert werden, denn in diesem werde sie im Rahmen der Planung von einer Landwirtschafts- zu einer Fläche für Sondernutzung umgewidmet. Nicht ausschließen wollte Stephan Heun, dass auch über die 30 Jahre der Vertragslaufzeit hinaus Strom auf der Fläche gewonnen werde. Nur dürfen per Gesetz die Verträge aktuell nicht langfristiger geschlossen werden.

Letztendlich gab es vom Jahrstedter Ortschaftsrat eine mehrheitliche Zustimmung für das Verfahren. Noch lieber wäre es den Ortschaftsräten aber – das wurde in der Diskussion deutlich – wenn der Strom in Form einer Genossenschaft von Einheimischen erzeugt würde und direkt verwendet werden könnte. Auch der Hauptausschuss hatte zu dem Thema keinen Gesprächsbedarf und stimmte dem geplanten Vorhaben zu.

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