Viel Herzlichkeit beschert

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Zwischen hoch aufgetürmten Schneebergen müssen die Altenpflegerinnen der Sozialstationen ihre Fahrzeuge lassen. Und so fand gestern Juliane Beyer, Altenpflegerin beim SozialCentrum Altmark, in Klötze einen Abstellplatz für ihr Dienstfahrzeug.

Klötze – Von Peter Lieske. Jeden Morgen machen sich zehn Fahrzeuge des SozialCentrums Altmark von der Sozialstation in Klötze aus auf den Weg zu Patienten und Betreuten. Der Tourenplan wird auf die Erfordernisse abgestimmt. Bei der Zusammenstellung der Touren genießen die Insulina-Patienten oberste Priorität, berichtet Pflegedienstleiterin Anke Landmann. Dialyse-Patienten müssen morgens als Erste angefahren werden, denn sie werden pünktlich vom Taxi abgeholt. Bis dahin muss die Arbeit der häuslichen Pflege abgeschlossen sein.

70 Patienten und Betreute hat das SCA zu versorgen. Einige müssen drei- bis viermal am Tag besucht werden. Der Zeitplan ist eng, und doch soll etwas Zeit zum Erzählen bleiben.

So lange das Wetter offen und die Temperaturen im Plus-Bereich liegen, lässt sich der Pflegedienst gut bewerkstelligen, auch wenn der Bedarf stetig steigt. Die Zahl der Patienten, die von Angehörigen gepflegt werden können, sinkt. Der demografische Wandel ist eine Ursache. Aber auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt macht sich bemerkbar, bemerkt Anke Landmann am Rande. Seit Arbeitslose verpflichtet sind, eine Arbeit auszuführen, ist der Bedarf sogleich wieder angestiegen. Schließlich fehlen die Angehörigen im Haushalt. Und so muss der Pflegedienst wieder einspringen.

Die Pflege richtet sich nicht nach dem Wetter. Und so müssen die Schwestern auch bei widrigsten Bedingungen losfahren. So beginnen die Pfleger morgens früher. Bevor sie losfahren, haben sie mitunter schon zwei Autos von Schnee und Eis befreit, zuerst das eigene und dann den Dienstwagen. Sicherheit geht vor. Dazu gehört eine gute Sicht. Handfeger und Schippe gehören in diesen Wintertagen bereits zur Standardausrüstung der Mitarbeiter. Aber auch eine Taschenlampe wird mitgenommen. Und seit Heiligabend liegt auch eine Kerze im Fahrzeug bereit. Auch bei Stromausfall kommen die Schwestern vorbeigefahren. Die Spritze kann auch an solchen Tagen nicht warten. Manche Patienten hatten frühmorgens noch gar nicht gemerkt, dass der Strom weg war. Ohne Strom war das Waschen nicht möglich. Aber auch viele andere Handgriffe müssen gemacht werden, vom Anziehen bis zum Aufräumen.

Diese Tage waren besonders extrem. Vor allem der Eisregen machte zu schaffen. Trotz Scheibenabdeckung war es eine Qual, die Autos fahrtüchtig zu bekommen. Nach dem Eiskratzen begann die Rutschpartie. Langsam und vorsichtig fahren. Bei dieser Geschwindigkeit war der Tourenplan einfach nicht zu schaffen. Also musste Anke Landmann mit ihrer Kollegin einen Notplan aufstellen, vor allem für den Abenddienst. Patienten, bei denen Angehörige an diesen Tagen nicht arbeiten mussten, wurden angerufen. Das Verständnis war groß. ImGegenteil: Einige Patienten, die die Unterstützung dringend benötigten, wollten auf den Besuch verzichten. „Bei mir ist es nicht so wichtig, fahren Sie ruhig weiter“, hatten einige den Schwestern gesagt. „An diesen Tagen fiel die Herzlichkeit und Fürsorge für die Schwestern besonders auf.“

Zwar wurde mit dem Dienst eine halbe Stunde früher begonnen, die letzten Patienten mussten sich allerdings gedulden. Bis zu einer Stunde Verspätung waren möglich. Die Patienten hatten Verständnis dafür. Allerdings waren sie vorsorglich beruhigt worden. So werden sie rechtzeitig vor jedem Winter auf die besondere Situaion vorbereitet – nicht die Pflegerinnen, sondern die Patienten, denn das Warten kann für sie zu einer Ewigkeit werden. Manche haben bis zum Besuch noch nicht gemerkt, welches Wetter draußen herrscht. Die Pflegebedürftigen warten sehnsüchtig auf die Schwester, ist sie doch oftmals der einzige Besuch am Tag. Eine halbe Stunde Verspätung kann dann schon zu einer Ewigkeit werden.

Nach einem starken Schneefall schaffen es einige Patienten nicht, den Weg freizuräumen. Nicht selten müssen die Pflegemitarbeiterinnen durch tiefen Schnee stapfen. Um das kalte Nass nicht ins Haus zu tragen, ziehen sie die Schuhe aus. Oder aber sie haben Plastik-Füßlinge dabei, die sie über die Schuhe ziehen. Ihnen hat die Pflegedienstleiterin freigestellt, Jeans oder Thermohosen zu tragen, denn mit der dünnen weißen Hose, die die Pflegerinnen in der Regel tragen, kommen sie nicht weit.

Eine Grundvoraussetzung, sicher und pünktlich zum Patienten zu gelangen, ist ein hohes Selbstvertrauen am Steuer. Das Parken ist in der schneereichen Zeit besonders schwierig. Die Fahrzeuge sollen möglichst weit von der Straße weg abgestellt werden. Zwischen aufgetürmten Schneebergen und tiefem Schnee ist es nicht so einfach, ein passendes Plätzchen zu finden. In extremen Situationen stellen die Pflegerinnen ihr Fahrzeug im Dorf oder Wohngebiet an zentraler Stelle ab und legen den Weg bis zum Patienten zu Fuß zurück.

Die Patienten wissen um die Schwierigkeiten, die das Winterwetter bereitet. Nicht selten werden die Schwestern gebeten, auch sich einen Tee zu kochen und sich auf diese Weise etwas aufzuwärmen. Sie nutzen die Gelegenheit für ein kleines Schwätzchen, doch dann geht es wieder hinaus in die Kälte zum nächsten Patienten, denn auch der wartet schon ungeduldig auf den Besuch, damit das Leben in den eigenen vier Wänden auch weiterhin lebenswert bleibt.

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