Zum Schutz der Tiere

Tempolimit gefordert: Einwohner vom Kahnstieg beklagen hohe Zahl der Wildunfälle

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„Die donnern hier lang, wie auf einer Autobahn.“: Siegfried (v. r.) und Gudrun Weißmann, Lillemor Riedel und ihr Sohn Christian wünschen sich, wie an der Pilotstrecke zwischen Klötze und Schwiesau eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Kreisstraße von Dannefeld nach Buchhorst, um Wildunfälle zu vermeiden.

Kahnstieg – „Viele donnern da mit 140 Sachen vorbei“, ist Christian Riedel aufgefallen. Er wohnt mit seiner Mutter Lillemor auf dem Kahnstieg und ärgert sich über die Raserei auf der Kreisstraße, die Dannefeld und Buchhorst verbindet.

Vor allem zu Schichtwechselzeiten bei VW ist auf der Straße viel Betrieb. Seit sie vor einigen Jahren neu befestigt wurde, erlaubt die glatte Fahrbahnoberfläche den Autofahrern das schnelle Fahren.

Aber nur im Altmarkkreis, denn in der Nachbarkolonie Bleuenhorst, die zum Landkreis Börde gehört, ist die Geschwindigkeit auf 80 km/h reduziert. Unmittelbar hinter der Kreisgrenze wird diese Beschränkung für die von Buchhorst kommenden Autofahrer aufgehoben. An den fünf Gehöften, die Kahnstieg bilden, rasen die Autos dann so vorbei. „Ich bin eigentlich aus der Stadt weggezogen, weil ich eben nicht mehr direkt an der Autobahn leben wollte“, ärgert sich Christian Riedel, der seit 2001 in Kahnstieg lebt.

„Wir haben schon so viele tote Tiere von der Straße gekratzt“, sagt Christian Riedel weiter. Kleinzeug, Igel, Nutria, Füchse, Dachse und immer wieder Rehe mussten auf dem Straßenabschnitt bereits ihr Leben lassen. Auch die eigenen Katzen starben. Für Riedels lautet die Konsequenz: Sie halten keine Katzen mehr – obwohl sich das Haus mit seinem großen Garten für Tiere sehr gut eignen würde.

Auch die Nachbarn, das Ehepaar Weißmann, hat schon viele Tiere auf der Straße sterben sehen. „Ich habe schon sehr oft den Jagdpächter angerufen, damit er die schwer verletzten Tiere erlöst“, sagt Siegfried Weißmann. Häufig würden sich die Autofahrer gar nicht um die Tiere kümmern, sondern nach den Unfällen schnell weiterfahren. Siegfried Weißmann und seine Frau Gudrun bangen auch täglich um das Leben ihrer Katzen – aufgeben wollen sie die Katzenhaltung aber dennoch nicht.

Die Nachbarschaft vom Kahnstieg kämpft für eine Geschwindigkeitsbegrenzung für ihre Kolonie. Christian Riedel hat sich schon mit der Stadt Gardelegen in Verbindung gesetzt, damit sie einen entsprechenden Antrag an den Kreis stellt. Er hatte auch ein nettes Gespräch mit einem Mitarbeiter, berichtet Christian Riedel. Nur passiert ist nichts. Als Nächstes hatte er überlegt, Unterschriften für das Anliegen zu sammeln.

„Aber bei fünf betroffenen Grundstücken bringt das nichts“, hat Christian Riedel erkannt. „Die fahren hier wie die Wahnsinnigen“, stellt er fest, während schon wieder ein Auto auf der schmalen Kreisstraße am Grundstück vorbeirauscht. „Gerade in der Dämmerung ist das gefährlich, wenn dann die Wildtiere auf die Straße treten“, erklärt er. Weil er viel in Dänemark ist, weiß Christian Riedel, dass dort auf Landstraßen generell nur 80 km/h gefahren werden darf. Das würde er sich auch für Deutschland, speziell aber für den Abschnitt auf dem Kahnstieg, wünschen.

Die Nachbarn aus der Drömlingskolonie wundern sich, warum die Geschwindigkeitsbegrenzung im benachbarten Bleuenhorst möglich ist, für die Straße vor ihrer Haustür aber noch keine Anstalten gemacht wurden, eine Reduzierung herbeizuführen. Christian Riedel hat eine Antwort: „Die automobile Freiheit ist in Deutschland halt eine heilige Kuh“, befürchtet er.

VON MONIKA SCHMIDT

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