Forstamt Klötze fahndet in Bodenproben nach Schädlingen

Die Suche nach dunklen Gestalten

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Unter der Anleitung von Andreas Rechzygier (3.v.l.) suchen die Mitarbeiter diees Klötzer Forstamtes in den Bodenproben nach Larven, Puppen und sonstigen Schädlingen.

Klötze – Es riecht nach Waldboden. Auf dem Flur im Keller des Forstamtes in Klötze stehen haufenweise blaue Müllsäcke, gefüllt mit Erde aus dem Bereich des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark.

Die gefundenen Schädlinge werden gesammelt und im Labor untersucht.

Vier Mitarbeiter sitzen einen Raum weiter um einen Tisch herum und durchsuchen die Proben aus dem Wald nach Schädlingen. Es ist wieder Winterbodensuche angesagt. Als dunkle Gestalten beschreibt Andreas Rechzygier vom Klötzer Forstamt die kleinen Tierchen, nach denen er und sein Team suchen. Dafür wird der Waldboden im wahrsten Sinne handverlesen. Dietmar Wischer, Henry Hesse, Ernst-Günter Mertens und Glen Schulze durchforsten akribisch die Erdproben auf der Suche nach Kieferbuschhornwespen, Kieferspannern und Co. Kurz gesagt, sie suchen Schädlinge, die den Forsten gefährlich werden können.

Ursprung vor 200 Jahren

Bei der Winterbodensuche handelt es sich um eine altbewährte Methode, die ihren Ursprung vor rund 220 Jahren in den sogenannten Raupenverordnungen hatte. Dabei hat man sich an Bewohnern des Waldes, den Wildschweinen, orientiert. Auch diese im Jägerlatein als Schwarzkittel bezeichneten Tiere durchwühlen gerade im Winter den Waldboden und suchen nach Essbarem wie Raupen, Puppen und Larven von Insekten.

Da Wildschweine aber keine Beamte sind, mangelt es ihnen an Gründlichkeit und somit bleiben Schädlinge im Boden über, die dann den Baumbeständen gefährlich werden können. Und an dieser Stelle kommen die Mitarbeiter vom Klötzer Forstamt ins Spiel. Zunächst entnehmen sie im Wald Bodenproben, verpacken diese in Säcke, beschriften sie mit der genauen Entnahmestelle und bringen sie ins Klötzer Forstamt. Dort werden die Proben Sack für Sack auf Schädlinge untersucht. Diese werden dokumentiert, archiviert und später zur genauen Analyse zur Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen geschickt.

Sorgfalt und ein gutes Auge sind gefragt

Gefragt sind bei der Suche Sorgfalt und ein gutes Auge, denn Raupen und Puppen sind oftmals nur schwer in Streu und Humus zu erkennen. Gesucht wird unter anderem nach der Forleule, dem Kiefernspinner, Kiefernspanner und der Buschhornblattwespe.

Alle diese Insekten können bei massivem Auftreten in den Wäldern erhebliche Schäden – hin zum Absterben ganzer Bestände – verursachen, weiß Andreas Rechzygier zu erzählen. Gleichzeitig werden aber auch auf dem Boden liegende Kieferntriebe erfasst. Verursacht werden diese vom sogenannten Waldgärtner, einem Schädling, der Triebe angreift, die dann abbrechen.

Absterben ganzer Waldbestände

In Göttingen werden nach der peniblen Vorarbeit der Klötzer Forstamtsmitarbeiter die eingesandten Larven und Puppen untersucht. Dabei wurden auch das Geschlechterverhältnis, der Anteil gesunder Insekten, der Parasitierungsgrad und die Schlupfbereitschaft festgestellt. „Aus diesen Daten und der Zahl der untersuchten Insekten insgesamt kann dann abgeleitet werden, ob es zu einer Massenvermehrung kommt und welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden müssen“, erläutert Andreas Rechzygier. Je nach Ergebnis und beim Überschreiten einer bestimmten Anzahl, werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. So kann es im Laufe des Jahres auch zu Fällungen von Probebäumen oder sogar zum Einsatz von Insektiziden zum Schutz des Waldes kommen. Besonders Letzteres ist jetzt allerdings noch nicht absehbar und hängt von Faktoren wie der Witterung im Frühling ab. „Ein sehr feuchtes und regnerisches Frühjahr kann die Ausbreitung schädlicher Insekten deutlich behindern, während trockenes warmes Wetter sich begünstigend auswirkt“, erklärt der Fachmann.

VON BIRGIT STEPHANI

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