„Steht die Uhr, werde ich meistens angesprochen“

Einmal in der Woche aufziehen und hin und wieder ein Tröpfchen Öl. Auf diese Weise hält Walter Schulz die Uhr der Sankt Ägidius-Kirche seit elf Jahren am Laufen. So lange es die Gesundheit zulässt, will er dies auch in der Zukunft machen.

Klötze - Von Matthias Mittank. Seit 84 Jahren – so lässt eine Inschrift vermuten – verrichtet das mechanische Uhrwerk in der Klötzer Sankt Ägidius-Kirche ihren Dienst. Seit mittlerweile elf Jahren kümmert sich Walter Schulz um die Technik im Kirchturm und um das Läuten. Der Altmark-Zeitung gewährte der 67-Jährige einen Einblick in sein Amt als „Glöckner von Klötze“.

„Das hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich das einmal mache“, sagt Walter Schulz. Seit September 1999, als sich sein Vorgänger Bruno Kluge zurückzog, zieht der Klötzer einmal wöchentlich das Uhrwerk in der evangelischen Sankt Ägidius-Kirche von Klötze auf. Und auch das Läuten zu Trauungen, Sterbefällen und Beerdigungen wird von ihm übernommen. Die ersten fünf Jahre in seinem Ehrenamt musste Walter Schulz dies alles noch per Hand machen. Für das fünfminütige Abendgeläut ging es sogar täglich außer sonn- und feiertags in den Kirchturm.

Heute hat sich vieles vereinfacht. Als 2004 mit dem Einzug von zwei neuen Glocken auch ein elektrisches Läutwerk installiert wurde, glaubte sich Walter Schulz zunächst von seinem Amt entbunden. Doch weit gefehlt. „Für das Läuten zu besonderen Anlässen braucht der Pastor natürlich weiterhin einen Gehilfen“, so Walter Schulz. Im Gegensatz zu früher reichen nun allerdings einige Knöpfe – für jede der drei Glocken einen. Ein vierter Knopf ist dafür da, um das automatische Abendläuten auszuschalten – dies ist immer an Feiertagen der Fall, die zwischen montags und sonnabends liegen. Auch wenn zu Neujahr um 0 Uhr allerorts die Sektkorken knallen, ist Walter Schulz im Kirchturm.

Körperlich gefordert ist der 67-Jährige trotz der neuen Technik aber immer noch. So müssen einmal in der Woche zwei schwere Gewichte, die die Uhr am Laufen halten, hochgezogen werden. „Einmal oben, würde die Uhr neun Tage und zehn Stunden laufen. Es ist aber immer besser, sie rechtzeitig wieder aufzuziehen“, erläutert Walter Schulz. Meist tut er dies sonntags, wenn er zum Gottesdienst läutet. Dann lässt er die Uhr auch immer zwei Minuten stehen. Denn um diese Zeit geht das Uhrwerk in einer Woche vor. Ansonsten ist die Kirchenuhr recht zuverlässig. Doch ab und an können sich die Seile verhaken, was unweigerlich zum Stillstand führt. „Meist werde ich dann auf der Straße darauf angesprochen. Das ist aber auch gut so. So weiß man, dass die Leute auch tatsächlich noch zum Kirchturm hoch schauen“, freut sich Walter Schulz.

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