18-Jährige Absolviert soziales Jahr

Ein Jahr, das für Linda Wirbel alles änderte

 Pflegedienstleiterin Nancy Förster (links), Mareike Schulz von der Betreuung (von rechts) und Ninett Schneider bedankten sich bei Linda Wirbel für ihr soziales Jahr.
+
Abschied nach einem Jahr
  • Birgit Stephani
    VonBirgit Stephani
    schließen

Klötze – Wenn Linda Wirbel ein Jahr zurückdenkt, dann hat sich für sie vieles verändert. Frisch von der Schule, hatte sie den Wunsch, in den Rettungsdienst zu gehen. Doch stattdessen absolvierte sie erst mal ein soziales Jahr, das sie in die Altenpflege führte.

Die heute 18-Jährige arbeitete ein Jahr im SocialCentrum Altmark (SCA) in Klötze und lernte dort den Beruf der Altenpflegerin mit all seinen Facetten kennen. Die anfängliche Skepsis ist verflogen. Die Ängste, die sie zunächst hatte, wenn es darum geht, mit alten Menschen zu arbeiten und sie zu pflegen, haben sich vollständig aufgelöst.

Inzwischen steht für Linda Wirbel fest, dass sie ihre Berufung gefunden hat. Am Ende ihres sozialen Jahres hat sie sich für eine Ausbildung zur Altenpflegerin entschieden. Diese wird sie demnächst in ihrer Heimatstadt Stendal beginnen und dort auch ihre erste eigene Wohnung beziehen. Geholfen hat ihr das Jahr in Klötze nicht nur bei der Berufswahl, sondern auch dabei, eigenständig und erwachsen zu werden. „Sie kommen als Kinder und gehen als junge Erwachsene“, bestätigt auch SCA-Geschäftsführerin Ninett Schneider, die die Entwicklung von Lina Wirbel mit Freude beobachtet hat und zum Abschluss des sozialen Jahres bestätigt: „Sie hat sich richtig gut gemacht.“

Besonders freut es die „Chefin“ natürlich, dass die Arbeit in „ihrem Hause“ einen jungen Menschen dazu bewegen konnte, beruflich in die Altenpflege gehen zu wollen. Denn wie in der gesamten Pflegebranche fehlt es auch in der Altmark an jungen Nachwuchskräften. Gleichzeitig bilden nach Meinung von Ninett Schneider aber auch zu wenige Betriebe Nachwuchs aus. Beim SCA ist das anders. Und man bietet auch Quereinsteigern eine berufliche Chance. Aus ihrer eigenen Tätigkeit als Geschäftsführerin weiß sie aber auch, wie schwer es ist, Menschen für den Beruf zu begeistern. Dabei betont sie: „Pflege ist schön und gibt einem so viel wieder.“ Aber, sie mahnt auch: „Die nachfolgende Generation muss sich dazu bereit erklären.“ Dabei ist es aus ihrer Sicht gar nicht so wichtig, die entsprechenden Qualifikationen zu haben. „Menschlich und empathisch muss man für den Beruf geeignet sein. Bei allem anderen unterstützen wir dann.“

Es erfordere viel Kraft, Menschen auszubilden. Doch nach Sicht von Ninett Schneider ist dieses heutzutage dringender notwendig als bisher schon. Bereits vor fünf Jahren habe man beim SCA vor einem Engpass der Kräfte in der Pflege gewarnt. Jetzt sei die Spitze des Eisberges erreicht beziehungsweise sie rage inzwischen sinnbildlich sogar schon aus dem Wasser heraus. Um die Probleme zu sehen, müsse man sich nur die Entwicklung der Demografie anschauen. Menschen werden immer älter, entsprechend werden immer mehr Pflegekräfte benötigt. Denn Angehörige betreut man nicht mehr in den eigenen vier Wänden, sondern sie leben in Pflegeeinrichtungen. Und das bis zum Lebensende.

Umso erfreuter ist sie darüber, dass ein junger Mensch wie Linda Wirbel seine berufliche Zukunft in der Pflege sieht. Während ihrer Zeit in Klötze hatte sie Einblick in sämtliche Bereiche der Einrichtung. Als ihren Lieblingsort gibt sie inzwischen die Tagespflege an. Aber auch Menschen mit Demenz musste sie betreuen. Sie gibt zu, dass ihr das zunächst Angst gemacht habe. Die Berührungsängste seien aber ganz schnell verflogen. „Man lernt schnell, mit den Menschen umzugehen und weiß, wann jemand einen schlechten Tag hat“, sagt sie inzwischen.

Und auch sie selbst hat durch ihre Zeit in Klötze und mit den Menschen viel dazugelernt. Von Haus aus eher quirlig und hibbelig veranlagt, lernte sie schnell, insgesamt ruhiger zu werden. „Ich habe selbst gelernt runterzukommen“, sagt Linda Wirbel heute und ist mehr als dankbar für die Chance, die ihr durch das soziale Jahr geboten wurde. Deshalb appelliert sie auch an alle jungen Menschen, besonders, wenn sie kontaktfreudig sind, beruflich in die Altenpflege zu gehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare