Wochenlange Trockenheit sorgt bei der Agrargenossenschaft Kunrau für Ernteausfälle bis 50 Prozent

„Sowas in 38 Jahren nicht erlebt“

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Vom Kremser aus schauten sich die Verpächter während der Rundfahrt die Ackerflächen der Agrargenossenschaft Kunrau an. Dabei wurde das Ausmaß der Trockenheit bei den Pflanzen sehr deutlich.

Kunrau. „Lasst es endlich mal regnen“, mit diesen Worten schaut Andreas Diebe zum Himmel. Der Leiter der Pflanzenproduktion der Agrargenossenschaft Kunrau wartet wie so viele altmärkische Landwirte sehnsüchtig auf den Regen, damit die Ernte in diesem Jahr noch zu retten ist.

Doch Diebe, der seit 1980 im Beruf arbeitet, ist skeptisch, dass Petrus noch Regen bringt. „So eine Trockenheit habe ich in 38 Jahren als Landwirt noch nicht erlebt“, sagte er zur Begrüßung der alljährlichen Feldbesichtigung mit einem Teil der etwa 350 Verpächter am Mittwoch.

Dabei listete der Landwirt die Niederschlagsmengen der zurückliegenden drei Monate auf. Im April fielen knapp acht Milliliter pro Quadratmeter, im Mai waren es 14 und bisher im Juni 5,5 Milliliter, informierte er die Anwesenden. Diese Werte machen Andreas Diebe einfach sprachlos und sorgen auch für erhebliche Ernteausfälle. „Wir werden etwa 50 Prozent weniger als in den Vorjahren vom Feld abernten. Dass wir die Wintergerste schon am 14. Juni anmähen, hat es so früh noch nie gegeben“, merkte er kritisch an.

Die Ernteausfälle sorgen auch in der Agrargenossenschaft für erhebliche finanzielle Verluste. Um sie noch im Rahmen zu halten, wurde bereits auf das Düngen und Spritzen der Felder mit Pflanzenschutzmittel verzichtet. Während der Rundfahrt über die Felder des landwirtschaftlichen Betriebes konnten sich die Verpächter selbst ein Bild vom schlechten Zustand der Felder machen. Dabei sagte Andreas Diebe, dass der Entwicklungsstand einer Pflanze in diesem Jahr nur eine Woche dauerte. In der Regel sind es sonst drei Wochen. Doch die sommerlichen Temperaturen sorgten für ein wesentlich schnelleres Wachstum als in den Vorjahren, so Diebe. Bis auf den Mais ist die Ernte bei allen anderen Pflanzenarten gelaufen. Neben den 620 Milchkühen, wo derzeit pro Liter 30 Cents bezahlt werden, bewirtschaftet die Agrargenossenschaft insgesamt 1585 Hektar Ackerfläche und 595 Hektar Grünland. Auf der Ackerfläche werden 294 Hektar Roggen, 167 Hektar Weizen, 97 Hektar Wintergerste, 88 Hektar Sommergerste, 470 Hektar Mais, 45 Hektar Sonnenblumen sowie 60 Hektar Feldgras und 65 Hektar Luzerne angebaut. Nach der jüngsten Besichtigung der Felder geht Andreas Diebe davon aus, dass bei einigen Pflanzen die Erträge um 50 Prozent gegenüber den Vorjahren zurückgehen. „Wir haben zwar einige Felder beregnet. Aber auf zahlreichen Ackerflächen ist die Erde wie Asche. Der Roggen hat unter anderem noch einige grüne Stellen“, betonte der Pflanzenproduktionsleiter der Kunrauer Agrargenossenschaft. Die schlechte Ernte werde sich auch im Betriebsergebnis 2018 deutlich widerspiegeln.

Von Henning Lehmann

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