Germenauer Ohrewehr wird womöglich nicht wieder aufgebaut / Folge: Weniger Wasser im Angelteich

Sohlgleite statt neues Stauwehr?

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Am vergangenen Sonntagvormittag brach das Ohrestauwehr bei Germenau zusammen. Eis hatte die Anlage wohl zuvor dicht gemacht, das anstauende Wasser das Widerlager unterspült. 

Jahrstedt / Germenau. Egal, welcher Ersatz für das am zurückliegenden Sonntag zusammengebrochene Ohre-Stauwehr bei Jahrstedt-Germenau (AZ berichtete) gefunden wird, es wird wohl Jahre dauern, bis die anvisierte Lösung umgesetzt sein wird.

Das wurde im Rahmen einer Beratung am gestrigen Freitag deutlich, zu der Vertreter der Stadt Klötze, der Naturparkverwaltung Drömling, des Zweckverbandes Natur- und Kulturlandschaft Drömling, der Unteren Wasserbehörde des Altmarkkreises sowie des Unterhaltungsverbandes (UHV) Obere Ohre zusammenkamen.

So eine Sohlgleite wird als Lösung anstelle eines neuen Staus derzeit ins Auge gefasst. 

Demnach könnte statt des Neubaus eines Wehres auch die Schaffung einer sogenannte Sohlgleite für Abhilfe sorgen. Bei dieser handelt es sich in der Regel um eine Steinschüttung mit flachem Gefälle, sodass Fische und andere Wasserlebewesen die Staustufe ganzjährig passieren können. Als Inhaber des Staurechtes will die Naturparkverwaltung nun prüfen lassen, welche Stauwasserstände sich mit einer das gesamte Ohrebett samt Ufer umfassenden Sohlgleite realisieren lassen.

Die angestrebte Sohlgleite hätte jedoch zur Folge, dass der benachbarte Angelteich dauerhaft weniger Wasser hätte.

Das Einspeisen von Wasser aus der Ohre in die Nebengräben, so viel steht fest, könnte mit dieser Variante gesichert werden. Allerdings würde der Wasserstand des benachbart gelegenen Angelgewässers Schleuserteich dauerhaft um einige Dezimeter absacken, was die Nutzung durch den Jahrstedter Angelsportvereins beeinflussen würde. Oberste Priorität, da waren sich die Gesprächspartner gestern einig, habe der Hochwasserschutz für die Ortslage Jahrstedt. Dieser dürfte sich mit dem Bau nicht verschlechtern.

Bei Machbarkeit würde die Sohlgleite in den nächsten Jahren durch den Zweckverband, der ohnehin den Bau eines Fischpasses für dieses Jahr geplant hatte, umgesetzt werden. Sollte die Variante nicht umsetzbar und doch ein bewegliches Wehr erforderlich sein, so informierte gestern UHV-Geschäftsführer Hagen Müller, könnte dieses gegebenenfalls zu 100 Prozent aus Mitteln der EU-Wasserrahmenrichtlinie finanziert werden. Darüber, ob dies förderfähig ist, würde das Landesverwaltungsamt auf Antrag des Unterhaltungsverbandes entscheiden.

Um Schäden an Natur und Umwelt als Folge des geringen Wasserstandes abzuwenden, forderte die Untere Wasserbehörde von der Naturparkverwaltung zunächst den Bau eines provisorischen Staus in der Ohre. Als positiver Nebeneffekt würde dadurch die gefährdete Löschwasserversorgung vor Ort gesichert. Überzeugt von dieser Zwischenlösung zeigten sich die Naturpark-Vertreter jedoch nicht.

Gestern ebenfalls besprochen wurden die Ursachen für den Zusammenbruch des Staus. Wie Müller erklärte, habe der Unterhaltungsverband, der für den Naturpark weitere 106 Stauanlagen unterhält und bedient, alle Bedienungsvorgaben eingehalten. Diese sehen vor, dass das Öffnen der Anlage ganzjährig nur nach Überschreiten des Wasserstandes von 60,30 Meter über Normalnull infolge hoher Niederschläge oder wenn Nutzungen dies erfordern gestattet ist. Erst am 15. März sei die Anlage inspiziert und ein angeschwemmter Baumstamm entfernt worden. Der Wasserstand an dem Wehr lag bis zum Beginn der Havarie am Sonntag gegen 6 Uhr unter dem oberen Stauziel. „Es bestand für den Unterhaltungsverband zuvor keine Handhabe, das Wehr zu öffnen“, so der Geschäftsführer. Der vermutlich durch Eis- und Schneestau sowie Schwemmgut am Sonntagmorgen erhöhte Wasserstand sei zudem nicht die primäre Ursache für den Schaden am Wehr gewesen. So waren laut Aufzeichnungen in Vorjahren am Ohrewehr schon weit höhere Stauwasserstände gemessen worden. Erst das Um- und Unterspülen des östlichen Widerlagers sowie das Entstehen eines Kolkes unter dem Druck des Wassers führte letztlich zum Wegbrechen des Staufundamentes.

Da das Beseitigen des besagten Kolkes sowie das Wiederherstellen des Weges nicht auf die lange Bank geschoben werden können, wollen die Stadt Klötze und der Unterhaltungsverband nach Ostern gemeinsam aktiv werden.

Von Matthias Mittank

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