Einwohner der Purnitzstadt empfinden ihre Heimat unterschiedlich

Klötze ist schön, so wie es ist

Blick über KLötze von der Fliederallee aus
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Klötze hat viele schöne Ecken
  • Birgit Stephani
    VonBirgit Stephani
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Klötze – Die Stadt Klötze sucht derzeit nach neuen Ideen zur Nutzung des Altmarksaals. Mit einem Fragebogen, der von der Homepage der Stadt heruntergeladen werden kann, erhofft man sich, den Wünschen der Bevölkerung gerecht zu werden. Bislang allerdings mit wenig Erfolg, denn gerade mal zwei ausgefüllte Bögen sind bisher bei der Stadt eingegangen.

Das geringe Interesse mag vielleicht mit dem wenig ansprechenden Fragebogen zusammenhängen, der auf mehreren Seiten detaillierte Fragen bereithält. Vielleicht sind die Klötzer aber auch schlichtweg mit dem zufrieden, was sie vor Ort vorfinden. Die AZ wollte es genau wissen und hat nachgefragt.

Klötze ist schön, so wie es ist

„Klötze ist schön“, sind sich Jana und Frank Heinrich einig. Das Ehepaar wohnt seit acht Jahren in Klötze. Vorher haben sie in Stendal und Berlin gelebt. Aus familiären Gründen haben sie sich ganz bewusst für die beschauliche Purnitzstadt entschieden. „Als wir noch jünger waren, wollten wir etwas erleben. Das ist heute anders“, meint Frank Heinrich. Beide sind inzwischen „um die 50 Jahre alt“. Das Leben haben sie ausgekostet, haben – so sagen sie es selber – gerade in Berlin keine Party ausgelassen. Abends oder am Wochenende zu Hause zu sitzen, kam für sie nicht infrage. Heute genießen sie Haus und Garten, die Ruhe und den Luxus, dass man in Klötze nur wenig unternehmen kann. „Wenn uns doch mal nach kulturellen Veranstaltungen ist, fahren wir nach Wolfsburg oder Stendal“, sagen sie.

Zum Fragebogen haben sie eine klare Meinung: „Es ist gut, dass die Bürger mitreden dürfen. Allerdings ist es vielleicht der falsche Zeitpunkt“, vermutet Jana Heinrich. „Durch Corona hat sich das Leben verändert. Ich weiß nicht, ob es den Menschen im Moment besonders wichtig ist, sich Gedanken über den Saal zu machen.“ Ideen hätte sie persönlich genug. Vor allem mehr kulturelle Veranstaltungen hätte sie gerne vor Ort. „Das wird sich für die Künstler aber nicht lohnen“, vermutet sie. Grundsätzlich aber findet das Ehepaar: Klötze ist schön, so wie es ist.

Nichts wie weg aus der Einöde

Das sehen Finn und Jan ganz anders. Die beiden 14-Jährigen finden „Klötze total langweilig“, sind aber in der Purnitzstadt aufgewachsen – logisch, schließlich wohnen auch ihre Familien dort. Aber: „Wenn ich 18 bin, dann gehe ich nach Berlin“, sagt Finn, und Jan pflichtet ihm bei: „Nichts wie weg aus der Einöde. Für Jugendliche ist hier doch tote Hose und ohne fahrbaren Untersatz kommt man auch nicht weg.“ Der Altmarksaal interessiert die beiden Teenager übrigens gar nicht. „Was soll da stattfinden? Das sind alles Veranstaltungen für alte Leute“, sind sie sich einig. Und Finn fügt hinzu: „So wie meine Eltern. Die haben in Magdeburg gelebt und sind dann wegen uns Kindern wieder zurück nach Klötze gezogen. Na vielen Dank auch.“

Es ist nicht verwunderlich, dass Jugendliche wie Finn und Jan das Leben in der Provinz als eher langweilig ansehen. Diese Einstellung wird sich vermutlich irgendwann ändern und vielleicht kommen auch sie dann tatsächlich wieder zurück in die Heimat.

Manche verlassen Klötze nie

Nie weg waren Sieglinde und Herbert Gruber. Beide haben die 80 Jahre inzwischen überschritten und sagen: „Einen alten Baum, den verpflanzt man nicht.“ Beide sind in der Altmark geboren, sind dort zur Schule gegangen, haben sich kennengelernt und geheiratet, ein Haus gebaut und die Region nie verlassen. „Es ist doch schön hier“, findet Herbert Gruber. Ob er das in jüngeren Jahren auch so gesehen hat, kann er gar nicht mehr sagen. „Das waren andere Zeiten, als ich jung war. Wir hatten kein Auto, wir konnten nirgends so einfach hinfahren. Aber wir hatten auch gar nicht das Verlangen, immer unterwegs zu sein“, ist sich Sieglinde Gruber sicher. Sie meint, die Klötzer könnten sich glücklich schätzen, denn sie finden vor Ort alles, was sie brauchen. „Wir haben so viele Einkaufsmöglichkeiten, wir müssen nicht irgendwo hinfahren.“ Doch, was Veranstaltung und Aktivitäten angeht, ist sich das Ehepaar nicht ganz einig. „Ich brauch so was nicht, ich hab meinen Garten und meine Werkstatt“, sagt Herbert Gruber. Seine Frau sieht das etwas anders: „Ich würde schon gerne regelmäßig ins Theater oder zu anderen Veranstaltungen gehen.“

Zumindest für die ältere Generation gebe es nach Auffassung der beiden Rentner genug Gruppen und Vereine, denen man sich anschließen kann.

Für junge Familien ist Klötze ideal

„Klingt das doof, wenn ich mit gerade mal 28 Jahren sage, dass meine wilden Zeiten schon vorbei sind?“, lacht Dunja Zöllig. Inzwischen ist sie zweifache Mutter von vierjährigen Zwillingen. Und wenn sie an ihre Kinder denkt, ist sie froh, dass es in Klötze eher beschaulich zugeht. Wenn sie an später denkt, ist es ihr viel lieber, dass die beiden Jungs fernab einer Großstadt aufwachsen, die Natur kennenlernen und nicht mit den Problemen anderer Kinder konfrontiert werden. Die Gefahren durch den Straßenverkehr oder sogar Drogen, das alles sei in Klötze ihrer Meinung nach nicht das große Problem. Und im Moment gebe es für sie und ihre Familie genug direkt vor der Haustür, was das Leben angenehm mache. Als Beispiele nennt sie den Tierpark und auch das Waldbad sowie den Bienenlehrpfad. „Man kann hier genug unternehmen, ohne dass einem langweilig wird.“ Allerdings räumt sie auch ein, dass sie noch nie eine große Partygängerin gewesen sei. „Mir reicht das, was wir in Klötze haben.“ Nur eine Sache, die wünscht sie sich dann doch: mehr Einkaufsmöglichkeiten. „Wir haben genug Discounter. Dort bekommt man alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Aber ab und zu würde ich schon gerne bummeln gehen, und dafür gibt es einfach nicht die passenden Geschäfte in Klötze. Dafür fahre ich dann gerne mal nach Wolfsburg oder Magdeburg.“

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