Firma will auf Oebisfelder Schuldach Strom erzeugen / Klage über langsame Antragsbearbeitung

Schon wieder Baugerüste

+
Baugerüste am frisch sanierten Schulgebäude der Drömlingsfüchse. Ein Investor will eine Photovoltaikanlage installieren.

Oebisfelde. Da staunen die Oebisfelder nicht schlecht: Erst im vorigen Jahr ist das neue Gebäude der Drömlingsfüchse saniert worden, jetzt stehen wieder Gerüste an der Schule.

Die Ellwanger Firma Walter Konzept will auf 900 Quadratmetern Dachfläche insgesamt 416 Photovoltaikmodule installieren, um über den Klassenzimmern Strom zu erzeugen.

Im Juni hatte der Bau- und Vergabeausschuss der Stadt Oebisfelde-Weferlingen beschlossen, städtische Dächer zur Errichtung von Photovoltaikanlagen anzubieten. Das Schuldach ist eines von insgesamt zehn Projekten des Ellwanger Solarunternehmens auf städtischen Gebäuden. Walter Konzept zahlt dafür Pacht an die Stadt. Nach Auskunft des Unternehmens sind das sechs Prozent aus dem Ertrag der Anlagen, im Schnitt 16 Cent pro Kilowattstunde.

Bei insgesamt 5000 Quadratmetern Dachflächen und 2150 Modulen mit einem Gesamtstromertrag von 480 000 Kilowattstunden – das entspricht dem Strombedarf von 140 Haushalten – könnte die Kämmerin also rein rechnerisch Einnahmen von jährlich 28 800 Euro einplanen. Doch hier macht der Landkreis Börde Investor und Stadt einen Strich durch die Rechnung. Bei vier Gebäuden – Feuerwehr, Dorfgemeinschaftshaus Gutshof und Grundschule in Weferlingen sowie Dorfgemeinschaftshaus in Walbeck –macht die Behörde Denkmalschutzgründe geltend.

Wolfgang Walter, Mitinhaber des Solarunternehmens, beklagt die schleppende Bearbeitung der Bauanträge durch die Kreisverwaltung in Haldensleben. „In anderen Ländern sind Photovoltaikanlagen auf Hausdächern sogar genehmigungsfrei (in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, die Red.). Dass der Landkreis Monate braucht, eine Genehmigung auszusprechen, ist für uns total unerklärlich. Wir müssen ständig nachfragen.“ Den finanziellen Nachteil habe nicht nur Walter Konzept, sondern auch die Stadt: „Die Einspeisevergütung sinkt jeden Monat um 2,5 Prozent.“

Von zehn Bauanträgen mit dem Eingangsdatum 17. September seien bereits sechs Genehmigungen erteilt, berichtet Birgit Schulze, Sachgebietsleiterin der Bauverwaltung (Walter Konzept will den Antragseingang bereits am 27. August bestätigt bekommen haben). „Vier Bauanträge sind noch nicht abschließend beschieden, weil es da noch Abstimmungsbedarf mit dem Denkmalschutz gibt.“ Die Gebäude selbst sind nicht historisch, es geht um den Ensembleschutz. Zwei Monate Genehmigungszeit seien aber normal. Drei Dächer, auf dem Dorfgemeinschaftshaus Eschenrode, dem Dorf- und Wirtschaftsgebäude Hörsingen und der Sporthalle Walbeck, produzieren bereits Strom.

Ursprüngliche Pläne der Stadt, in die Solarstromproduktion einzusteigen, sind gescheitert, wie Bürgermeisterin Silke Wolf am Montagabend im Hauptausschuss berichtete: „Wir hätten den Strom gern selbst genutzt, aber wir haben die Genehmigung des Landesverwaltungsamts nicht erhalten.“ Der Ausschuss stimmte zu, das Dach des Oebisfelder Bauhofs an der Ludwig-Jahn-Straße als Ersatz anzubieten.

Mit der Firma aus Ellwangen gab es schon vorher Kontakte. Sie hat Solarparks auf den Mülldeponien Bösdorf, Loitsche und Vahldorf errichtet. Sie erzeugen auf fast 16 Hektar jährlich 9 533 582 Kilowattstunden Strom. Das entspricht dem Bedarf von 2383 Haushalten.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare