Analyse der Kita-Auslastung: Die ersten Eltern werden fahren müssen / Keine Einrichtung gefährdet

Schmerzgrenze ist bald erreicht

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Im Herbst freuten sich die Bösdorfer Kita-Kinder über den Anbau an die Einrichtung, die 2015 zu 100 Prozent, und damit am stärksten in der Einheitsgemeinde, ausgelastet war.

Oebisfelde / Weferlingen. So wie für Bauvorhaben soll es in Zukunft für die Investitionen in Kindertagesstätten eine Prioritätenliste geben. Diesen Wunsch hat Bürgermeisterin Silke Wolf an den Stadtrat und seine Ausschüsse gerichtet.

Der Finanz-, Schul- und Sozial- sowie der Hauptausschuss haben sich bereits mit dem Thema beschäftigt. Allen drei Ausschüssen lag eine Auflistung über die Auslastung der Kindereinrichtungen in der Einheitsgemeinde vor. „Und die ist sehr gut“, fasste Silke Wolf zusammen. Die vom Landkreis geforderten 75 Prozent Auslastung werden in allen Einrichtungen weit überschritten. „Es ist keine Einrichtung gefährdet“, erklärte die Bürgermeisterin mit Blick auf die Auslastung. Auch durch Zuzug von außerhalb gebe es derzeit eher das Problem von Engpässen, speziell im Krippenbereich. Deshalb arbeitet die Stadt mit sogenannten flexiblen Betriebserlaubnissen. Dabei können, je nach Bedarf, die Zahlen für den Krippenbereich etwas erhöht werden, wenn dafür weniger Kindergarten-Kinder betreut werden. „Es gibt keinen Grund, irgendwo etwas auszubauen“, betonte Silke Wolf im Hauptausschuss. Der Landkreis sei bei der Gestaltung der Betriebserlaubnisse sehr kooperativ, lobte sie. „Auch 2016 bleiben die Zahlen stabil“, betonte sie. Trotzdem könne es in einigen Orten in zwei oder drei Monaten der Fall sein, dass nicht mehr alle Kinder aus dem Ort in der örtlichen Einrichtung aufgenommen werden können. „Wir kommen jetzt an die Schmerzgrenze, dass die ersten Eltern fahren müssen“, so Silke Wolf. Im Sozialausschuss wurde das allerdings nicht so kritisch gesehen. Es sei durchaus zumutbar, innerhalb der Einheitsgemeinde in den Nachbarort zur Kinderbetreuung zu fahren, wurde argumentiert. Denn wer zum Beispiel in Magdeburg wohne, habe die Kita auch nicht um die Ecke und sei innerhalb der Stadt gerne mal eine halbe Stunde mit dem Auto unterwegs.

Prognosen für die Zukunft sind schwierig, erklärte die Bürgermeisterin in den Ausschüssen. Es zeichne sich jedoch ab, dass ab 2023 ein kritischer Punkt erreicht werden könnte. Zumal die Zahlen der fünften regionalisierten Bevölkerungsprognose, auf denen die Fördermittel des Landes fußen, von denen des Einwohnermeldeamtes der Stadt erheblich abweichen (wir berichteten).

„Wenn wir Fördermittel für eine Einrichtung bekommen wollen, müssen wir deren Bestand für 15 Jahre garantieren“, erläuterte Silke Wolf das Problem. Deshalb sollten Prioritäten gesetzt werden, begründete sie. So könnten für die Einrichtungen, die garantiert die 15-Jahres-Frist überstehen, größere Investitionen mit Förderung, beispielsweise wie bei den Schulen über das Programm Stark III beantragt werden. Bei kleineren Einrichtungen, deren Bestand nicht über 15 Jahre hinaus garantiert ist, würde sich die Stadt dagegen ausschließlich auf die Werterhaltung konzentrieren. „Der Trend der Kinderzahlen wird runtergehen, das steht fest“, erläuterte Silke Wolf. Das lasse sich schon anhand der Bevölkerungsprognose mit vielen älteren Einwohnern, aber wenigen jungen Frauen absehen. Nur wie weit die Kinderzahlen sinken, darüber gibt es noch keine konkreten Aussagen. „Fest steht, wir können nicht alle Einrichtungen mit 75 Prozent langfristig auslasten“, machte die Bürgermeisterin den Stadträten deutlich. „Aber ich sehe das nicht so schwarz, dass wir schon 2020 Einrichtungen schließen müssten“, beruhigte Silke Wolf.

Angela Leuschner, Vorsitzende des Sozialausschusses, bat darum, dass sich die einzelnen Fraktionen die Auslastungsgrade der Kitas und die Prognosen für die kommenden Jahre genau ansehen und daraus ihre Schlüsse ziehen, bevor die Prioritätenlisten erstellt werden.

Von Monika Schmidt

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