Schädlingsbefall im Keim ersticken

Revierförster Jürgen Friedrichs zeigte gestern in einem Lärchenbestand im Heidau totes Lärchenholz.Fotos (2): Lieske

Klötze - Von Peter Lieske. Die Ruhe nach dem Sturm Daisy am 26. März könnte die Ruhe vor dem nächsten Sturm werden. Allerdings machen sich die Förster in der Altmark weniger Sorgen um den nächsten Orkan, sondern vielmehr um den Ansturm eines Schädlings, und zwar des Lärchenborkenkäfers.

Vom Elm zog Daisy über die Altmark und hinterließ ihre Spuren. An verschiedenen Stellen in der südwestlichen Altmark fasste der Sturm heftig in die Waldbestände, berichtete gestern der Leiter des Betreuungsforstamtes Westliche Altmark, Helmut Jachalke. Stürme gab es immer, und somit auch Sturmschäden. „Aufräumen und neu bepflanzen, das ist nichts Unnormales“, sagte Helmut Jachalke. Viel Brennholz ist dabei. Und so hat sich so mancher Waldbesitzer gedacht, das Holz ruhig bis zum Herbst liegen zu lassen. Dann ist es schon ein wenig getrocknet und kann in aller Ruhe geworben werden.

Eine verständliche und nachvollziehbare Reaktion, allerdings tückisch, und zwar Bezug nehmend auf die Lärche. Durch den Sturm liegen Bäume kreuz und quer im Wald, das Aufräumen erweist sich daher als sehr schwierig. Oftmals mussten ein bis zwei Meter über der Wurzel stehen gelassen werden. Die Stammreste mit den halb entwurzelten Stümpfen wirken wie Kanonen. Diese Stammreste wie auch die Kronen, die nach dem ersten Aufräumen liegen bleiben, bilden die Gefahrenquelle. Sie sind ideale Brutstätten für den Lärchenborkenkäfer. Dieser bohrt Löcher in das tote bis fast tote Lärchenholz. Dort legt er seine Eier ab. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven, die sich dann durch das Holz fressen. Dabei zerstören sie den Saftstrom des Baumes. Die Folge: Der Baum trocknet aus.

Das besonders Gefährliche am Lärchenborkenkäfer: Er kann sich in Windeseile vermehren. Wird erst ein Käfer im Lärchenholz lokalisiert, ist es im Grunde schon zu spät. Der Käfer stößt ein Sekret ab, dessen Duft weitere Käfer folgen. Über diese Kommunikation wird das Holz in kurzer Zeit in großer Zahl befallen. Zwei bis drei Generationen können sich je nach Witterung herausbilden. Der eigentliche Schaden wird aber erst im darauf folgenden Jahr sichtbar.

Der Forstamtsleiter macht deutlich, dass es nicht um das bereits umgeworfene Holz geht. Vielmehr dient das Totholz als Anziehungspunkt für den Forstschädling, der von dort aus auf die gesunden Lärchen übergreift. „Wir wollen die gesunden Bäume erhalten“, machte Helmut Jachalke das Ziel der Förster deutlich.

Sobald aber auch die gesunden Bäume befallen sind, entsteht eine Kettenreaktion, die fatale Folgen haben kann. Ganze Lärchenbestände können ihm zum Opfer fallen.

In irgendeiner Weise ist seit dem Sturm Daisy jeder Lärchenbestand von Oebisfelde bis Salzwedel betroffen. Und seien es nur zwei Bäume, die umgefallen sind. Dieses Totholz genügt bereits als Ausgangspunkt für den Befall des Lärchenborkenkäfers.

Die beste Bekämpfung ist die Verhinderung des Befalls. Das bedeutet: Die Quelle des Schädlingbefalls muss beseitigt werden. Und das wiederum bedeutet: Das tote Lärchenholz muss komplett aus den Beständen verschwinden. Nur so kann ein Befall des Schädlings vermieden werden.

Helmut Jachalke appelliert an alle Waldbesitzer, sich dem Kampf gegen den Lärchenborkenkäfer zu stellen und zu handeln. Waldbesitzer, die in Forstbetriebsgemeinschaften organisiert sind, können sich an die Revierförster wenden, um gemeinsam notwendige Maßnahmen zu besprechen.

Das wirkungsvollste Mittel ist, das tote Lärchenholz komplett aus dem Wald zu schaffen. Am besten aber ist, das Holz zu entrinden. Ohne Rinde wird der Baum saft- und kraftlos. Die Folge: Dem Lärchenborkenkäfer wird die Existenzgrundlage genommen. Er vertrocknet. Jeder kühle und nasse Tag ist derzeit ein Gewinn im Kampf gegen den Schädling. Sobald es aber warm und trocken wird, ist die Stunde des Lärchenborkenkäfers gekommen. Seine Brutstätten sorgen für Massenvermehrungen und damit für das Aus ganzer Lärchenbestände.

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