Verhandlungen über Gebäudenutzung

SB-Betrieb wird eingestellt: Volksbank in Kusey schließt ganz

Nur noch bis zum Jahresende können die Kuseyer Kunden mit dem Rad zur Volksbank fahren. Das SB-Angebot wird aufgegeben, mit dem Rad bis Klötze ist es den meist älteren Kunden zu weit.
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Nur noch bis zum Jahresende können die Kuseyer Kunden mit dem Rad zur Volksbank fahren. Das SB-Angebot wird aufgegeben, mit dem Rad bis Klötze ist es den meist älteren Kunden zu weit.

Kusey – Die Kunden der Volksbank in Kusey sind schlichtweg empört. Sie haben in diesen Tagen Post von der Volksbank Südheide-Isenhagener Land-Altmark (Sila) erhalten, dass die Filiale in Kusey zum Jahresende komplett geschlossen wird.

Schon vor einem Jahr, im August 2019, schlugen die Wellen der Empörung hoch, als das Unternehmen ankündigte, die Mitarbeiter aus Kusey abzuziehen und auf SB-Betrieb umzustellen. Wenigstens Kontoauszüge und Geld konnten die Kunden in Kusey noch aus den Automaten bekommen. Doch schon wer nur Überweisungsträger abgeben wollte, musste sich auf den Weg nach Klötze machen.

Einer, der sich über das Schreiben richtig ärgert, ist Dietmar Wille aus Kusey. „Ich finde das unmöglich“, sagt er. „Das ist eine Frechheit“, schimpft er. Am liebsten würde er sein Konto kündigen. Nur Alternativen gibt es in Kusey nicht, denn auch eine Sparkassen-Filiale gibt es in dem Ort nicht mehr.

Die Volksbank führt betriebswirtschaftliche Gründe für die Schließung an. Laufend würden die althergebrachten Strukturen und Kosten überprüft. „Vor diesem Hintergrund sehen wir uns gezwungen, das SB-Angebot zum 31. Dezember 2020 nicht weiter fortzuführen“, teilt der Vorstand mit. Es werde aber versucht, mit einem gewerblichen Kunden eine Alternativlösung für die Bargeldversorgung vor Ort zu präsentieren.

Bargeld im Geschäft

Denn während der Corona-Zeiten wurde festgestellt, dass die Nutzung von Geldautomaten rückläufig ist. Die Kunden nutzten verstärkt die Möglichkeiten, sich Geld an der Kasse auszahlen zu lassen oder bargeldlos zu zahlen. „Wir führen Gespräche mit dem Einzelhandel“, informiert Olaf Genth, Pressesprecher der Volksbank Sila, auf AZ-Anfrage.

Die Möglichkeit, sich beim Einkaufen im Einzelhandel gleich auch etwas Bargeld auszahlen zu lassen, werde bereits von vielen Kunden genutzt. Auch die Einzelhändler freuen sich über die Variante, da sie dann nicht so viel Bargeld in der Kasse haben. „Das ist auch für kleine Anbieter spannend, deshalb bemühen wir uns um diese Lösung“, erklärt er. Entschieden sei aber noch nichts. Die Bank würde sich über Vorschläge von Kunden, welche Geschäfte dafür in Kusey genutzt werden könnten, freuen, betont der Pressesprecher.

Als weitere Alternativen für persönliche Beratung wird auf die aufgebaute Telefonfiliale sowie die App verwiesen. Außerdem bietet die Volksbank Sila den Kunden die Möglichkeit von Hausbesuchen an, die schon jetzt zunehmend genutzt werden. Vor allem die eigene Telefonfiliale, die die Bank vor eineinhalb Jahren mit 13 eigenen Mitarbeitern gestartet hat, wird viel genutzt. „Die wickeln alles ab“, informiert der Pressesprecher. Der Trend gehe ohnehin dahin, „Bankgeschäfte zu machen, ohne das Haus zu verlassen“, betont Olaf Genth. Wer dabei seinem Berater ins Gesicht gucken möchte, kann auch die Videoberatung nutzen.

Immobilie nachnutzen

Die Umstellung auf SB vor einem Jahr hat den Kundenstamm der Volksbank nicht groß verändert. Es haben weiterhin etwa 800 Kunden aus dem Bereich Kusey ihr Konto dort. Weitere Veränderungen an der Geschäftsstruktur der Volksbank Sila sind derzeit nicht geplant. „Wir stellen uns jetzt einmal vernünftig für die Zukunft auf“, betont Olaf Genth. Dennoch werde natürlich weiterhin jedes Jahr die Betriebswirtschaftlichkeit der Geschäftsstellen überprüft. Da Klötze aber die einzige Geschäftsstelle in der Region ist, wird sie vermutlich weiterhin der Anlaufpunkt für die Kunden bleiben.

Für das Gebäude in Kusey wird noch nach einer Nachnutzung gesucht. „Es laufen Gespräche, aber es gibt noch nichts Konkretes“, informiert Olaf Genth abschließend. Leer stehen soll das Gebäude aber auf jeden Fall nicht. VON MONIKA SCHMIDT

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