Glühweintreffen des BUND vor der Kunrauer Badeanstalt als Protest gegen die geplante Schweinemastanlage

„Resolution ist ein Muster ohne Wert“

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Günter Zogbaum betrachtet die neuen Antragsunterlagen als „Beleidigung des gesunden Menschenverstandes“.

Kunrau. Zum zweiten Glühweintreffen hatte die Kunrauer BUND-Ortsgruppe am Sonnabend vor die Badeanstalt eingeladen. „Dass wir hier wieder stehen können, zeugt von unserem Erfolg“, erinnerte Günter Zogbaum, einer der Sprecher der BI „Pro Schwimmbad – contra industrielle Mast“.

Denn nach dem Willen der Bentheimer Investoren sollte die geplante Anlage längst stehen und seit Oktober 2011 in Betrieb sein. Mit so starkem und organisiertem Protest der Einwohner hatten die Investoren wohl nicht gerechnet. Die BI wurde aktiv und half den empörten Bürgern beim Formulieren von Einwendungen gegen das Vorhaben. „Diese waren von solcher Qualität, dass sich die Antragsteller vor dem Erörterungstermin drückten“, bilanzierte Günter Zogbaum. Der Antrag wurde zurückgezogen, seit 30. August liegt ein neuer Antrag vor. Auch den haben sich die Mitglieder der Kunrauer BUND-Ortsgruppe Blatt für Blatt angesehen und mit dem alten Antrag verglichen. Sie stießen auf Ungereimtheiten: eine vordatierte Vollmacht, falsche Berechnungen, veraltetes Kartenmaterial und vieles mehr. „Die Investoren entwickeln ein beachtliches Talent, ihr Vorhaben schönzurechnen, schädliche Auswirkungen auf Nachbarschaft und Umwelt systematisch zu unterschätzen oder ganz zu übersehen“, fasste Günter Zogbaum zusammen und stellte fest: Die Unterlagen seien „eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes. “ In ihrer jetzigen Form könnten die Unterlagen nicht zur Erörterung gestellt werden, weil sie dieser nicht standhalten würden, ist sich die BUND-Ortsgruppe sicher.

Aktive Unterstützung aus der Politik gibt es für die BUND-Ortsgruppe wenig, stellte Günter Zogbaum fest. Einzig die Grünen-Bundestagsabgeordnete Udine Kurth setzte sich für die Kunrauer ein und kam auch zum Treffen am Sonnabend. Dass der Stadtrat auf Antrag der SPD-Fraktion eine Resolution beschlossen hatte, „erwies sich leider als völlig wirkungslos.“ Auch für den zweiten Antrag habe Bürgermeister Matthias Mann „im Alleingang“ das gemeindliche Einvernehmen hergestellt. „Die Resolution des Stadtrates interessierte ihn nicht. Sie ist ein Muster ohne Wert, die Stadträte werden am Nasenring durch die Manege geführt wie Zirkusbären“, so Günter Zogbaum.

Undine Kurth versicherte den Kunrauern ihre Unterstützung. In einer kleinen Anfrage an den Landtag hatten sich die Bündnisgrünen bereits mit der Genehmigungspraxis für Mastanlagen auseinander gesetzt. Außerdem hatte die Bundestagsabgeordnete in der vergangenen Woche einen Brief an den Präsidenten des Landesverwaltungsamtes, Thomas Pleye, geschrieben, um sich nach dem Stand des Verfahrens zu erkundigen. Eine Antwort hatte sie noch nicht. „Ohne Ihr Engagement wären diese Dinge klammheimlich durchgegangen“, lobte Undine Kurth die Wachsamkeit und das Engagement der Kunrauer. Industrielle Mastanlagen „vernichten Arbeitsplätze, schaffen keine neuen und machen die Orte und die Umwelt kaputt“, fasst die Bundestagsabgeordnete zusammen, warum sie gegen Mastanlagen ist. „Sie sind alles andere als verträglich für die Umwelt und sind Tierquälerei“, sagte Undine Kurth. Die Kunrauer könnten sich sicher sein, dass sie sowohl in ihrer politischen Funktion als auch als Mitglied des BUND-Vorstandes in Sachsen-Anhalt den Kampf gegen die Schweinemast unterstützen werde. Undine Kurth wünschte sich, dass die Bürger noch stärker einbezogen werden in solche Verfahren. „Denn sie sind die besten Anwälte in eigener Sache“, sagte sie und ermutigte die Kunrauer BUND-Ortsgruppenmitglieder, an ihrem Protest festzuhalten.

Von Monika Schmidt

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