Umstellung auf die doppelte Buchführung: Verwaltung schreibt Schulen und Straßen ab

Rathaus rechnet jetzt anders

„Der Weg, den der Euro nimmt, ist ein anderer“: Hauptamtsleiter Christian Hinze-Riechers und Kämmerin Elke Oelze haben zum Jahreswechsel die Klötzer Kämmerei auf die kaufmännische Haushaltsführung umgestellt. Foto: Sternitzke

Klötze. Acht Kindertagesstätten, drei Grundschulen, ein Hort, vier Sporthallen – wenn Christian Hinze-Riechers anfängt aufzuzählen, was alles zum Vermögen der Stadt Klötze gehört, dann kommt eine ganze Menge zusammen.

Etwa auch alle Straßen und Plätze der Einheitsgemeinde, die Fahrzeuge des Bauhofs, die Feuerwehrgerätehäuser und natürlich das Rathaus. Im Moment sind der Hauptamtsleiter und seine Mitarbeiter dabei, dieses Vermögen der Stadt auf Euro und Cent genau zu berechnen.

Denn die auf dieser Grundlage zu erstellende Eröffnungsbilanz ist ein wichtiger Teil der doppelten Haushaltsführung, der sogenannten Doppik („Doppelte Buchführung in Konten“). Ohne dass es jemand gemerkt hätte, rechnet die Stadtverwaltung seit dem Jahreswechsel doppisch. Auch Salzwedel und Arendsee stellen um, Beetzendorf-Diesdorf, Gardelegen und Kalbe machen von der einjährigen Übergangsfrist Gebrauch.

Vorbild für die den Kommunen vom Land verordnete Doppik ist die kaufmännische, doppelte Buchführung. Wesentliche Neuerung: Zukünftig wird der Wertverlust, die sogenannte Abschreibung, von Schulen und Straßen berücksichtigt. „Dafür wurde in den öffentlichen Haushalten bisher keine Rückstellung gebildet. Das ist auch ein Stück Generationengerechtigkeit“, findet Hinze-Riechers.

Wird jedes Jahr ein entsprechender Geldbetrag dafür zurückgelegt, dass Wände bröckeln, Fenster modern und Dächer undicht werden, wäre theoretisch genügend Kapital vorhanden, wenn irgendwann einmal etwa eine Schule neu gebaut werden sollte. In solchen Fällen musste bislang meistens ein Kredit aufgenommen werden. „Über die Abschreibung finanziert man die Neuanschaffung“, fasst Hinze-Riechers zusammen.

Andererseits haben Bürgermeister und Stadträte in der Haushaltssitzung im März vermutlich weniger Spielraum, weil nun die Abschreibungen auf der Ausgabenseite berücksichtigt werden müssen. Allerdings lebt die Kommune im Vergleich zu anderen komfortabel: „Wir haben seit zehn Jahren keine Kredite aufgenommen“, sagt Hinze-Riechers nicht ohne Stolz.

Bereits seit über drei Jahren bereitet sich Kämmerin Elke Oelze mit ihren Kollegen auf die Umstellung des Rechnungssystems vor und hat sich das nötige Wissen angeeignet. Denn die Zahlenkolonnen des jährlichen Haushalts werden ab diesem Jahr ganz neu sortiert. Gab es in der althergebrachten, der sogenannten kameralen Rechnungsweise nur Vermögenshaushalt (Investitionen) und Verwaltungshaushalt (die laufenden Ausgaben vom Strom bis zum Personal), so verteilen sich die Zahlen jetzt auf Bilanz, Ergebnis- und Finanzplan.

„Die Bilanz ist das Vermögen, das Eigenkapital. Der Ergebnisplan enthält Aufwand und Ertrag und der Finanzplan alle Investitionen“, erläutert Elke Oelze. Wobei Ergebnisplan und Finanzplan frappierend dem bisherigen Verwaltungs- und Vermögenshaushalt ähneln.

Dabei werden sich die Ratsmitglieder aber an einen wichtigen neuen Begriff gewöhnen müssen: die Produkte. 38 davon gibt es. Die Idee dahinter ist, im Haushalt alle Einnahmen und Kosten zu einer Dienstleistung, beispielsweise der Betreuung im Kindergarten, zusammenzufassen, damit Verwaltung und Stadträte Klarheit über die wahren Kosten erhalten. „Wir haben schon immer alle Kosten zusammengefasst“, schränkt Hinze-Riechers ein. Außerdem wurden aus Gründen der Vereinfachung in der kleinen Klötzer Verwaltung Produktgruppen zusammengefasst. Unter dem Punkt Ordnung und Sicherheit etwa die Wohnungsanmeldung genauso wie die Kontrolle des Martinimarkts. Auch Kindertagesstätten, Schulen und Freibäder wurden zu einem Produkt zusammengefasst.

„Der erste Einstieg hat gut geklappt“, fasst Elke Oelze die Erfahrungen zusammen. Für die Verwaltung ist die Umstellung mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden, die ohne zusätzliche Mitarbeiter geleistet wird, aber Hinze-Riechers nimmt die „von oben“ verordnete Neuerung pragmatisch: „Nur der Weg, den der Euro nimmt, ist ein anderer.“

Von Gerhard Sternitzke

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