Wolfssichtungen um Klötzer Forst nehmen zu / Wegwarth: „Mindestens drei Tiere“

„Rasante Entwicklung“

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Mindestens ein Pärchen und ein Einzeltier – von diesem Wolfsbestand kann nach den Sichtmeldungen der zurückliegenden Wochen rund um den Klötzer Forst ausgegangen werden.

Klötze. Seitdem es Ende Oktober den ersten handfesten Nachweis des Wolfes im Klötzer Forst gab (AZ berichtete), haben die Sichtungen von Isegrim in der Region deutlich zugenommen. Fast wöchentlich trudeln neue Meldungen bei Eckhard Wegwarth ein.

„Man kann schon von einer rasanten Entwicklung sprechen. Gerade heute morgen kam die nächste Meldung“, sagte der Klötzer – seit Frühjahr 2014 neben Joachim Klabis aus Trippigleben Wolfsbeauftrager der Klötzer Jägerschaft – gestern im Gespräch mit der AZ.

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Vor allem die Mitteilungen von Jägern nach der großen Ansitzdrückjagd im Klötzer Forst am 11. Dezember (siehe Infokasten) waren aufschlussreich. „Demnach müssen in den zurückliegenden Wochen mindestens drei Wölfe – ein Pärchen und ein Einzeltier – rund um den Klötzer Forst unterwegs gewesen sein“, schließt Wegwarth aus den fast gleichzeitigen Beobachtungen an zwei weit voneinander entfernten Orten.

Spekulationen, dass sich die Wölfe nach den beiden großen Ansitzdrückjagden im Landeswald aus der Region zurückziehen würden, bestätigten sich indes nicht. Denn auch für Januar liegen bereits eine Reihe von Meldungen vor. „Und ich gehe davon aus, dass die wenigsten Sichtungen tatsächlich auch gemeldet werden“, so Wegwarth. Die regelmäßigen Beobachtungen ließen den Schluss zu, dass das Wolfspaar gerade dabei sei, sich bei Klötze häuslich einzurichten. Die Bedingungen sind nicht die schlechtesten – viel Wald, Wild und dazu Freiflächen.

„Möglicherweise gibt es im Frühjahr bereits den ersten Wolfsnachwuchs“, sagt der Klötzer. Dass sich in der Folge weitere Wolfspaare bei Klötze ansiedeln werden, sei jedoch unwahrscheinlich. „Ein Pärchen beansprucht 200 bis 300 Quadratkilometer“, weiß Wegwarth aus der Literatur. Zahlreiche Wolfs-Beobachtungen aus den Bereichen Schwiesau und Jemmeritz, die nicht zum Bearbeitungsgebiet der beiden Klötzer Wolfsbeauftragen gehören, seien mit hoher Sicherheit auf die selben Tiere, die auch rund um Klötze umherstreifen, zurückzuführen.

Wie soll man sich richtig verhalten, wenn man in der Natur auf einen Wolf trifft, wollte die AZ vom Klötzer wissen. „Am besten Ruhe bewahren und abwarten bis das Tier weitergezogen ist“, rät Wegwarth davon ab, in Panik zu geraten oder gar dem Tier zu folgen. Übergriffe des Wolfes auf Menschen seien aus Deutschland zwar keine bekannt, bei den eingegangenen Meldungen sei aber immer wieder auffällig gewesen, dass die hiesigen Wölfe keine ausgesprochene Scheu vor dem Menschen an den Tag legten. „Eine Autofahrerin auf der Schwiesauer Chaussee hat einen Wolf angehupt, von dem sie dann aus dem Straßengraben heraus beobachtet wurde“, berichtet Wegwarth, der die Gefahr für freilaufende Hunde jedoch als weitaus größer einschätzt. Den Wolf als gefährliches Raubtier zu bezeichnen, sei nicht richtig, ihn komplett zu verharmlosen allerdings auch nicht. „Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen“, ist der Wolfsbeauftrage überzeugt.

Dass es, auch um die natürliche Scheu vor dem Menschen zu fördern, zwar nicht bald, aber doch irgendwann eine sanfte Bejagung des Wolfes geben wird, hält Eckhard Wegwarth für durchaus möglich.

Von Matthias Mittank

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