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Quarnebeck gewinnt Silber in Europa

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Von: Monika Schmidt

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Schilder mit Bienenbildern
In Vorbereitung auf den Besuch der Kommission wurden die Bienenschilder für die Blühwiesen überarbeitet. © Privat

Mit Silber wird der altmärkische Ort Quarnebeck beim Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet. Das 176-Seelen-Dorf trat als Vertreter Sachsen-Anhalts auf der europäischen Bühne an.

Quarnebeck – Die nächste Reise steht für die Quarnebecker vor der Tür. Nachdem sie bereits in Magdeburg und Berlin waren, um Preise für die Dorfwettbewerbe entgegenzunehmen, ist die nächste Station das Hofheimer Land in Bayern. Dort wird im Mai 2023 der Europäische Dorferneuerungspreis im Rahmen einer mehrtägigen Veranstaltung mit Exkursionen, Ausstellungen, kulturellen Begegnungen und einem großen europäischen Fest verliehen – und das kleine Dorf aus der Altmark mit seinen 176 Einwohnern und 54 Häusern ist dabei. Am 14. Dezember wurden die Preisträger bekannt gegeben: Quarnebeck wird mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. „Das ist geil“, freut sich Ortsbürgermeister und Arbeitsgruppenvorsitzender Marco Wille. Im Oktober war die Jury – wenn auch aus verschiedenen Gründen nur in sehr dünner Besetzung – in Quarnebeck zu Gast und nahm viele Eindrücke mit, wie die Quarnebecker als Vertreter Sachsen-Anhalts das Motto „Brücken bauen“ umgesetzt haben. „Quarnebeck stemmt sich als kleines Dorf in der dünn besiedelten Altmark beeindruckend gegen Abwanderung, Überalterung und Ohnmacht“, heißt es in der Begründung. Das Dorf agiert als große Gemeinschaft, die eigene Ressourcen vollumfänglich und nachhaltig nutzt und „mit dem Lebensmodell aus Mehrgenerationenhilfe und Willkommenskultur attraktiv für Neue und Neues ist“. Darauf ist auch der Ortsbürgermeister stolz. „Vieles wird klug, mit wenigen Mitteln und viel Engagement betrieben“, hatte er der Jury schon beim Rundgang durch das Dorf im Oktober gezeigt. Öffentliche W-Lan-Spots, die Ecken mit ihren Klönbänken, PV-Anlagen auf den Dächern und eine energieautarke Beheizung dank Hackschnitzeln sind selbstverständlich für das Dorf. Kurze Wege werden mit Rad, lange Wege mit dem Rufbus erledigt. Ein Leuchtturmprojekt ist das Festival „RoQ keeps Equaltiy“, mit dem die Junge Gemeinschaft Altmark schon beim Bundeswettbewerb einen Sonderpreis gewinnen konnte. Als Teil des Biosphärenreservates legen die Quarnebecker auch viel Wert auf die Natur: Es gibt Blühstreifen für Bienen, die Geburtenwiese, in der für jedes Neugeborene eine alte Obstsorte gepflanzt wird, mehrere Insektenhotels und den Eulenturm als Quartier für geschützte Vogelarten. Die Dorfgemeinschaft wird mit gemeinschaftlichen Kulturfahrten gestärkt und auch das Dorfgemeinschaftshaus im Ort wird rege genutzt und trägt sich dadurch selbst. Alles Argumente, die die Jury offensichtlich überzeugt haben. Sie bescheinigt allen 21 Teilnehmern an dem Europäischen Dorferneuerungspreis ein „außergewöhnlich hohes Niveau“ in ihren Beiträgen. Beim Siegerort Stadtschlaining aus dem Burgenland in Österreich würdigte die Jury vor allem den Umgang eines friedlichen und wertschätzenden Miteinanders. Der Ort besticht durch Sozialprojekte und den vorbildlichen Umgang mit historischer Bausubstanz. Aber auch für die weiteren Teilnehmer werden viele lobende Worte gefunden. „Es wurden aus den verschiedenen Ländern überhaupt nur noch absolut herausragende Top-Projekte für den Preis eingereicht“, fasst die 20-köpfige Jury, die in München tagte, zusammen. Für Marco Wille und seine Mitstreiter ist die Auszeichnung mit Silber ein „gelungener Abschluss des Jahres und ein verdienter Lohn für unsere ganzen Mühen“.

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