„Ich dementiere das“

PUG-Vorstandsvorsitzende verweist Schließung der Kuseyer Filiale ins Reich der Gerüchte

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Nach Informationen der Altmark-Zeitung schließt die PUG-Verkaufsstelle in Kusey zum 31. Januar ihre Türen. Der PUG-Vorstand dementiert dies als Gerüchte. Doch auch im Klötzer Stadtrat wurde schon über das Thema gesprochen.

Kusey. Die Gerüchteküche in Kusey brodelt. Die PUG-Verkaufsstelle an der Ortsdurchfahrt soll zum 31. Januar 2019 ihre Türen schließen. Die Kunden wurden bereits informiert und auch bei der jüngsten Stadtratssitzung in Klötze wurde das Thema diskutiert.

Dabei hatte im Sommer Renate Wißwedel, die frühere Grundschulleiterin, in einem flammenden Leserbrief auf die Bedeutung dieser Einkaufsmöglichkeit in der AZ hingewiesen. Denn die Mitarbeiterinnen bieten ihren Kunden nicht nur einen frischen Snack fürs Mittagessen an, sondern haben auch ein Herz für die Bücherfreunde. So gibt es im Eingangsbereich einen Büchertisch, von dem sich jeder bedienen darf, um sich mit Lesefutter zu versorgen.

Nicht nur das ist ein Grund, warum viele Kuseyer, aber auch Vorbeifahrende, am Markt einen kurzen Stopp einlegen, um sich mit Lebensmitteln und anderen Dingen einzudecken.

Wolfgang Mosel sorgt sich.

Obwohl die Schließung nach Recherchen der Altmark-Zeitung beschlossene Sache ist, mauert der PUG-Vorstand. „Das stimmt nicht, das ist ein Gerücht“, sagt Helga Schulz, gemeinsam mit Anja Maaß Vorstandsvorsitzende der PUG-Kauf in Salzwedel, auf die AZ-Anfrage, dass zum 31. Januar in Kusey Schluss ist. „Ich dementiere das“, betont sie weiter. Trotz mehrfacher Nachfrage wollte die Vorstandsvorsitzende keine weitere Erklärung zu dem Thema abgeben. „Ich möchte dazu nichts weiter sagen“, beendet sie das Telefongespräch mit der AZ. Die PUG-Kauf eG gehört zur Edeka-Kette und hat nach der Wende vor allem im ländlichen Raum der Altmark die früheren Konsumgeschäfte übernommen. In den zurückliegenden Jahren wurde zahlreiche der kleinen Einkaufsmärkte aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Im Altkreis Klötze gibt noch PUG-Märkte in Kunrau und eben den in Kusey.

In Kusey gehört nach Informationen der AZ auch die Immobilie der PUG-Kauf. Sie würde, wenn sich die von der Geschäftsführung dementierten Gerüchte bewahrheiten, vermutlich leer stehen.

Als einer, der sich mit der Entscheidung zur Schließung des Marktes überhaupt nicht anfreunden kann, meldete sich Wolfgang Mosel bei der AZ. Der Kommunalpolitiker aus Kusey sitzt für die Linken im Ortschaftsrat, im Stadtrat und im Kreistag. „Ich befürchte einen Dominoeffekt auch für die anderen Geschäfte“, sorgt sich Wolfgang Mosel. Denn in Kusey sind bislang die Einkaufsmöglichkeiten an der Klötzer Straße mit dem Einkaufsmarkt, dem Getränkemarkt, Bäcker, Fleischer, Blumenladen und Volksbank sehr gut. Das wird auch von vielen Älteren, nicht nur aus Kusey, gerne genutzt. Besonders im Sommer sieht man vielfach auf dem Radweg nach Neuferchau Senioren aus dem Nachbarort mit gefüllten Einkaufstaschen am Lenker aus Kusey zurückfahren.

Und auch die Kuseyer selbst nutzen die Möglichkeit, im Ort eigenständig einkaufen zu können. Gerade für die Älteren, die kein Auto haben, bietet der Einkaufsmarkt ein Stück Lebensqualität, die sie auch mit dem Rollator und Stock noch selbstständig auf kurzem Weg erreichen können. „Wir waren immer stolz auf unsere Kaufhalle“, erinnert sich Wolfgang Mosel. Vor etwas mehr als 30 Jahren legten die Kuseyer selbst mit Hand an, um das Gebäude entstehen zu lassen. Die Immobilie wurde von der Konsumgesellschaft gekauft und 1992 eröffnet. „Es war die modernste Filiale in der Region“, erklärt der Kuseyer Kommunalpolitiker. Für ihn ist die Einkaufsmeile in Kusey auch eine gute Möglichkeit, mit den Bürgern in Kontakt zu treten, sich über Sorgen und Probleme zu informieren. So dauert ein eigentlich kurzer Einkauf schon mal eine Stunde.

Von Monika Schmidt und Henning Lehmann

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