Isegrim ist offenbar zu zweit im Klötzer Forst unterwegs / Rissfund am Brunftplatz, Sichtung bei Quarnebeck

„Zu 99 Prozent war es ein Wolf“

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Der Wolf zieht allem Anschein nach im Klötzer Forst seine Spur: Auf einem Brunftplatz hinterließ er Skelett-reste seiner Beute sowie frische Losung. Der Kot wird nun genetisch untersucht. 

Klötze. Vermutungen gab es im Altkreis Klötze schon lange, doch nun scheint es Gewissheit zu sein: Canis lupus, der Wolf, zieht seine Spur rund um den Klötzer Forst.

Nachdem Eckhard Wegwarth, seit dem Frühjahr Wolfsbeauftragter der Klötzer Jägerschaft, nach dem Fund von toten Rehen in Steimke und Immekath zweimal Entwarnung geben konnte, gibt es nun wohl die ersten handfesten Beweise für die Anwesenheit von Isegrim. „Zu 99 Prozent“, schränkt Wegwarth ein. Denn die Ergebnisse der genetischen Untersuchung von eingesandten Proben stehen noch aus. Gleich dreimal wurde der Klötzer Weidmann in den zurückliegenden Wochen in Sachen Wolf kontaktiert.

Der erste Fall: Montag, 27. Oktober, im südlichen Klötzer Forst – der Klötzer Horst Kamieth begibt sich in aller Früh mit einem Jagdgast auf Damhirsch-Jagd. Doch am angestammten Brunftplatz, auf dem sich zum Höhepunkt der Paarungszeit eigentlich das Wild nur so tummeln müsste, herrscht Totenstille. Mit dem Hellwerden folgen die beiden Jäger den nun ertönenden Rufen der Kolkraben. Ganz in der Nähe finden sie schließlich die skelettierten Überreste eines ausgewachsenen weiblichen Stück Damwildes. „Anhand dieser Reste lässt sich natürlich kein Wolf nachweisen – in der Zwischenzeit waren mit Sicherheit bereits andere Räuber wie Fuchs oder Dachs am Kadaver“, erläutert Wegwarth. So war es weder möglich, Spuren wie den für Wölfe typischen Kehlbiss zu erkennen noch genetische Proben zu nehmen. Für diese dürfe der Kadaver nicht älter als drei Tage sein, weiß der Experte. Doch Isegrim war offenbar noch einmal zurückgekehrt und hatte auf einem Baumstamm neben den Skelettresten einen Kothaufen, auch Losung genannt, hinterlassen. „Die war ganz frisch“, so der Wolfsbeauftragte.

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Mit Hilfe von Wildbiologin Antje Weber aus Jeggau wurden Proben genommen und diese an das Landesumweltamt geschickt. Die genetische Untersuchung, aus der unter anderem abgelesen werden könne, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt und woher dieser stammt, steht allerdings noch aus. Bis zu einem Vierteljahr kann ins Land gehen, bevor Wegwarth die Analyse-Ergebnisse erhält. Der Jäger ist sich aber nahezu sicher, dass es ein Wolf war, zumal fast gleichzeitig zum Fund der Damwild-Reste ein Forstarbeiter nicht weit entfernt für einige Sekunden einen Wolf beobachten konnte.

Nächster Fall: Sonntag, 2. November südlich des Klötzer Forstes – ein Jäger aus Quarnebeck beobachtet gegen 7.30 Uhr bei schon besten Lichtverhältnissen fünf Minuten lang an der Grenze zwischen Quarnebeck und Jeggau zwei Wölfe über einen Acker ziehen. An einem Maisschlag bleibt einer der beiden Räuber am Rande stehen während der andere im Mais verschwindet und kurz darauf ein Reh heraustreibt. Dieses kann sich retten, nach gut 100 Metern lassen die Wölfe an einem Graben von ihrer Beute ab und verschwinden danach in Richtung Landesforst.

Dritter Fall: Dienstag, 11. November, vormittags in der Nähe der L 19 im Klötzer Forst bei Schwiesau – ein Jäger sieht auf einem Forstweg einen Wolf. Dieser fixiert das stoppende Auto für 20 Sekunden und verschwindet schließlich in einer Buchenverjüngung. Nur kurz darauf, gegen 9.40 Uhr, scheppert es auf der Landesstraße: Ein Damhirsch wurde zu einer unüblichen Zeit von einem Pkw angefahren. „Möglicherweise war der Hirsch auf der Flucht vor dem Wolf“, mutmaßt Wegwarth, der ähnliche Fälle kennt. So hatte es in den zurückliegenden Wochen in diesem Bereich der L19 bereits drei Wildschweine, ebenfalls alle tagsüber, auf der Straße erwischt.

Um detailliertere Aussagen zum Vorkommen des Wolfes im Altkreis Klötze treffen zu können, bittet der Wolfsbeauftragte alle Sichtungen sowie mögliche Riss- und Kotfunde zu melden. Ganz wichtig sei es dabei, so Wegwarth, nichts am „Tatort“ zu verändern.

Von Matthias Mittank

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