Sachverständiger Dr. Gerhard Schnüber berät unsichere Sammler

Pilze im Stehen sammeln

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Essbar: Der Leberpilz wächst meistens an Eichen, weiß Pilzsachverständiger Dr. Gerhard Schnüber.

Zartau. Sie wachsen in der Waldeinsamkeit, aber gestern warteten sie, appetitlich auf Moos drapiert, auf neugierige Besucher: Etwa 30 verschiedene Pilzarten, sieben davon essbar, hatte Dr. Gerhard Schnüber zum Waldtag am Forsthaus Zartau mitgebracht.

Dort informierte der Pilzsachverständige aus Klötze zusammen mit Ehefrau Margot über die Vielfalt der Schattengewächse und seine ehrenamtliche Arbeit.

„Sonst haben wir über 100 Arten im Klötzer Forst. Aber jetzt wächst fast nichts“, berichtete der 68-Jährige. „Es ist einfach zu trocken.“ Eine einzige Marone habe er für den Waldtag aufgespürt. Nur die Pfifferlingsausbeute im Juni – da schüttete es öfters – sei bislang gut ausgefallen.

Eigentlich ist für den kundigen Sammler das ganze Jahr Pilzsaison. Wer sich auskennt, kann die Pilze auch im Stehen sammeln – vom Baum. „Der Leberpilz oder Ochsenzunge findet sich meistens an Eichen. An Obstbäumen soll er besser schmecken“, erklärt Schnüber und hält den riesigen fleischigen Baumpilz in die Höhe. Auch der Schwefelpilz, der ebenfalls an Laubbäumen sprießt, ist essbar. Baumpilze, zu denen auch der Hallimasch und die Krause Glucke zählen, sind in trockenen Jahren wie diesem im Vorteil: Sie werden über den Baum mit der lebensnotwendigen Feuchtigkeit versorgt.

Wer bislang verschmähte Arten probieren will, muss allerdings aufpassen. „Beim Stockschwämmchen soll man vorsichtig sein, es gibt einen stark giftigen Doppelgänger, den Nadelholzhäubling“, warnt der pensionierte Chemiker. Und auch beim Gift-Klassiker, dem Knollenblätterpilz, ist Wachsamkeit geboten: „Der Knollenblätterpilz wächst gern in Symbiose mit Eichen. Wenn Eichen auf Wiesen stehen, kann es schnell zur Verwechslung mit dem Champion kommen.“ Auf der sicheren Seite ist, wer nur Röhrenpilze in den Korb legt. „Es sind keine giftigen darunter“, so Schnüber. Wird allerdings der Gallenröhrling mitgekocht, dann ist die Mahlzeit vergällt.

Wer unsicher ist, ob der Inhalt des Spankorbs tatsächlich genießbar ist, kann sich an den Pilzsachverständigen wenden. 30 bis 40 Pilzberatungen im Jahr führt Dr. Schnüber durch. „Die Beratung ist kostenlos“, betont der 68-Jährige, der Mitglied im Landesverband der Pilzssachverständigen in Sachsen-Anhalt ist.

Kontakt: Tel. (03909) 3758.

Von Gerhard Sternitzke

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