Bewerberschulung für Pflegeeltern: Tipps von erfahrenen Pflegemüttern

Pflegekinder: Wie die eigenen Kinder behandeln

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Ob nur als Kurzzeitgast oder dauerndes Mitglied: Für Pflegekinder gibt es im Altmarkkreis zahlreiche liebevolle Familien, die die Mädchen und Jungen aufnehmen. Welche Sorgen und Probleme es dabei gibt, wird bei der Bewerberschulung besprochen.

Klötze. Der Bedarf ist da, aber auch das Interesse. Und so startet beim Altmarkkreis bald die nächste Bewerberschulung für angehende Pflegeeltern.

Kathrin Blanck (vorn) und Katharina Lütkemüller sind im Altmarkkreis für den Pflegekinderdienst zuständig.

An jeweils zehn Abenden werden die Pflegeeltern in Theorie und Praxis auf das vorbereitet, was sie erwartet, wenn sie ein Pflegekind bei sich aufnehmen. Es gibt unterschiedliche Formen der Pflege: die Bereitschaftspflege, die Kurzzeitpflege, die Dauerpflege und die Familienpflege, wenn also ein Verwandter als Pflegekind aufgenommen wird. Bei der aktuellen Bewerberschulung des Jugendamtes war die Halbzeit erreicht. Grund genug für Kathrin Blanck vom Pflegekinderdienst des Jugendamtes, nach der bisherigen Theorie ein bisschen Praxis ins Spiel zu bringen. Sie hatte zwei bereits erfahrene Pflegemütter nach Klötze eingeladen, die von den angehenden Pflegeeltern mit Fragen „gelöchert“ werden konnten.

Das ist eine Möglichkeit, um Sorgen und Vorbehalte abzubauen. Generell ist es wichtig, dass sich die Pflegeeltern, aber auch die Pflegekinder austauchen, bekräftigten die beiden erfahrenen Pflegemütter. Dabei gibt das Jugendamt des Altmarkkreises Unterstützung. So gibt es nicht nur Schulungen zu bestimmten Themen der Erziehung für die Pflegeeltern, sondern auch gemeinsame Unternehmungen und Aktivitäten. „Für die Pflegekinder ist es wichtig zu erfahren: Ich bin nicht allein, es sind noch andere, denen es genauso geht“, erklärt Kathrin Blanck. Und auch die Pflegeeltern können diese Treffen nutzen, um Erfahrungen auszutauschen.

Wenn Kinder aus ihrem Elternhaus geholt und in eine Pflegestelle gebracht werden, ist das ein einschneidendes Erlebnis. „Wir versuchen dem Kind dann zu erklären, dass die Erwachsenen durch Reden versuchen, die Probleme zu lösen“, erklärt Kathrin Blanck. Meist ist dies für die Kinder eine Erleichterung, sie sind selten bockig oder aggressiv. „Das Kind weiß: Da bin ich für eine gewisse Zeit gut aufgehoben. Und sie wissen, dass es ihnen in der eigenen Familie nicht gut geht.“

Während bei der Bereitschaftspflege die Kinder oft spontan zur Familie stoßen und nach einer gewissen Zeit diese wieder verlassen, ist die Dauerpflege darauf ausgelegt, den Kindern dauerhaft ein Zuhause zu bieten. Allerdings müssen die Pflegekinder, wenn die Pflegeeltern das Rentenalter erreichen, volljährig sein, so ist die Regel. Dass nicht jedes Kinde mit 18 Jahren schon die nötige Reife für eigene Entscheidungen hat, war ein Diskussionsthema bei der Bewerberschulung. Auch weil die Kinder dann meist noch mitten in der Berufsausbildung stecken und noch nicht allein für sich sorgen können. Doch auch dafür gibt es Lösungen, berichteten die beiden Pflegemütter. So können die 18-Jährigen einen Antrag stellen, das Pflegeverhältnis bis zum 21. Lebensjahr fortzuführen. „Der Kontakt bricht nicht mit 18 sofort ab“, versicherten die beiden Pflegemütter. Ganz im Gegenteil: Viele der inzwischen längst erwachsenen Kinder haben weiter Kontakt zur Pflegefamilie, fragen um Rat und kommen zu Besuch – ganz wie die leiblichen Kinder auch.

„Die Kinder sollen in der Familie groß werden, wie die eigenen Kinder auch“, erklärte die Pflegemutter den angehenden Pflegeeltern. Dazu gehören natürlich auch Aufgaben im Haushalt, das Einhalten der Familienregeln – ganz wie bei den leiblichen Kindern auch.

Wichtig ist es auch, dass die Pflegeeltern und die leiblichen Eltern einander achten und zusammenarbeiten, um dem Kind, das sie beide lieben und für das sie das Beste wollen, Sicherheit und Stabilität zu bieten. Pflegekinder lieben auch ihre leiblichen Eltern und manchmal geben sie die Hoffnung nicht auf, dass diese ganz tolle Mamas und Papas werden „Die Kinder lassen auf ihre leiblichen Eltern nichts kommen, man sollte sie auch nicht schlecht machen“, gaben die Pflegemütter als Tipp weiter. „Das ist einer der schwierigsten Punkte. Und es ist auch für einen selbst schwer, damit umzugehen“, wussten sie aus Erfahrung. „Das Band zu den leiblichen Eltern ist immer stark.“

Von der Frage, wie sich der erste Kontakt zum Pflegekind aufbauen lässt, bis zu Versicherungsfragen und der Sorge vor Schäden an den jungen Seelen durch die Erlebnisse in der leiblichen Familie reichten die Themen, die die angehenden Pflegeeltern wissen wollten. Die beiden Pflegemütter gaben viele Tipps. Bereut haben sie die Entscheidung, Pflegekinder in der Bereitschaftspflege oder auch auf Dauer aufzunehmen nie. „Ich habe schon immer ein Herz für Kinder gehabt“, betonte eine der Pflegemütter. Und das schlage auch weiter für die Schwächsten.

Wer sich als potenzielle Pflegeeltern auf die Liste setzen möchte, kann sich an Kathrin Blanck, Tel. (0 39 01) 84 03 77, und Katharina Lütkemüller, Tel. (0 39 01) 84 08 61 vom Pflegekinderdienst des Altmarkkreises wenden.

Von Monika Schmidt

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