Fragebogen soll Antworten auf künftige Arbeit im Pfarrbereich geben

Pfarrer Schulz fühlt der Gemeinde auf den Zahn

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Pfarrer Bernd Schulz (r.) hat da mal eine Frage an seine Gemeinde, zum Beispiel, wie die Gottesdienste in Zukunft gestaltet werden sollen. Johannes Müller sah sich die Fragen genau an.

Kusey. „Wir fragen die, die am besten wissen sollten, was sie wollen. “ Mit diesem Ansatz hat Bernd Schulz, Pfarrer des Kirchspiels Steimke-Kusey, einen Fragebogen entwickelt. Bis zum 1. Juli werden nicht nur die Gemeindeglieder gebeten, die Fragen zu beantworten.

„Es kann jeder ab 14 Jahre mitmachen, egal, ob er in der Kirche ist oder nicht“, erläutert Bernd Schulz im AZ-Gespräch. Sein Anliegen: Er möchte gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat herausfinden, wie sich die Arbeit im neugebildeten Kirchspiel in Zukunft entwickeln soll. Vieles verändert sich: Der Pfarrbereich ist größer geworden, mit dem Gemeindepädagogen Martin Zander gibt es personelle Unterstützung für den Pfarrer bei der seelsorgerischen Arbeit. Die einzelnen Orte des Pfarrbereichs haben jedoch ganz unterschiedliche Traditionen. Was den Menschen vor Ort wirklich wichtig ist, soll der Fragebogen ermitteln.

„Wir können nicht alle Wünsche erfüllen, aber wir können unsere Prioritäten verändern“, erläutert Bernd Schulz. Die Fragen betreffen die bisherige Arbeit in der Gemeinde, die verschiedenen Angebote für Jugendliche, Erwachsene und Senioren, aber auch die Bedeutung des Glaubens für den Einzelnen. Der Fragebogen ist anonym und kann entweder in die in den Geschäften aufgestellten Antwortboxen geworfen oder bei den Kirchenältesten abgegeben werden, dann aber möglichst in einem Umschlag. Die Bitte des Pfarrers: „Machen Sie sich die Mühe, das auszufüllen, damit wir ein gutes Bild bekommen!“

Ein Grund für Bernd Schulz, um die Befragung zu initiieren, war das widersprüchliche Bild, das sich ihm in den Gemeinden bietet: „Wenn ich mit den Leuten spreche, ist immer wieder das Bedürfnis nach Gottesdiensten Thema. Aber wenn dann einer ist, ist er schlecht besucht“, hat der Pfarrer festgestellt. Deshalb drehen sich einige der Fragen um die Gottesdienste, zum Beispiel, welche Themen im Gottesdienst vorkommen sollen, welche Gottesdienstformen wichtig sind und ob Gottesdienste in einer größeren Gemeinschaft einladender sind.

Parallel zum Fragebogen wurde im Kirchspiel eine Arbeitsgruppe Gottesdienst gebildet. Darin sollen die Zahl und der Ablauf der Gottesdienste festgelegt werden. „Es wird nicht mehr alle 14 Tage in jedem Ort Gottesdienst geben können“, erläutert Bernd Schulz. „Trotzdem wollen wir die treuen Kirchgänger nicht verlieren“, betont der Pfarrer. Aber durch den größer gewordenen Pfarrbereich müsse es Veränderungen geben. Ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr. Bernd Schulz möchte lieber einen Gottesdienst halten, der anspruchsvoll gestaltet ist, als viele hintereinander, bei denen der Pfarrer von Kirche zu Kirche hetzen muss. „Ein Gottesdienst braucht Ruhe und Besinnung“, erinnert er, auch für denjenigen, der ihn leitet. Diese sei bei mehreren Gottesdiensten hintereinander nicht gegeben. „Es ist auch eine Frage der Effektivität“, erklärt Bernd Schulz. Die Vorbereitung eines Gottesdienstes nehme viel Zeit in Anspruch. Wenn dann nur drei Besucher im Gottesdienst sind, sei das Arbeiten nicht effektiv.

„Wir müssen Schwerpunkte setzen“, blickt der Pfarrer auf die künftige Arbeit in seinem Pfarrbereich. Nur sei es angesichts der Personaldecke nicht möglich, Zusätzliches aufzunehmen. „Wir haben keinen Spielraum, dann müssen wir anderes weglassen“, erläutert Bernd Schulz. Ein weiterer Grund für die Befragung: Er möchte herausfinden, welche Angebote im Pfarrbereich ankommen und auf welche verzichtet werden könnte: Vom Töpfern bis zu Yoga, vom Konfirmandenunterricht bis zur Zusammenarbeit mit Schule, Kita und Hort reichen derzeit beispielsweise die Angebote im evangelischen Landjugendzentrum. „Was ist Ihnen wichtig?“, lautet eine weitere Frage: Gottesdienste, Bildungsveranstaltungen, Gesprächsmöglichkeiten, Abendandachten, aber auch überregionale Angebote wie das Frauenfrühstück und das Reformationsfest können so eingeschätzt werden.

Die Fragebögen wurden an alle 1600 Gemeindeglieder über 14 Jahre in den Orten des Pfarrbereichs Steimke-Kusey verteilt. Bis 1. Juli soll er wieder abgegeben werden. Eine erste Auswertung wird am 14. Juli beim Sommergottesdienst in Böckwitz erfolgen.

Von Monika Schmidt

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