Klötzerin Daniela Jährig und ihr Mann Steffen Schöley im Dauereinsatz

Nach Erdbeben in Nepal: Altmärker packen an, wo es nur geht

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In einem „ZDF spezial“ berichteten Daniela Jährig und Steffen Schöley am Montagabend aus der Krisenregion rund um Kathmandu. Nachdem sie im größten Krankenhaus der Hauptstadt mitanpackten, sind sie seit gestern in ihrer Projektregion im Kreis Kankada im Einsatz.

Klötze/Kathmandu. Nach dem verheerenden Erdbeben am Sonnabend in Nepal liegt die Region rund um die Hauptstadt Kathmandu in Trümmern. Schätzungen gehen von mindestens 4400 Todesopfern aus.

Von vielen Häusern stehen nur noch Ruinen, in denen verzweifelt nach Überlebenden gesucht wird. Es gibt keinen Strom und bald wohl auch keine Lebensmittel mehr. Mitten drinnen im Chaos stecken derzeit die Klötzerin Daniela Jährig und ihr Ehemann Steffen Schöley, die vor mittlerweile sechs Jahren ihre Zelte in der Purnitzstadt abbrachen, um alle Energie für die Entwicklung der in Zentral-Nepal gelegenen und von den Chepang, den Ureinwohnern Nepals, bewohnten Region Kankada aufzubringen.

Nach den ersten Meldungen über das Beben begannen für die Eltern Rosemarie und Lothar Jährig bange Stunden. „Die Kommunikation war erstmal gleich null“, sagt Lothar Jährig im Gespräch mit der AZ. Doch noch am selben Tag meldete sich das aus der Krisenregion berichtende ZDF bei den Eltern, dass die beiden Entwicklungshelfer wohlauf seien. Wenig später konnte auch ein telefonischer Kontakt hergestellt werden. „Ihre Wohnung in Kathmandu steht noch. Der Stadtteil Boudha ist relativ glimpflich davongekommen“, weiß der Vater.

Hilfe läuft nur schleppend an

Am Montagabend berichteten Daniela Jährig und Steffen Schöley in einem „ZDF spezial“ für die breite Öffentlichkeit schließlich selbst aus Kathmandu, wo sie im größten Krankenhaus der Hauptstadt mitanpackten. Die Versorgung sei zusammengebrochen, Hilfe laufe nur schleppend an. „An jeder Stelle sieht man die Zerstörung, man sieht die Menschen überall auf der Straße“, erklärte Steffen Schöley mit bedrückter Mine. „Die Menschen suchen die Sicherheit, indem sie ihre Häuser verlassen, überall lagern große Gruppen von Menschen. Die buddhistischen Klöster bieten Schutzraum für die Menschen und versorgen sie auch mit Essen. Das heißt, das ist eigentlich eine selbst organisierte Hilfe“, beschreibt Daniela Jährig die Situation.

Überall Blut und offene Brüche

Noch prekärer sei die Lage in dem Krankenhaus, in dem sie halfen. Ständig kämen neue Menschen rein, Tote werden abgedeckt und rausgetragen. „Überall Blut, es waren so viele Wunden, so viele offene Brüche – und es war eigentlich, wenn man zu den Menschen gehen wollte, kaum Platz“, sagt Daniela Jährig im Interview mit dem ZDF.

Wie der von den beiden Entwicklungshelfern vor vier Jahren aus der Taufe gehobene Verein „LiScha Himalaya“ (für „Licht und Schatten“) gestern mitteilte, sei auch die Projektregion Kankada, in der etwa 7000 Menschen leben, schwer getroffen. 90 Prozent aller Häuser seien zerstört und damit die meisten Familien obdachlos. Meldungen über Tote und Schwerverletzte liegen dem Verein noch nicht vor.

„Wenn die Menschen überhaupt Häuser hatten, waren es Feldsteinhäuser – und gerade diese sind wirklich auch alle zusammengefallen“, wusste Daniela Jährig schon bevor sie in die Bergregion zurückgekehrt war. Seit gestern ist sie mit ihrem Mann wieder im Kreis Kankada im Einsatz, der zu den isolierten und nur schwer erreichbaren Regionen Nepals gehört. Für die Menschen, die über keinerlei Anbindung an die größeren Orte verfügen, beginnt nun eine schwere Zeit. „Perspektivlosigkeit hatten sie schon vorher – nun aber mit der Kombination, dass sie ihr Zuhause verloren haben“, beschreibt die Klötzerin die große Not.

Notcamps für Projektregion

Mit Wochenbeginn sind die LiScha-Hilfslieferungen und Notversorgungen für die Projektregion angelaufen. Notcamps seien eingerichtet worden, um die Menschen mit dem Nötigsten versorgen zu können, teilt der Verein mit Sitz im brandenburgischen Guben mit.

Rund um die nur in vierstündigem Fußmarsch erreichbare und in 1300 Metern Höhe gelegene Siedlungsgemeinschaft Silinge hatten Daniela Jährig und Steffen Schöley in den zurückliegenden Jahren bereits viel erreicht. Im Oktober 2013 wurde ein massiver Schulneubau mit Kindergarten und Bibliothek für 600 Kinder eingeweiht. Dort und in weiteren Einrichtungen konnte zudem eine regelmäßige Schulspeisung eingerichtet werden. Mit dem Projekt „Verschenke einen Bienenkorb” soll eine Einkommensmöglichkeit für die Chepang geschaffen werden. Auch eine ständige Wasserversorgung hatte der Entwicklungshilfeverein im Blick. Doch nach dem Beben ist zunächst ganz andere Hilfe nötig. Die Menschen brauchen erstmal wieder ein Zuhause.

Von Matthias Mittank

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