Altmarkkreis sieht keine Möglichkeit zum Eingreifen

Ohrefische auf dem Trockenen

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Rechts und links der Ohrebrücke war das Flussbett komplett ausgetrocknet. Ob das Anstauen der Ohre in Brome für die Trockenheit verantwortlich ist, wie die Steimker vermuten, vermag der Altmarkkreis nicht zu sagen.

Steimke – „Die armen Fische“ – die Einwohner von Steimke waren vergangene Woche richtig aufgelöst. Nicht nur, dass in der Ohre kein Wasser mehr fließt. Zahlreiche kleinere Fische hatten sich an der Ohrebrücke eine Zuflucht gesucht.

Dort hat die Feuerwehr einen Brunnenring ins Wasser gelassen, um Löschwasser entnehmen zu können. Unmittelbar daneben gab es noch eine kleine Vertiefung mit Wasser, in der sich die Fische drängten. Wegschwimmen konnten sie nicht, denn rechts und links der Brücke war das Flussbett ausgetrocknet.

Bestimmt 100 kleine Fische drängten sich vergangene Woche um die letzte feuchte Stelle im Ohrebett.

Die Anlieger wollten helfen, fragten beim Unterhaltungsverband und dem Altmarkkreis nach. Ohne Erfolg. Also schalteten sie die Altmark-Zeitung ein, die wiederum das Umweltamt des Altmarkkreises kontaktierte. Am Freitag wurde von dort der Fischereiberater Hans-Jürgen Krätzig beauftragt, „sich vor Ort in Steimke umzusehen und gegebenenfalls Maßnahmen zur Fischrettung einzuleiten“, informiert Kreissprecherin Amanda Hasenfusz. Der Experte stellte fest, dass die Ohre in Teilbereichen schon seit Tagen kein Wasser führt. Es könne durchaus sein, dass sich in der einen oder anderen Vertiefung, einem sogenannten Kolk, noch vereinzelt Fische befinden. Hans-Jürgen Krätzig bedauert, so betont die Kreissprecherin, dass ihn die Informationen erst über Umwege erreichte und es zu einer Zeitverzögerung kam.

Ein Abfischen der Tiere, die Hans-Jürgen Krätzig entdeckte, sei aufgrund der Gegebenheiten an dieser Stelle nicht möglich. „Dies hätte den sicheren Tod der Fische zur Folge gehabt“, erläutert die Pressesprecherin. Zum Glück für die Fische – und zur Beruhigung der Steimker – gab es am Wochenende und zu Wochenbeginn einige Niederschläge, sodass sich der Wasserstand der Ohre wieder etwas verbessert hat. „Die Situation für die Fische ist damit wieder etwas entspannter.“

Neben dem Brunnenring an der Ohrebrücke haben die Fische einen letzten Unterschlupf gefunden.

Dennoch stellen sich die Steimker die Frage, was sie hätten tun sollen, um die Fische zu retten. Sie selbst dürfen die Tiere gar nicht umsetzen, betont das Kreisumweltamt auf AZ-Anfrage. Dies ist nur befähigten Personen erlaubt. Es sei ohnehin nicht zweckmäßig, Fische in einen anderen Teich einzusetzen, da dieser bei der aktuellen Witterungslage schnell austrocknen könnte und stärker unter massiver Sauerstoffzehrung leidet, als ein Fließgewässer, erklärt das Fachamt weiter. Der richtige Weg ist es, einen Hinweis an die Fischereibehörde, den Kreisangelverein oder den Fischereiberater zu geben.

Im Fall der Ohre sieht die Kreisbehörde ein Anheben des Wasserstandes, um die Situation für die Fische zu verbessern, als nicht möglich an. Ob die Sorgen der Steimker, dass das trockene Ohrebett durch das Anstauen des Wassers in Brome bedingt ist, richtig sind, vermag der Kreis nicht einzuschätzen. „Es ist richtig, dass im Bromer Teich Wasser angestaut wird. Inwiefern das für den geringen Wasserstand primär verantwortlich ist, ist nicht bekannt“, teilt das Fachamt mit. Es gebe keine Möglichkeit, auf eine Unterlassung des Anstaus auf den Nachbarkreis einzuwirken.

VON MONIKA SCHMIDT

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