Die Odyssee eines Abriss-Antrages

Seit elf Jahren steht das ehemalige Techna-Gebäude auf dem Schulplatz in Klötze leer. Die Denkmalschutzbehörde in Halle prüft derzeit einen Abriss-Antrag der Stadt.

Klötze - Von Peter Lieske. Den Abriss des ehemaligen Techna-Gebäudes in Klötze hat die Stadt am 1. Dezember 2009 beantragt.

Als Begründung nannte die Stadt die wirtschaftliche Unzumutbarkeit, weshalb das Gebäude nicht mehr als Kulturdenkmal erhalten bleiben muss, informierte Gabriele Städter von der Pressestelle des Landesverwaltungsamtes in Halle auf AZ-Anfrage. Dieser Antrag werde derzeit vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie aus denkmalfachlicher Sicht geprüft. Dazu gab es Ende April einen Vororttermin, an dem Vertreter des Denkmalfachamtes, des Altmarkkreises und der Stadt teilnahmen. „Das Ergebnis wird in die Entscheidung einfließen“, informierte Gabriele Städter weiter.

Nun wartet die Stadt weiter. Indes sprach Bürgermeister Matthias Mann in Bezug auf die Altmarkkonferenz (wir berichteten) von „so vielen Hürden, wenn ich an das Techna denke“.

Nicht erst seit diesem Winter wartet die Stadt auf eine Abrissgenehmigung. Das Thema geht schon weit in die Geschichte der Stadt zurück. Vor 16 Jahren kam der Abriss erstmals zur Sprache. Damals sollten 6 900 DM für den Erhalt des Techna-Gebäudes auf dem Schulplatz in den Haushaltsplan eingestellt werden. „Das ist doch in den Sand gesetzt“, sagte damals Klaus Ewer-towski. Schon damals, 1994, als der damalige Altmark-Demokrat als Stadtratsmitglied auf den Haushaltsplan 1995 zu sprechen kam, gab es aus dem Stadtrat nur eine Meinung zu hören: Das alte Schulgebäude, das so genannte Techna, sollte abgerissen werden. Eine Sanierung sei einfach zu teuer.

Vor elf Jahren, 1998, zog das SozialCentrum Altmark (SCA) aus dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus. Seitdem steht das Haus leer. Bereits nach einem Jahr des Leerstandes waren erste zerborstene Fenster zu beklagen.

Der Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag. 1,5 Millionen DM würde eine Sanierung kosten, hieß es im Dezember 1998. Ein Jahr später wurde im Stadtrat über eine anderweitige Verwendung von 100 000 DM beraten. Der Grund: Das Geld war für den Abriss eingeplant. Doch die Denkmalschutzbehörde lehnte den Abriss ab. Wenn das Gebäude erhalten bleiben soll, dann wenigstens mit Fördermitteln, hatte der damalige Bürgermeister Lutz Kahler gehofft. Seine Idee: Die Bibliothek könnte ins Techna einziehen. Das Haus an der Breiten Straße, das die Bibliothek beherbergt, könnte verkauft werden. Zudem biete das Techna Platz für ein Museum. Letzterer Gedanke wurde erst wieder von Ulrich Koppe als Vorsitzender des Heimatvereins im Frühjahr diesen Jahres geäußert. Doch das Vorhaben scheiterte damals am Geld. Es gab keine Fördermittel für den Techna-Umbau. Ergebnis: Statt des Abrisses wurde die Stadt verpflichtet, Werterhaltungsmaßnahmen vorzunehmen. So musste die Stadt 8 500 DM in die Dachsanierung investieren.

2001 hatte Ulrich Koppe als damaliger Bürgermeister mit den Behörden zu tun. Das Warten auf eine Antwort auf den Abrissantrag mündete in einem Vororttermin im Juli 2002. Ergebnis: Der Landeskonservator hielt am Erhalt des Hauses fest. Zuvor hatte der Stadtrat entschieden, auf den Schulplatz als Schulstandort zu verzichten und stattdessen diesen Platz zu veräußern.

In den folgenden Jahren kamen mehrere Projekte auf den Tisch des Stadtrates. Behindertengerechte Wohnungen könnten dort entstehen. Im Sommer 2003 sprang eine Investorin ab. Der Grund: Das alte Techna stand dem Vorhaben, ein Altenpflegeheim zu bauen, im Weg.

Inzwischen hat sich wieder ein Investor gefunden. Das benachbarte Schulgebäude aus DDR-Zeiten wurde im vergangenen Jahr abgerissen. Und nun heißt es für die Stadt erneut: Abwarten.

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